„Das ist wirklich unangenehm“

Heftiger Virologen-Streit zwischen Drosten und Kekulé - jetzt schaltet sich auch Streeck ein

Drosten platzt der Kragen: Nach dem Eklat mit der Bild-Zeitung greift er seinen Kollegen Kekulé an - der schießt zurück. Nun meldet sich auch Hendrik Streeck zu Wort.

  • Nach einer unüblichen Anfrage an Virologe Christian Drosten erschien ein kritischer Artikel über eine seiner Studien.
  • Drosten hinterfragte nun auf Twitter die Methoden der Bild-Zeitung.
  • Nun liefern er und sein Virologen-Kollegen Alexander Kekulé sich einen öffentlichen Streit (Update 29. Mai, 09.18 Uhr). 

Update vom 5. Juni, 21.31 Uhr: Jürgen Klopp steht Drosten nun im Bild-Zoff zur Seite und regt sich fürchterlich über den Umgang mit dem Wissenschafter auf. 

Update vom 29. Mai, 15.37 Uhr: Deutschlands führende Virologen scheinen sich momentan zusehens uneins - sie wollen nach der Kritik an Christian Dorsten derzeit aber nichts von einem „Virologen-Streit“ wissen. Immer wieder wird betont, dass es normal und gut sei, dass in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen kursieren. Nur so könne ein gemeinsamer Konsens erzielt werden. Darüber hinaus hat sich nun Virologe Hendrik Streeck geäußert - und sich hinter seinen Kollegen Christian Drosten gestellt.

Hendrik Streeck war am Donnerstag (28. Mai) bei „Markus Lanz“ zu Gast. Dabei sprang er seinem Kollegen Christian Drosten zur Seite.

Im ZDF-Polittalk „Markus Lanz“ wurde der Forscher an der Universität Bonn zu den vermeintlichen Meinungsverschiedenheiten mit Drosten gefragt. Konkret sprach Lanz die unterschiedliche Sichtweise auf das Infektionsrisiko bei Kindern an. Die Drosten-Studie bewertet dieses nach aktuellem, unabgeschlossenen Stand als potenziell höher als etwa Hendrik Streeck, der meint: „Wir wissen bisher sehr wenig, doch die Merhheit der Daten suggeriert, dass sie (Kinder, d.Red.) etwas weniger infiziert sind als Erwachsene. Doch woran das liegt und ob Kinder dann auch tasächlich weniger infektiös sind, wissen wir nicht.“

Die grundsätzliche Kritik kann der Bonner Virologe nach eigenen Angaben nachvollziehen, denn „was ich von der Seite der Kritiker gelesen habe, war für mich erst einmal einleuchtend“. Der mediale Umgang mit der Studie sei jedoch „wirklich unangenehm“. „Ich fühle da auch mit meinem Kollegen Drosten.“ Letztlich brach Streeck noch einmal eine Lanze für seine Kollegen, denn „am Ende sind wir auch ein Team in der Wissenschaft - auch wenn es Querelen geben sollte“.

WHO und RKI wollten eine bedeutsame Corona-Entdeckung nicht wahrhaben. Eine Epidemiologin aus München machte bereits Ende Januar eine wichtige Entdeckung.

Corona: Rutscht der Virologen-Zoff ins Peinliche? Kekulé lobt Drosten - und legt dann heftig nach

Update vom 29. Mai, 9.18 Uhr: Der Tonfall im Virologen-Disput wird schärfer. Alexander Kekulé hat in einem Deutschlandfunk-Interview nun die Kritik an seinem Kollegen Christian Drosten bekräftigt. Drosten sei ein „extrem seriöser“ Wissenschaftler, lobte Kekulé  - um dann die etwas vergiftete „Erwartung“ zu äußern, er sei sich deshalb „ganz sicher“, dass Drosten seine Studiezurückziehen und neu schreiben“ werde. 

Weiter sagte Kekulé, in der Wissenschaft sollten alle „an einem Strang ziehen“. Von einem „Virologen-Streit“ wollte er nichts wissen. Der Bonner Virologe Hendrick Streeck indes sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, Drostens Methode sei von fünf Statistikern kritisiert worden. 

Drosten hatte zuletzt ein Update seiner Studie angekündigt - Recherchen des Deutschlandfunk wiederum stützen Drostens Kritik an Kekulé (Zitat: „Dazu müsste er erstmal etwas publizieren“). Diesen zufolge hat Kekulé 30 wissenschaftliche Publikationen vorzuweisen, wohingegen es bei Drosten 344 sind, die jüngsten allesamt zum Thema Corona

Virologen-Streit entbrennt total: Drosten attackiert Kekulé frontal - und lässt sich nichts mehr von ihm bieten

Update vom 28. Mai, 20.50 Uhr: Mit seinem Tagesspiegel-Artikel und der offenen Kritik an seinem Kollegen Christian Drosten (siehe Update um 8.21 Uhr) hat sich Alexander Kekulé offenbar überhaupt keinen Gefallen getan. Zumindest im Netz ist die Mehrheitsmeinung eindeutig. Auf der Twitter-Seite von Kekulé heißt es unter anderem: „Ich hielt sie neben @c_drosten als fähigste Kapazität im Lande und habe ihre Podcasts genau so interessiert verfolgt, wie seine. Dass sie ihm mit diesem Kommentar nun dermaßen den Knüppel zwischen die Beine werfen, ist traurig und hilft allenfalls der #BILD“. 

Ein anderer User schreibt: „Ihr Getrete gegen Kollegen und RKI nervt nur noch. Sie verbreiten unter dem Deckmantel vermeintlicher Expertise nur Ihre persönliche Agenda und verunsichern so massiv die Öffentlichkeit.“ Ein anderer wirft Kekulé ebenfalls einen „schlechten Stil“ vor. 

Kritik, die scheinbar auch von Drosten selbst geteilt wird. Er retweetete auf Twitter dieses Statement: „Wenn jetzt die Wissenschaftler öffentlich aufeinander einprügeln, gewinnt am Ende die Bild.“ Dazu ergänzte er: „So sieht es aus. Kekulé ist zum Glück bisher der Einzige, der sich so verhält. In unserer Community spielt er keine Rolle.“ Ein weiterer Tiefschlag gegen Kekulé, nachdem Drosten zuvor schon andeutete, dass dieser nichts zum Thema publiziert habe - also keine Ahnung habe. 

Später teilte Drosten noch eine weitere Breitseite gegen Kekulé, nämlich einen Tweet, in dem der Virologen-Professor als „Wissenschaftsjournalist“ bezeichnet wird. Als jemand also, der nur von außen die Dinge betrachtet und keine tiefgehende Kompetenz mitbringt. Mehr noch: In dem Tweet, den Drosten retweetet hat, wird Kekulé auch noch vorgeworfen, seine Meinung ständig zu wechseln und teilweise „absurde Lösungen“ anzubieten. Das Tischtuch zwischen den beiden Professoren scheint zerschnitten. 

AOK zieht Konsequenzen nach -Berichterstattung über Virologe Drosten 

Update vom 28. Mai, 12.34 Uhr: Der AOK-Bundesverband stoppt seine Werbung in der Bild-Zeitung. Nach der umstrittenen Bild-Berichterstattung über den Virologen Christian Drosten und einer seiner Corona-Studien will die AOK die Zusammenarbeit beenden, berichtet das Medienmagazin dwdl.de online. Der AOK-Bundesverband sei zum Schluss gekommen, dass die Zeitung kein geeignetes Umfeld für eine Imagekampagne sei. Das schrieb Geschäftsführer Steve Plesker in einem Post auf LinkedIn. Für gesetzliche Krankenkassen spiele das sogenannte Brand Safety eine wichtige Rolle - Werbung in vertrauenswürdigen Umfeldern landen. Gleichzeitig stellt Pleske, laut dwdl.de, klar, dass die AOK das nicht als Aufruf zum Boykott verstanden wissen will. 

Corona-Virologe Drosten reagiert empört auf Kekulé-Kritik

Update vom 28. Mai, 8.21 Uhr: Charité-Virologe Christian Drosten setzt sich erneut gegen deftige Kritik zur Wehr. Nachdem die Bild-Zeitung Drosten zuletzt harsch für eine Studie zur Corona-Ansteckungsgefahr durch Kinder kritisiert hatte, war bereits ein Streit entbrannt. Jetzt legte der Biochemiker Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg den Finger in die Wunde.

Wurden in den vergangenen Monaten zu Berühmtheiten: Die Virolgen Christian Drosten und Alexander Kekulé.

In einem Gastbeitrag im Berliner Tagesspiegel kritisiert auch Kekulé Drostens Studie. Er zählt darin unter Bezugnahme auf den Züricher Biostatistiker Leonhard Held, der Drostens Studie methodische Fehler unterstellt, selbst mehrere vermeintliche Fehler Drostens auf. Mitunter schreibt Kekulé, dass die Frage, ob Kinder für die Verbreitung des Virus verantwortlich seien, für Drosten als Berater der Bundesregierung von „persönlicher Bedeutung“ sei. Schließlich habe Drosten zunächst für Schulschließungen plädiert, sei dann später allerdings umgeschwenkt. Die neue Studie nun solle laut Kekulé Drostens eigene erste Einschätzung wissenschaftlich unterlegen und ihn so letztlich auch vor Kritik, wie sie die Bild geäußert habe, schützen.

Abschließend meint Kekulé mit Blick auf Fehler in der Studie: „Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar“.

Gegen die heftige Kritik wehrt sich nun Christian Drosten und teilt dabei selbst ordentlich gegen Kekulé aus. Via Twitter teilte er den Tagesspiegel-Beitrag seines Kollegen und schrieb dazu: „Kekulé macht Stimmung. Seine Darstellung ist tendenziös. Er kennt unsere Daten nicht und zitiert falsch. Zuletzt verteilt Drosten noch einen Tiefschlag und schreibt:„Kekulé selbst könnte man nicht kritisieren, dazu müsste er erstmal etwas publizieren.“

Corona-Virologe Drosten im Streit mit „Bild“ - Spahn bezieht Stellung: „Niemals eine gute Idee“

Update vom 28. Mai, 7.11 Uhr: Nun hat sich auch Gesundheitsminister Jens Spahn zu dem Streit zwischen der Bild-Zeitung und dem Virologen Christian Drosten geäußert. Es sei ihm wichtig, dass Politik und Wissenschaft miteinander eine Debattenkultur führen, so Spahn gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Dabei seien auch öffentliche Diskussionen ausdrücklich erlaubt, da es letztlich etwa um die „Zukunft unserer Kinder“ gehe. Allerdings sollten sich alle „vor scheinbar schnell abgeleiteten Absolutheitsansprüchen“ hüten, mahnte Spahn. 

Dass Drosten zeitweise die privaten Kontaktdaten des entsprechenden Bild-Reporters öffentlich gemacht hatte, sei „niemals eine gute Idee“, so Spahn weiter.

Dann wies der Gesundheitsminister darauf hin, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zeit entwickeln. Diesem Erkenntnisstand müsse die Politik dann folgen. Er nannte das Beispiel der Schulöffnungen*. Über die Ansteckungsgefahr von Kindern gebe es aktuell keine belastbaren Fakten.

Corona-Virologe Drosten schießt im „Bild-Streit“ mit Argumenten zurück - „Für Angriff missbraucht“ 

Update vom 27. Mai, 11.30 Uhr: Christian Drosten wehrt sich im „Bild-Streit“ entschieden. Konkret: Der Virologe wirft dem Medium vor, Aussagen von Statistikern zu einer seiner Studien im Zuge der Coronavirus-Pandemie verdreht zu haben.

„Nachdem sich gestern alle vier deutschsprachigen Statistik-Kritiker vom #Bild-Artikel distanziert haben, wurden heute englische Statistiker für einen weiteren Angriff missbraucht. Auch diese haben sich allerdings postwendend distanziert“, schrieb der Wissenschaftler der Berliner Charité bei Twitter.

Update vom 27. Mai, 11 Uhr:  Virologe Christian Drosten bekommt im „Bild-Streit“ Rückendeckung von einem Kollegen. 

Die Bild Zeitung hatte schwere Vorwürfe erhoben, dass eine Studie des Wissenschaftlers der Berliner Charité zur Coronavirus-Pandemie nicht haltbar sei - und sich dabei unter anderem auf Sir David Spiegelhalter, Statistik-Professor an der Cambridge-Universität, berufen.

Corona in Deutschland: Christian Drosten wegen Studie angegangen

In der Studie ging es konkret um einen Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen, wie stark die Virusmenge im Rachen ist. Ist die Studie falsch oder fehlerhaft? Virologe Dr. Martin Stürmer aus Frankfurt hat in der Sendung Markus Lanz im ZDF dazu Stellung bezogen.

Corona-Virologe der Berliner Charité: Christian Drosten.

Die Virusmenge im Rachen zwischen Kindern und Erwachsenen würde sich „nicht wirklich signifikant unterscheiden“, erzählte er in der Sendung von Drostens Ergebnissen. Es brauche „mathematische Duelle, um das zu verifizieren“, meinte er weiter, über die Ergebnisse könne man „sicher diskutieren. Das hat Herr Drosten selber gesagt“.

Christian Drosten: Kollege Martin Stürmer verteidigt deutschen Corona-Virologen

Doch, wie sein Kollege angeblich angegangen wird, konnte er überhaupt nicht verstehen. „Es ist auf jeden Fall kein guter Stil. Ich habe das mit ziemlichem Bedauern feststellen müssen, weil ich Christian Drosten als sehr guten Wissenschaftler kennengelernt habe. Diese Art und Weise, mit ihm umzugehen, ist für keinen Wissenschaftler gut und richtig“, sagte Stürmer: „Wir kennen dieses Virus seit knapp fünf Monaten. Da kann man keine Wunderdinge erwarten.“ Drosten werde „von der Bild-Zeitung zerpflückt“.

Angesichts der polarisierenden Rolle der Virologen in der Corona-Krise geraten ihre Ergebnisse aktuell ein Stück weit in den Hintergrund.

Update vom 26. Mai, 21.00 Uhr: Die Diskussion um die Coronavirus-Auflagen und die Empfehlungen von Virologen und Gesundheitsexperten wächst auf bedrohliche Ausmaße an. So bekamen Virologe Christian Drosten und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nach eigenen Angaben Drohungen.

Corona: Lauterbach spricht über Morddrohungen

Lauterbach berichtete am Abend dem Portal t-online.de Näheres über den Vorfall. „Eine Morddrohung ist eine Art Postkarte, auf der ein Kreuz abgebildet ist mit meinem Namen eingraviert. In Schreibmaschinenschrift steht dort, dass ich an meine Familie denken solle“, so der SPD-Politiker, der die anonymen Drohungen an den Staatsschutz übergab.

Zuvor teilte Lauterbach auf Twitter ein Foto eines Drohpakets, das allerdings keine Morddrohung darstelle. Drosten kommentierte darauf, er habe das gleiche Paket erhalten (siehe Update von 18.10 Uhr). Lauterbach stellte fest, dass sich Hetze im Internet in den letzten Tagen massiv verstärkt habe. Der 57-Jährige verteidigte den strengen Kurs der Bundesregierung und zog viel Kritik auf sich.

Drohungen gegen Politiker sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring veröffentlichte im Oktober 2019 eine Morddrohung gegen ihn, das offensichtlich aus der rechtsextremen Szene stammte. Die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth erhielten ebenfalls Morddrohungen erhalten, ebenso der SPD-Politiker Karamba Diaby aus Halle.

Corona: Christian Drosten reagiert im Podcast auf Bild-Artikel

Update vom 26. Mai, 18.10 Uhr: Der Streit um Corona-Maßnahmen und die Ratschläge von Experten droht in Deutschland offenbar zu eskalieren: Virologe Christian Drosten und der in der Corona-Krise oft als Fachmann zitierte SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach haben nach eigenen Angaben drastische Drohungen per Post erhalten.

Auf Twitter teilte Drosten am Dienstag eine Drohung gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und kommentierte, „Das selbe Paket habe ich heute auch bekommen.“ Auf dem geteilten Bild wird ein offenes Paket gezeigt, auf dem ein Fläschchen mit einem Aufdruck „CoV-Positiv“ liegt, dazu die knappe Botschaft „Trink das - dann wirst du immun“.

Lauterbach schrieb seinerseits, „Morddrohungen bis zu Beleidigungen aller Art, einige von uns müssen viel hinnehmen. Daher sollte jeder mit Restbestand von Charakter die Hetze im Netz gegen Virologen, Epidemiologen oder Politiker einstellen. Es animiert Leute, die unberechenbar sind. Denkt an unsere Familien.“

Coronavirus in Deutschland: Drosten reagiert im Podcast auf Bild-Artikel

Update vom 26. Mai, 17.20 Uhr: Der Schlagabtausch zwischen der Bild-Zeitung und dem Charité-Virologen Christian Drosten setzt sich auch am Tag nach dem Eklat fort. Die Boulevardzeitung hatte eine Studie zur Virenlast bei Kindern als „grob falsch“ bezeichnet. Nun kontert Drosten in der aktuellen Ausgabe seines Coronavirus-Podcasts.

Der Virologe reagierte erneut auf den Bild-Artikel mit der Headline „Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch - Wie lange weiß der Star-Virologe schon davon?“. Der Berater der Bundesregierung in der Pandemie kritisierte eine ungenaue Herangehensweise der Bild - die eine Vorveröffentlichung von Drostens Studie mit aus dem größeren Kontext gerissenen Wissenschaftler-Zitaten kritisierte.

Japan vermeldet, die Corona-Krise weitgehend unter Kontrolle zu haben. Könnte das Land Vorbild für Deutschland sein? Das sagt Virologe Christian Drosten dazu. 

Und: Was hat der Corona-Lockdown gebracht? Eine Studie hat ein eindeutiges Ergebnis.

Drosten: Darum distanzierten sich die Wissenschaftler vom Bild-Artikel

„Das kann man sich natürlich jetzt irgendwo entweder aus Twitter oder auch diesen Preprints zusammenbauen, was man da daraus zitieren will. Nur damit hat man ja nicht verstanden, was diese Wissenschaftler da überhaupt an unserer Studie kritisieren“, rügte Drosten. Zudem betonte er, dass sich vier Wissenschaftler „sehr deutlich jetzt inzwischen von dieser gesamten Berichterstattung distanziert“ hätten, da „das einfach inhaltlich so gar nicht das ist, was die gesagt haben“. Vor allem Methodik der Studie war von der Bild beanstandet worden.

Im NDR-Podcast erläuterte Drosten erneut das Verfahren der entsprechenden Studie. Die Expertise hatte den Schluss nahegelegt, dass Kinder genauso ansteckend sein können wie Erwachsene. 

Zur aktuellen Situation stellte er einen bildlichen Vergleich auf. „Sie bauen sich in ihrer Freizeit zu Hause ein Gartenhäuschen und mauern das hoch. Dann kommt ein Maurermeister und sagt: ‚Sie hätten aber eine bessere Kelle verwenden können, dann wären die Fugen vielleicht schöner geworden.‘ Bis dahin ist alles berechtigt“, sagte Drosten offenbar in Anspielung auf den wissenschaftsinternen Prozess von These und Kritik.

Corona-Experte Drosten über Bild-Bericht - „Vollkommen irreführend“

Doch dann holte Drosten gegen die Bild-Zeitung aus. „Aber wenn dann jemand von außen angelaufen kommt und sagt: ‚Das, was da in ihrem Garten steht, das ist übrigens auch gar kein Haus, denn der Maurermeister hat sich ja darüber beschwert‘, dann sind wir vielleicht so ein bisschen bei dem, was hier gerade in der Öffentlichkeit passiert. Das ist vollkommen irreführend.“

Aus diesem Grund hätten sich die im Artikel genannten Wissenschaftler vom Zeitungsbericht distanziert haben, erklärte Drosten. Vorveröffentlichungen von Studien würden publiziert, um Fachleuten die Möglichkeit zu geben, diese zu bewerten und im optimalen Fall zu verbessern. „Das ist ein normaler wissenschaftlicher Prozess, den vielleicht bestimmte Medien so nicht verstehen oder so nicht übertragen können in eine verkürzte Berichterstattung. Da kommen dann eben manchmal solche Dinge dabei heraus“, so Drosten.

Drosten, der Corona-Experte: Streit zwischen Virologen und Bild-Zeitung eskaliert

Erstmeldung vom 25. Mai:

Berlin - Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité-Klinik erwies sich in der Corona-Pandemie* stets als einer der meistbeachteten Berater der Politik. Gelegentlich kritisierte er die Berichterstattung der deutschen Presselandschaft im Zusammenhang mit dem Coronavirus*. Nun gibt es erneut Ärger - denn Drosten wirft der Bild-Zeitungtendenziöse Berichterstattung“ vor. Vorausgegangen war eine ungewöhnliche Anfrage eines Redakteurs. Es folgte ein Artikel mit drastischer Kritik an Drostens Arbeit.

Coronavirus-Eklat um Drosten: Tweet mit Bild-Anfrage geht viral

Drosten selbst brachte mit einem Tweet die heftige Debatte ins Rollen, der Virologe postete den Screenshot einer Mail-Anfrage eines Bild-Journalisten. Dieser teilte Drosten mit, man wolle kritisch über eine Studie des Instituts für Virologie an der Charité berichten. Diese untersuchte, ob bei Kindern dieselbe Ansteckungsgefahr* bestehe wie bei Erwachsenen. 

Drosten bezog sich auf jene Studie, als er erklärte, es gebe keinen signifikanten Unterschied bei der Viruslast von Kindern und Erwachsenen. Die Anfrage beinhaltete auch Zitate von Wissenschaftlern, die der Studie gegenüber angeblich skeptisch gegenüberstehen.

In der E-Mail des Redakteurs, die um 15 Uhr bei Drosten einging, wurde der Virologe aufgefordert, sich innerhalb einer Stunde zur Kritik an seiner Studie zu äußern. In seinem Tweet antwortete Drosten trocken, er habe „Besseres zu tun“. Dazu schrieb er: „Interessant: die Bild plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang.“

Coronavirus: Von Bild zitierte Wissenschaftler stellen sich hinter Drosten - „Distanziere mich ausdrücklich“

Kurze Zeit nach dem Tweet des Charité-Virologen veröffentlichte die Bild am Montagnachmittag den kritischen Artikel mit dem Titel „Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch“. In dem Text wurden auch Stimmen verschiedener Experten aus der Wissenschaft hinzugezogen, die ihre Bedenken an der Studie aussprechen. Außerdem erwähnte die Zeitung, dass sich der Virologe nicht auf die Anfrage äußern wolle.

Allerdings schienen die zitierten Wissenschaftler zumindest teilweise nichts von dem Bild-Bericht zu wissen und distanzierten sich nun von dem Artikel. Der Bonner Statistik-Professor Dominik Liebl schrieb, „ich wusste nichts von der Anfrage der BILD und distanziere mich von dieser Art Menschen unter Druck zu setzen aufs schärfste“. Christoph Rothe, Professor an der Uni Mannheim, twitterte ebenfalls, „niemand von der Bild hat mit mir gesprochen, ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Art der Berichterstattung“

In dem Artikel werden sowohl der Wirtschaftswissenschaftler Rothe als auch Liebl zitiert. „Die mittlere Viruslast der Altersgruppe Kindergarten ist um 86 Prozent niedriger als die mittlere Viruslast der Altersgruppe der Älteren“, lautet ein Zitat aus einer Studie Liebls. Rothe wird mit den Worten wiedergegeben, die in Drostens Studie verwendeten statistischen Methoden seien „sehr schwach“.

Bild-Eklat um Virologen: Zitierte Wissenschaftler stellen sich hinter Drosten - „Distanziere mich ausdrücklich“

Sogar Politiker sprangen dem Virologen zur Seite und unterstützten ihn. Juso-Chef Kevin Kühnert postete eine Anfrage desselben Redakteurs aus dem Jahr 2018, in dem ihm „noch mehr als drei Stunden Zeit zur Beantwortung“ gegeben wurden, wie der SPD-Politiker ironisch kommentierte. Auch die Grünen-Politikerin Renate Künast kommentierte Drostens Beitrag mit einem Herzen sowie einem hochgestreckten Daumen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach - ebenfalls ein äußerst gefragter Ansprechpartner in der Krise - stärkte Drosten auf Twitter ebenso den Rücken und schrieb, „da Methodik der Studie einwandfrei ist (und sich mit der anderer Studien dazu deckt) würde ich mir keine Sorgen machen.“

Viele Twitter-Nutzer wiesen auf die kurze Zeit hin, die dem Virologen zur Antwort gegeben wurde und werfen der Bild mangelnde Recherche und Voreingenommenheit vor. Einige User griffen den Charité-Virologen an, da er zunächst die Daten des Redakteurs in seinem Screenshot öffentlich machte. Der Tweet wurde jedoch von Drosten gelöscht und später bearbeitet wieder gepostet. 

Forscher aus München wollen nun einen Marker identifiziert haben, mit dem sich voraussagen lassen könnte, wie eine Corona-Erkrankung verläuft. 

Christian Drosten wurde für seine Lockdown-Vorschläge massiv kritisiert. Eine neue Studie scheint Drostens Position nun zu verteidigen - nennt aber absurd hohe Todeszahlen. 

ajr/pm

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Rubriklistenbild: © Screenshot Markus Lanz/ZDF, dpa/Michael Kappeler

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