Im Vergleich zu anderen Ländern

New York Times rätselt über Deutschlands Zahlen - und lobt Merkel überschwänglich

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Welchen Anteil hat die Regierungsführung von Angela Merkel an den vergleichsweise geringen deutschen Corona-Todeszahlen? 

Die Coronavirus-Zahlen aus Deutschland geben den USA Rätsel auf. Die New York Times sieht in Angela Merkel einen Faktor für den deutschen Sonderfall in der Corona-Krise.

  • Deutschland gehört zu den Ländern, mit den meisten bestätigten Coronavirus*-Fallzahlen.
  • Doch eine Zahl sticht heraus: Vergleichsweise wenig Menschen sind bisher gestorben.
  • Das löst weltweites Rätseln aus - die NY Times sieht auch Angela Merkel als Grund für die guten Zahlen.

München - Während die USA fast 400.000 registrierte Infektionen und 12.000 Tote meldet, sind in Deutschland bei 107.000 Infektionen etwa 2.000 Menschen verstorben - . Bei Vergleichen mit Spanien oder Italien fällt ebenso auf: Deutschland hat eine vergleichsweise geringe Sterberate (Stand: 08.04.2020, Quelle: Johns-Hopkins-Universität).

Diese Diskrepanz machte die New York-Times jetzt zum Thema - und lieferte viele mögliche Antworten. Zum Stand des Artikels (4. April) war die Sterberate in Deutschland bei 1,6 - inzwischen ist sie bei 1,8 Prozent, in den USA bei 3,2 Prozent der positiv getesteten Corona-Patienten. In Spanien und Italien lag sie zeitweise bei über 10 Prozent.

Coronavirus-Zahlen: Warum hat Deutschland eine geringere Sterberate?

Auf Anfragen in Deutschland - etwa beim SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach - habe die New York Times eher vorsichtige Antworten erhalten: Man könne noch keine endgültigen Aussagen machen und befinde sich in einem Aufwärtstrend.

Doch Professor Hans-Georg Kräusslich, Virologe* an der Universität Heidelberg, lieferte der New York Times eine andere Antwort: „Die Epidemie begann unter jungen Leuten.“ Viele der zuerst Infizierten hätten sich beim Skiurlaub angesteckt und seien deshalb zwar in der Statistik der steigenden Fallzahlen aufgetaucht, aber nicht an Covid-19 verstorben. Mit Ausbreitung der Krankheit im ganzen Land, seien auch mehr Menschen mit Vorerkrankungen und/oder hohem Alter infiziert worden und verstorben. 

Coronavirus-Zahlen: Welche realen Faktoren könnten dahinter stecken?

Diese statistischen Unterschiede anerkennend, fährt die New York Times aber fort, nach Unterschieden im Umgang mit Infektionen* zu suchen. Und stößt auf folgende fünf Punkte, die Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern anders handhabe:

  • Eine große Menge an öffentlichen Initiativen, die sich auf lokaler Ebene für die Eindämmung des Virus einsetzen (etwa lokale Studien)
  • Eine große Anzahl an Tests, die kostenlos und außerhalb von Arztpraxen durchgeführt werden 
  • Die genaue Nachverfolgung der ersten Fälle
  • Ein robustes Gesundheitswesen mit vielen Intensivbetten
  • Vertrauen in die Regierung

Coronavirus-Fallzahlen: Anerkennung aus den USA für Merkel

Vieles, was uns inzwischen normal erscheint - wie eben kostenlos verfügbare Tests - sind für Länder wie die USA eben keine Selbstverständlichkeit, sondern gehören zum Rätsel um die vergleichsweise geringen Sterbezahlen.

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Anerkennung gibt es mit dem letzten Punkt (Vertrauen in die Regierung) sowohl für Angela Merkels Regierung, als auch für die Bürger: Während Merkel klar, ruhig und regelmäßig mit den Bürgern kommuniziert habe, sei die Bevölkerung gut auf die neuen Regeln eingegangen. 

Unterdessen könnte es im deutschen Bundestag zu einer bemerkenswerten Corona-Reaktion kommen: Verzichten die Abgeordneten auf die Erhöhung ihrer Diäten?

*Merkur.de und tz.de sind Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetwerks.

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