„Wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich“

WHO-Bericht nennt These zu Corona-Ursprung - viele offene Fragen bleiben

Woher stammt das Coronavirus? Die Frage ist bislang unklar. Die WHO verwirft erneut brisante These von Labor-Unfall.

Update vom 30. März, 10.41 Uhr: Die Suche nach dem Ursprung des Coronavirus ist heikel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde zu Beginn der Corona-Pandemie wegen einer gewissen Nähe zu China kritisiert. Der frühere US-Präsident Donald Trump sprach vom „Wuhan-Virus“ oder „China-Virus“. Er warf China vor, die weltweite Ausbreitung nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Peking war deshalb um so mehr darauf bedacht zu verhindern, als Urheber der Pandemie an den Pranger gestellt zu werden.

Bis das WHO-Team aus internationalen Experten nach China reisen durfte, verging viel Zeit. China zögerte den Besuch der unabhängigen Experten monatelang hinaus. Um die Teilnehmer und das genaue Arbeitsprogramm wurde ewig gefeilscht, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Team-Leiter Peter Ben Embarek räumte demnach spezielle Arbeitsbedingungen ein. „Die Politik stand immer im Raum“, sagte der dänische Wissenschaftler der Zeitschrift Science. „Wir hatten zwischen 30 und 60 Kollegen, und viele von ihnen waren keine Wissenschaftler, nicht aus dem Bereich öffentliche Gesundheit.“ Das WHO-Team umfasste 17 Experten, die die Arbeit teils aus dem Ausland unterstützten.

Der WHO-Bericht über den Ursprung des Coronavirus wird an diesem Dienstag (30. März) in Genf offiziell vorgestellt. Viele Fragen bleiben offen. Vorab wurden am Montag Forschungsergebnisse der WHO bekannt. Diese decken sich im Großen und Ganzen mit dem ersten Abschlussbericht, der im Januar nach dem Besuch in Wuhan (China) der Presse vorstellt wurde.

Kritiker glauben, der Bericht sei auf Druck Chinas entstanden. Wissenschaftler hätten nicht frei arbeiten können. Die niederländische Virologin Marion Koopmans, die Teil des Teams war, wies die Darstellung zurück, dass die Wissenschaftler in China nicht frei hätten arbeiten können. Das hätten sie und das Team nicht so empfunden. „Es ging nun einmal um eine sehr komplexe Untersuchung“, sagte Koopmans. Daran seien sehr viele Menschen aus vielen Bereichen beteiligt gewesen. Dann könne man nicht einfach schnell alle Daten erwarten. „So funktioniert das nicht.“

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus wollte sich am Montag noch nicht zu Einzelheiten äußern. Er betonte aber mehrfach: „Alle Hypothesen sind auf dem Tisch und müssen weiter untersucht werden.“

Ursprung des Coronavirus - Die wichtigsten Punkte aus dem WHO-Bericht

  • Von der Fledermaus ist das Coronavirus „wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich“ über ein Zwischenwirtstier auf den Menschen übertragen worden.
  • Um welche Tierart es sich bei dem Zwischenwirt handeln könnte, ließen die WHO-Experten offen. In der Forschungsliteratur stehen unter anderem Mardertiere im Verdacht.
  • Huanan-Markt in Wuhan als Ausgangsort der Pandemie: In ihrem Bericht schreiben die Experten, dass sie auf dem Huanan-Markt in Wuhan, der als Ausgangsort der Pandemie vermutet wird, keine Beweise für infizierte Tiere gefunden hätten. Die Analyse der Lieferketten habe aber nützliche Informationen ergeben, die als Grundlage für weitere gezielte Untersuchungen insbesondere in den Nachbarregionen dienen könnten. Aber auch tierische Produkte, die aus Regionen außerhalb Südostasiens stammten, müssten als Infektionsquelle weiter in Betracht gezogen werden.
  • Übertragung durch Tiefkühlprodukte: Peking propagiert die These, das Virus könne auch aus dem Ausland über tiefgefrorene Lebensmittel nach China eingeschleppt worden sein. Auf einigen Importprodukten waren Viren gefunden worden. Die Übertragung auf den Menschen über tiefgekühltes Fleisch erfolgte, halten die Berichtsautoren für „möglich“.
  • Coronavirus ein Labor-Unfall: Die These, dass das Virus - ungewollt oder gewollt - aus einem Forschungslabor in Wuhan entwichen sei, schlossen die WHO-Experten praktisch aus. Es gebe „keine Beweise für Viren, die eng mit Sars-CoV-2 verwandt sind, in Laboren vor Dezember 2019". Auch Genome, die in Kombination Sars-CoV-2 ergeben könnten, seien nicht bekannt. Da das Labor-Szenario "extrem unwahrscheinlich" sei, hätten sie es nicht näher untersucht.

WHO-Bericht nennt These zu Corona-Ursprung - und verwirft brisante Theorie

Erstmeldung vom 29. März 2021

Genf - Über den Ursprung des Coronavirus gibt es sehr unterschiedliche Theorien. WHO-Experten sind Anfang des Jahres 2021 eigens nach Wuhan (China) gereist, um Antworten zu finden. Eine Quelle konnten die Wissenschaftler damals nicht nennen.

Coronavirus aus dem China-Labor? WHO verwirft brisante These

Die brisante Theorie, dass das Coronavirus aus einem Labor ausgebrochen sei - hielt das WHO-Team damals für „extrem unwahrscheinlich“. Das betonte Chef der WHO-Mission, Peter Ben Embarek auf einer Pressekonferenz. Über einen Labor-Unfall hatte der ehemalige US-Präsident Donald Trump spekuliert. Zudem behauptete eine geflohene chinesische Virologin, der Ursprung des Virus sei kein natürlicher. Ihre brisante Aussage sorgte im vergangenen Herbst für Schlagzeilen. Allerdings konnte die Forscherin keine Beweise vorlegen.

Es hat etwas gedauert - doch nun liegt der WHO-Bericht der Expertenmission vor. Das Ergebnis ist wohl keine Überraschung: Ein Labor-Unfall als Ursache für die Coronavirus-Pandemie hält die WHO demnach für „sehr unwahrscheinlich“. Das geht aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation hervor, der am Montag (29. März) in Genf vorgestellt wurde.

Corona-Ursprung: Virus-Träger Fledermaus

Das Virus sei „sehr wahrscheinlich“ von einem Tier auf den Menschen übertragen worden. Von der Fledermaus sei der Erreger* „wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich“ auf ein anderes Tier und von diesem schließlich auf den Menschen übergegangen.

Die Nachforschungen nach dem Ursprung der Pandemie sind politisch heikel. Die USA haben auch unter dem neuen Präsidenten Joe Biden wiederholt die Befürchtung geäußert, der WHO-Bericht könne nicht alle Erkenntnisse und Hinweise offenlegen. Peking hebt hingegen hervor, dass die WHO-Mission in Wuhan nur dank Chinas wissenschaftlicher Zusammenarbeit möglich gewesen sei.

Die „Wuhan Akten“ sorgten im Dezember 2020 für Aufregung. Interne Dokumente der chinesischen Gesundheitsbehörden offenbaren „Chinas Fehlverhalten in der Frühphase von Covid-19.“ (ml mit Material der afp und dpa). *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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