Virologen-Runde auf dem NDR

Corona: Deutsche Top-Virologin räumt mit Symptom-Mythen auf und gibt wichtigen Rat für die Grippe-Zeit

Bei dem NDR-Virologen-Podcast „Coronavirus-Update“ gibt es ein neues Gesicht. Sandra Ciesek aus Frankfurt wird sich zukünftig mit Christian Drosten abwechseln.

  • Der Virologen-Podcast „Coronavirus-Update" bekommt eine neue Expertin.
  • Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek spricht am 8. September erstmals im NDR-Format über aktuelle Entwicklungen in Sachen Corona*.
  • Immer im Wechsel mit Kollege Christian Drosten aus Berlin wird sie alle zwei Wochen zu hören sein.
  • Das aktuelle Infektionsgeschen in Deutschland können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.

Update vom 8. September, 16.16 Uhr: Erstmals hat sich Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main, den Fragen der NDR-Wissenschaftsjournalistin Korinna Hennig gestellt. Das Thema des neusten „Coronavirus-Update“-Podcast lautete: „Der weiße Fleck in der Pandemie“. Dabei ging es vor allem um Infizierte, die während ihrer Erkrankung keine Symptome zeigen - also asymptomatisch sind. Diese Menschen sind in zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen können sie gefährlich für ihr Umfeld sein, da sie trotz ausbleibender Symptome das Virus weitergeben können. Zum anderen ist es so für Wissenschaftler schwer, typische Corona-Symptome zu bestimmen.

Selbst die Definition von Symptomen und deren Auslegung gestalte sich häufig schwierig, sagt Ciesek. „Es gibt objektive Symptome - die man messen kann - und es gibt subjektive Symptome, die jeder Mensch anders wahrnimmt." So könne man Fieber eindeutig messen, aber beispielsweise den von 19 Prozent der Infizierten angegebenen Geruchs- und Geschmacksverlust könne man nicht objektiv nachweisen. Auch diffuse Erscheinungen wie ein geröteter Hals, Müdigkeit und Unwohlsein können auf Covid-19 hinweisen, seien aber so unspezifisch, dass man sie nicht direkt mit dem Virus in Verbindung bringen kann. Es sollte daher besonders bei kritischen Symptomen wie Husten, Fieber und Atemnot ein Test gemacht und ein Arzt aufgesucht werden.

Unterdessen wurde in Deutschland der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest bestätigt.

NDR-„Coronavirus-Update“-Podcast: Virologin gibt Ratschlag, wie man gut durch den Herbst kommt

Häufig seien vor allem Kinder asymptomatisch. Wenn die Kleinen aber doch über Unwohlsein klagen, wie solle man dann damit umgehen, wollte die NDR-Moderatorin wissen. Der Tipp der Expertin lautete, erst einmal beobachten - wenn möglich. Wenn das Kind nach ein bis zwei Tagen immer noch Symptome zeigt, dann kann man einen Arzt aufsuchen. Man müsse aber bedenken, dass Atemwegserkrankungen bei Kindern sehr häufig auftreten und „die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen der anderen 100 Viren haben, die zu Atemwegsinfektionen führen, wenn man kein Risikoverhalten gezeigt hat, ist höher.“

Viele Menschen in Deutschland blicken jetzt mit Sorge auf den Herbst und den Winter als übliche Grippe-Saison. „Ganz besonders im Herbst sind dies Erkältungskrankheiten für uns ein Thema, andererseits müssten sich die Corona-Maßnahmen auch auf andere Infkektionskrankheiten auswirken, oder?“, fragte Hennig ihren neuen Gast. Die bestätigt, dass bei dem ersten Ausbruch von Sars in Hongkong 2003, viele Menschen dort Masken getragen und Abstand gehalten haben. Eine Studie fand daraufhin heraus, dass im Vergleich zu den Jahren davor, andere virale Erkrankungen zurückgegangen waren, so Ciesek. Ihr Rat für die Grippe-Saison lautet also Risikogruppen wie Ältere und chronisch Kranke sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Alle anderen sollten weiter auf die AHA-Regel - also auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske - achten.

NDR-Corona-Podcast: Heute erstmals mit Virologin Sandra Ciesek

Erstmeldung vom 8. September 2020: Hamburg - Der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete NRD-Podcast „Coronavirus-Update" bekommt nach der Sommerpause Verstärkung. Neben dem regelmäßigen Talk-Gast Christian Drosten, Leiter der Virologie der Charité in Berlin, wird nun auch seine Kollegin Sandra Ciesek, von der Universitätsklinik Frankfurt am Main, dabei sein. Im wöchentlichen Wechsel informieren die zwei Experten über die neusten Entwicklungen in Sachen Corona. Ciesek ist am 9. September dran und wird die Show noch aus einen anderen Grund bereichern.

NDR-Coronavirus-Podcast: Virologin Sandra Ciesek kennt auch die Patienten-Perspektive

Die in Goslar geborene 42-jährige Ciesek forscht derzeit mit ihrem Team* an der Universitätsklinik in Frankfurt nach einem Medikament zur Behandlung von Covid-19*. Sie und ihr Team waren es auch, die Anfang des Jahres nachgewiesen haben, dass auch Menschen die keinerlei Symptome* zeigen, Überträger des Virus sein können. Neben ihrer fachlichen Expertise bringt sie aber auch noch einen anderen Vorteil mit. „Ich bin Virologin und erforsche Sars-Cov-2 im Labor, habe aber auch mehrere Jahre in der Inneren Medizin gearbeitet“, sagte Ciesek der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb kenne ich auch die Patientenperspektive gut und habe Erfahrung darin, komplexe Themen einfach zu erklären. Diese beiden Sphären sind in den öffentlichen Debatten oft getrennt.“

Ciesek sei eine wahre Verstärkung für das Podcast-Team findet Virologe Christian Drosten. Sie bringe als Forscherin aber auch als ehemalige praktizierende Medizinerin einen zusätzlichen Aspekt in die Sendung ein. „Für mich war es einfach ein Wunsch, das in geringerer Frequenz zu machen. Sandra Ciesek ist auch in ihrer Wissenschaft anders aufgestellt als ich: Sie arbeitet stärker in Richtung klinischer Beobachtung, virologischer Studien, während ich ein Grundlagenforscher bin“, sagt Drosten dem NDR.

Beim NDR-“Coronavirus-Update“-Podcast wechseln sich die beiden Virologen jetzt ab

Der erste NDR-Podcast nach der Sommerpause mit Christian Drosten schlug gleich hohe Wellen. Neben der Sinnhaftigkeit der Schutzmasken sprach der Virologe auch über sogenannte Quellcluster. Das sind Gruppen von Menschen, von denen mindestens eine Person an Covid-19 erkrankt ist. Aus so einem Cluster könnten sich wieder neue Infektionen ergeben. Doch diese Menschen - meist noch ohne Symptome - deshalb 14 Tage in Quarantäne zu schicken, hält Drosten für überzogen und brachte eine Fünf-Tage-Quarantäne ins Spiel. In der Öffentlichkeit wurde dieser Vorschlag jedoch vielfach falsch verstanden und auf alle Corona-Fälle umgemünzt. Drosten hatte anschließend große Mühe, seine Aussage richtigzustellen.

Jeden Dienstag sprechen jetzt die beiden Experten im Wechsel im NDR-Podcast „Coronavirus-Update" über aktuelle Entwicklungen in Sachen Corona. Dabei wird es unter anderem auch darum gehen, ob Deutschland schon in ein zweiten Welle* steckt oder wie ausschlaggebend die Reproduktionszahl* für die Verbreitung der Krankheit im Land ist. Auch zahlreiche Hörer-Anfragen werden in der Show behandelt. Zusätzlich hat man die Möglichkeit alles Besprochene in Manuskripten am Ende der Sendung noch einmal nachzulesen. Links zu den besprochenen Studien finden sich ebenfalls auf der Sender-Homepage. Die erste Folge mit Sandra Ciesek wird heute (8. September) ab 15 Uhr auf der NDR-Homepage zur Verfügung stehen. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Am Donnerstag, den 10. September, findet in Deutschland der erste bundesweite Warntag seit der Wiedervereinigung statt. Ein Bericht des RKI befeuert den Glauben vieler Corona-Zweifler, dass es gar keine Pandemie gibt.

Rubriklistenbild: © dpa

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