Forschung

Coronavirus: Gibt es doch keine grundsätzliche Immunität?

Immunität gegen das Coronavirus: Forscher waren sich bisher weitestgehend einig, dass Personen, die bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, für längere Zeit immun sind. Eine Studie aus China stellt das nun infrage.

  • Forscher waren sich bisher weitgehend sicher, dass einmal mit Corona* Infizierte zumindest für einige Zeit immun gegen das Virus sind. 
  • Eine Studie aus China stellt diese grundsätzliche Immunität gegen das Coronavirus nun in Frage. 
  • Offenbar wirkt sich der Verlauf der Covid-19-Erkrankung auf die Immunität aus. 

Forscher waren sich bisher weitgehend sicher, dass Menschen, die bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, für eine längere Zeit immun gegen Sars-Cov-2 sind. 

So schreibt etwa das Robert-Koch-Institut in seinem Steckbrief über das Virus: „Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (Sars und Mers) deuten darauf hin, dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte.“ Genauso ziehen die WHO und mehrere Experten die Erfahrungen mit anderen Coronaviren heran und sehen für bereits Genesene ein geringes Risiko, sich innerhalb kurzer Zeit wieder mit dem Coronavirus zu infizieren.

Corona: Forscher stellen bisher angenommene Immunität von Covid-19-Genesenen infrage

Denn eine Immunität bedeutet, dass die Viren vorerst nicht mehr in den Körper eindringt. Ist man also immun, besteht ein gewisser Schutz, dass man sich mit diesem speziellen Virus nicht ansteckt. 

Den Nachweis für eine Immunität bilden Antikörper im Blut. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Forschung bildet derjenige, der mit Sars-CoV-2 infiziert war, diese in der Regel in den Wochen nach der Infektion. Allerdings ist das scheinbar nicht immer so. Eine im Preprint-Server Medrxiv veröffentlichte Studie der Universität Lübeck zeigte, dass es auch Menschen gibt, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren, bei denen die Forscher aber keine Antikörper nachweisen konnten.

Immunität gegen das Coronavirus: Covid-19-Verlauf soll mit der Immunität zusammenhängen

Eine aktuelle Studie aus China, die in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht wurde, hat nun die Dauer der nach einer Erkrankung entstehenden Immunität untersucht - in Zusammenhang mit dem Verlauf der Covid-19-Erkrankung. Die Forscher untersuchten, ob diejenigen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und unter Symptomen litten, nach überstandener Krankheit länger immun sind als diejenigen, bei denen die Infektion unbemerkt verlief: Denn ein großer Teil der Infizierten hat nur leichte, oder sogar überhaupt keine Symptome.

Das Ergebnis: Bei Patienten, bei denen das Coronavirus zwar nachweisbar war, die aber keine Symptome hatten, sank die Konzentration der Antikörper im Blut tatsächlich bereits nach kurzer Zeit. Bei einigen waren nach drei Monaten keine Antikörper mehr nachzuweisen.

Immun gegen Corona? - Bereits nach drei Wochen waren deutlich weniger Antikörper nachweisbar

Die Forscher untersuchten eine relativ kleine Stichprobe von Corona-Patienten in der chinesischen Region Wanzhou. Insgesamt wurden 37 Patienten ohne Symptome mit 37 Patienten verglichen, bei denen Symptome auftraten.

Aus der asymptomatischen Gruppe hatten bereits drei bis vier Wochen nach der Infektion nur noch 62,2 Prozent Kurzzeit-Antikörper im Blut – verglichen mit 78,4 Prozent der Patienten, die Symptome hatten. Die Immunität scheint also tatsächlich mit dem Verlauf der Covid-19-Erkrankung zusammenzuhängen. 

Aber nicht nur die Dauer der Immunität scheint bei Verläufen ohne Symptomen schwächer, auch die Stärke der Immunität ist wohl geringer: Bei den Patienten ohne Symptome wurden weniger an der Immunabwehr beteiligte Zellproteine festgestellt, was auf eine schwächere Immunantwort auf das Coronavirus hindeute.

Der Corona-Immunitätsausweis ist aus Sicht der Forscher sinnlos

Die Autoren der Studie erklären auf Grundlage der erhobenen Daten, dass die Einführung von Immunitätsausweisen, wie es Gesundheitsminister Jens Spahn auch für Deutschland* vorschlug, wahrscheinlich wenig sinnvoll sei.

Die Ergebnisse der Studie aus China bedeuten aber nicht zwingend, dass Menschen ohne nachweisbare Antikörper im Blut automatisch nicht immun gegen das Coronavirus sind. Neben bestimmten Antikörpern, die in der Studie untersucht wurden, gibt es auch Immunzellen im Körper von Genesenen, die das Virus selbst bekämpfen oder wieder Antikörper bilden, wenn es erneut eindringt. Außerdem gibt es noch keine verlässlichen Erkenntnisse, wie viele Antikörper nötig sind, um vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. (iwe) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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