Corona-Vakzin zu selten genutzt

Überraschende Statistik: Warum bleibt vom Moderna-Impfstoff in Deutschland so viel liegen?

Österreich hat ein Fünftel seiner Impfstoffe noch nicht genutzt.
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Österreich hat ein Fünftel seiner Impfstoffe noch nicht genutzt.

In Deutschland wird viel über den zu wenig genutzten Impfstoff von Astrazeneca diskutiert. Dabei wird das Vakzin eines anderen Herstellers aktuell noch weniger verabreicht.

München - Während in Deutschland rund 70 Prozent aller verfügbaren Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht wurden, ist Österreich zumindest ein kleines Stück effizienter. Unsere Nachbarn im Süden stehen bei 74,7 Prozent und befinden sich im EU-Ranking damit immerhin auf dem siebten Platz. Das zeigt eine Statistik des ECDC, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Demnach gibt es zwei EU-Länder, die ihre Impf-Kapazitäten voll ausgenutzt haben.

So stehen Litauen und Estland bei 100 Prozent. Jede Impfdose wurde also bereits verabreicht. Dänemark mit 92,8 Prozent, Polen mit 86,9 Prozent, Portugal mit 82,9 Prozent und Griechenland mit 81,9 Prozent sind die nächsten Länder im Ranking. Was bei einigen Staaten auffällt: Der Impfstoff von Moderna wurde trotz verfügbarer Dosen vergleichsweise wenig verabreicht. In Deutschland wurden von den 679.200 Dosen bislang nur 176.579 verimpft. Das entspricht fast 26 Prozent.

Coronavirus-Impfstoff: Astrazeneca wird durchschnittlich häufiger verabreicht

Das viel diskutierte und mittlerweile zu Unrecht verunglimpfte Vakzin von Astrazeneca (Neue Studie zeigt die besonders gute Wirksamkeit) wird hingegen mit 466.596 von 1.452.000 Dosen immerhin zu 32 Prozent genutzt. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Österreich ab. Moderna kommt auf eine Quote von ca. 29 Prozent und Astrazeneca auf 35,7 Prozent. Die Daten des ECDC werden pro Woche zweimal von den einzelnen Ländern geliefert, sind also relativ aktuell.

Eine Erklärung für die zurückhaltende Nutzung des Moderna-Impfstoffs könnte sein, dass er eine andere Handhabung als das Produkt von Biontech/Pfizer benötigt. Ende Januar hieß es noch vom Gesundheitsministerium, das Vakzin des US-Herstellers könne aktuell nicht in Impfzentren genutzt werden. Er solle vor allem in Dialyseeinrichtungen zum Einsatz kommen, um deren Personal zu impfen. Dort würden auch schwerkranke Patienten erreicht werden können. Die Zielgruppe ist also eine deutlich kleinere als die von Biontech und Astrazeneca.

Coronavirus-Impfstoff: Ungarn nutzt Sputnik V - und kommt trotzdem nicht weiter

Im Keller des EU-Rankings befinden sich übrigens die Niederlande mit 62,1 Prozent, Ungarn mit 56 Prozent und Luxemburg mit 54 Prozent. Interessant: Ungarn ist mit seiner geringen Impfquote das einzige europäische Land, das bereits den russischen Impfstoff Sputnik V nutzt. In der EU ist das Vakzin nämlich eigentlich nicht zugelassen. Gegenüber der Bild verteidigte Staatspräsident Viktor Orban diesen Schritt:

„Die USA, Großbritannien, Israel, auch Serbien sind uns EU-Mitgliedern weit voraus. Deshalb suche ich für mein Land Impfstoff dort, wo er verfügbar ist, auch in China oder Russland, solange unsere Behörden die Wirkstoffe geprüft und freigegeben haben.“ Die EU-Kommission habe es verpasst, seine Bevölkerung  „schnell und effektiv“ mit Impfstoff zu versorgen. So hat sich Ungarn also das Vakzin aus Russland geschnappt. Bleibt allerdings das Problem, dass die ungarische Bevölkerung noch nicht mitzuziehen scheint. (ta)

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