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Cannabis als Corona-Schutz - Studie überrascht mit Ergebnis

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Von: Lukas Rogalla

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Eine US-Studie macht Hoffnung im Kampf gegen Corona. Zwei bestimmte Cannabinoide sollen helfen, eine Corona-Infektion oder zumindest schwere Verläufe zu verhindern.

Portland – Vor etwas mehr als einem Jahr wurden die ersten Corona-Impfstoffe* im Kampf gegen die Pandemie zugelassen. Präparate zur Behandlung von Covid-19 gibt es bislang nur wenige. Ein neues Corona-Medikament könnte bald zugelassen* werden. Nun legt eine neue Studie nahe, dass bestimmte Cannabinoide – also Inhaltsstoffe von Hanfpflanzen – vor einer Infektion mit Corona* schützen können.

Ein Forschungsteam der Oregon State University und der Oregon Health & Science University fand heraus, dass die Cannabinoidsäuren den Eintritt des Coronavirus in die Zellen blockieren und somit vor einer Ansteckung schützen. Die Studie erschien am Montag (10.01.2022) im Fachblatt Journal of Natural Products, das bereits von Expertinnen und Experten begutachtet wurde.

Cannabis gegen Corona? Säuren binden Spike-Protein des Virus

Das heißt allerdings nicht, dass man viel Cannabis rauchen sollte, um sich vor einer Erkrankung an Covid-19 zu schützen. Bei den Cannabinoidsäuren CBGA (Cannabigerolsäure) und CBDA (Cannabidiolsäure), die die Studie herausstellt, handelt es sich im Gegensatz zum bekannten Tetrahydrocanabinol (THC) nicht um psychoaktive, dafür um gut verträgliche und sichere Inhaltsstoffe, wie Studienleiter Richard B. van Breemen erläutert.

Cannabis könnte im Kampf gegen das Coronavirus eine Rolle spielen. (Symbolbild)
Cannabis könnte im Kampf gegen das Coronavirus eine Rolle spielen. (Symbolbild) © CHRISTIAN IGLESIAS/ATON CHILE vi

Van Breemen erklärt auch, dass entsprechende Präparate über den Mund eingenommen werden können. Selbst bei einer Corona-Infektion sollen sie die Symptome bei einer akuten Erkrankung abschwächen können oder die Dauer der Infektion verkürzen. „Diese Cannabinoidsäuren sind in Hanf und in vielen Hanfextrakten reichlich vorhanden“, teilt er mit. Allerdings sei dieser Ansatz mit den Cannabinoiden nur in Kombination mit einer Corona-Impfung sinnvoll, betont der Forscher.

Per Massenspektrometrie-Screening haben die Forschenden neben Hanf weitere unterschiedliche Pflanzenarten wie Rotklee, Hopfen oder Süßholz genauer untersucht. Ziel war es, zu ermitteln, welche Stoffe das Spike-Protein des Coronavirus am erfolgreichsten davon abhalten können, in menschliche Zellen einzudringen. CBGA und CBDA hätten dabei die höchsten Affinitäten für das Spike-Protein gezeigt. Laborversuche bestätigten dann, dass sie eine Infektion blockieren können, berichtet das Forschungsteam in der Studie. Auch die Corona-Impfstoffe, beispielsweise von Biontech/Pfizer* oder Moderna*, zielen auf das Spike-Protein ab.

Corona: Cannabinoide als Medikamente einsetzbar?

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Hanfverbindungen gegen die Alpha- (B.1.1.7) und die Beta-Varianten (B.1.351) des Coronavirus wirksam sind, die zuerst in Großbritannien* und Südafrika nachgewiesen worden waren. Offizielle Ergebnisse liegen zwar noch nicht vor, Studienleiter van Breemen gibt sich aber zuversichtlich, dass die Cannabinoide auch bei neueren Virusvarianten ähnlich wirken: „Unsere Daten zeigen, dass CBDA und CBGA gegen die beiden von uns untersuchten Varianten wirksam sind, und wir hoffen, dass sich dieser Trend auch auf andere bestehende und künftige Varianten ausweiten wird“, teilt er mit.

Marihuana wird angebaut
Cannabis könnte im Kampf gegen das Coronavirus eine Rolle spielen. (Symbolbild) © William Archie, Detroit Free Press/dpa

Die Ergebnisse könnten ein bedeutender Schritt in der Behandlung, beziehungsweise Vorbeugung des Coronavirus sein. Ein großer Vorteil sei, dass die besagten Cannabinoide bereits verfügbar sind und schnell zur Behandlung zugänglich gemacht werden könnten. Bevor entsprechende Mittel auf den Markt kommen, müssten sie allerdings zunächst weitere Studien und mehrere Testphasen durchlaufen. (Lukas Rogalla) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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