Regierung reagiert sofort

Corona-Fallzahlen schießen plötzlich in die Höhe: WHO nennt Lage in Nachbarland „besorgniserregend“

Die Corona-Zahlen in Europa steigen - so auch in Tschechien. Nachdem das Land lange als Vorreiter in der Pandemie gegolten hatte, ist die Lage nach WHO-EInschätzung nun „besorgniserregend.“

Update vom 16. September, 22.41 Uhr: Wegen steigender Corona-Zahlen hat Tschechien strengere Regeln verhängt. Gaststätten, Cafés, Bars, Nachtklubs und ähnliche Einrichtungen dürfen nur noch so viele Menschen einlassen wie sie Sitzplätze haben. Bei Veranstaltungen in Innenräumen mit mehr als zehn Leuten muss jedem Besucher künftig ein Sitzplatz zugeordnet sein.

Zuvor hatte die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Tschechien einen Rekordwert erreicht. Am Dienstag kamen 1675 weitere Fälle hinzu - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Bisher starben in dem EU-Land 481 Menschen in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung.

Corona in Tschechien: Auswärtiges Amt war vor Prag

Update vom 9. September, 21.55 Uhr: Das Auswärtige Amt hat am Mittwoch prompt auf die neuesten Entwicklungen in Tschechien reagiert. So warnt die Bundesbehörde neuerdings „vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Hauptstadt Prag aufgrund hoher Infektionszahlen.“ Die 1,3-Millionen-Einwohner-Stadt verzeichnet die meisten Corona-Fälle Tschechiens. Aufgrund der prekären Lage im Land hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnungen nun ausgeweitet.

Derweil verhängt ein Land bereits den zweiten Lockdown. Zudem gibt es auf den Balearen eine peinliche Datenpanne. Wie sehen die tatsächlichen Fallzahlen aus?

Corona in Tschechien: WHO spricht von „besorgniserregender“ Lage - Regierung reagiert sofort

Erstmeldung vom 9. September 2020: Prag - Die Corona-Zahlen in Deutschland sind in letzter Zeit wie nahezu in ganz Europa gestiegen, bewegen sich aber zumindest auf einem konstanten Niveau. Am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut 1.499 Neuinfektionen, was etwa 200 Fällen mehr als an den Tagen der vergangenen Woche entspricht, als täglich um die 1.200 bis 1.300 neue Fälle hinzukamen.

Corona in Tschechien: Rekordwert an Neuinfektionen und aktiven Fällen erreicht

Ähnliche Sphären hat nun auch Tschechien erreicht. Am Mittwoch meldete die nationale Gesundheitsbehörde 1.164 Neuinfektionen. Bei einer Einwohnerzahl von nur etwas mehr als zehn Millionen Einwohnern, also weniger als einem Achtel der deutschen Bevölkerung, eine bedenkliche Zahl. Die 1.164 neuen Covid-19-Fälle entsprechen zudem dem Rekord-Wert an einem Tag gemeldeter Neuinfektionen. Zuvor lag dieser Wert bei 796.

Bisher haben sich in Tschechien insgesamt 29.877 Personen mit Corona infiziert, 441 starben. Mit derzeit 9.272 aktiven Fällen wurde am Mittwoch dabei ein neuer Höchstwert erreicht. In Deutschland, wo nun die Afrikanische Schweinegrippe ausgebrochen sein könnte, haben im Moment übrigens 22.733 Menschen aktiv mit dem Virus zu kämpfen.

Corona in Tschechien: 14-Tages-Inzidenz - Land deutlich vor Bundesrepublik

Dass die derzeitigen Entwicklungen im Land bedenklich sind, zeigt auch der Blick auf die 14-Tages-Inzidenz. Diese offiziellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation zeigen, wie viele Menschen sich pro 100.000 Einwohner in den letzten zwei Wochen mit Covid-19 infizierten und sind aussagekräftiger als die absoluten Zahlen. Tschechien verzeichnet demnach 69 Fälle pro 100.000 Einwohner, was nach Frankreich (134) und Luxemburg (85) dem dritthöchsten Wert von Deutschlands Nachbarländern entspricht. Die Bundesrepublik kommt aktuell auf eine Inzidenz* von 14, europäischer Spitzenwert ist Andorra mit 261, gefolgt von Spanien (237) und Montenegro (212).

Weil die Fallzahlen erst seit kurzem in einem so hohen Bereich liegen, ist zu erwarten, dass sich die 14-Tages-Inzidenz Tschechiens in den nächsten Tagen weiter verschlechtert.

Corona in Tschechien: Nach Rekordwert an Infektionen - WHO spricht von „besorgniserregender“ Lage

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die Entwicklungen in Tschechien kritisch. Der Rekord-Anstieg sei „besorgniserregend“, hieß es. Wie es zu dem Anstieg kommen konnte, ist nicht vollends klar. Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte das Ende der Sommerferien sowie zahlreiche Reiserückkehrer eine Rolle spielen. Zu den beliebtesten Urlaubsländern der Tschechen zählt traditionell Kroatien, wo die Corona-Zahlen zuletzt ebenfalls gestiegen waren.

Positiv zu bewerten sei derweil, dass viele der Neuinfizierten zur jüngeren Bevölkerungsgruppe gehören, bei der die Krankheit in der Regel einen milderen Verlauf* nimmt. Damit müsse das Gesundheitssystem im Moment nicht befürchten, an seine Grenzen zu kommen. Der Bedarf an Corona-Intensivbetten im Land ist aktuell gering. Die Verjüngung der Corona-Patienten könnte allerdings auch negative Effekte nach sich ziehen, wie ein Epidemiologe erklärt*.

Corona in Tschechien: Regierung reagiert umgehend auf Rekordanstieg - Maskenpflicht ist zurück

Deutschlands Nachbarland galt in puncto Pandemie-Bekämpfung als Vorzeigebeispiel. Die Regierung von Ministerpräsident Andrej Babis führte mit als Erstes eine Maskenpflicht ein. Aufgrund niedriger Fallzahlen waren in Tschechien nun eigentlich keine landesweiten Restriktionen mehr vorgesehen. Der deutliche Anstiegt zwingt das Land nun aber wieder zum Handeln. Gesundheitsminister Adam Vojtech kündigte bei Twitter an, dass vom Donnerstag an eine Maskenpflicht „in allen Innenräumen in der ganzen Tschechischen Republik“ eingeführt werde.

Am Donnerstag empfing der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (m) dem slowakischen Ministerpräsidenten Igor Matovic (l) und dessen tschechischen Amtskollegen Andrej Babis. In Wien ging es unter anderem um die Zusammenarbeit im Kampf gegen Covid-19.

Teile der tschechischen Bevölkerung reagierten mit Kritik auf die neuen Restriktionen. Dem Ministerpräsidenten wurde dabei vorgehalten, dass er erst im Juni erklärt habe, es werde künftig keine flächendeckenden Maßnahmen mehr geben. Eine Corona-Ampel* sollte regional begrenzte Verschärfungen ermöglichen. Nun gelten die Maßnahmen für das ganze Land. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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