„Ich fühle mich so dreckig und bloßgestellt“

Schikane am Zoll: Mann muss intimes Foto zeigen, um nach Deutschland einzureisen

 Ein Länderschild „Deutschland-Schweiz“ ist am in Lörrach an der deutsch-schweizerischen Grenze zu sehen.
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Ein Mann wurde an der deutsch-schweizerischen Grenze von Zollbeamten schikaniert.

Ein Mann aus der Schweiz möchte seinen Lebensgefährten in Deutschland besuchen. Trotz unterzeichneter Beziehungsbestätigung darf er erst einreisen, als er ein Foto aus dem Schlafzimmer zeigt.

  • Aufgrund des Coronavirus* gelten für unverheiratete Paare besondere Vorschriften bei der Einreise nach Deutschland.
  • Ein Mann aus der Schweiz wurde nun an der deutsch-schweizerischen Grenze von Beamten schikaniert.
  • Er sollte ein intimes Foto vorzeigen. Jetzt hat er offiziell Beschwerde eingereicht.

Kreuzlingen/Konstanz - Für internationale Paare gelten in Zeiten des Coronavirus erschwerte Bedingungen. Wohnt ein Partner in Deutschland und der andere im Ausland, müssen sie nachweisen, dass sie eine ernsthafte Beziehung führen. Nur dann ist eine Einreise nach Deutschland möglich. Es muss also eine Einladung des Partners in Deutschland vorliegen, man muss sich bereits zuvor in Deutschland getroffen haben und man braucht eine von beiden unterschriebene Erklärung, dass die Beziehung besteht.

Eine solche Bestätigung legte auch Kushtrim K. vor, als er am vergangenen Wochenende seinen Partner in Konstanz besuchen wollte. Einreisen ließen in Grenzbeamte am deutsch-schweizerischen Übergang Kreuzlingen-Konstanz dennoch nicht ohne Weiteres, wie das Portal 20 Minuten berichtet.

Schikane am Grenzübergang: Deutscher Beamter will man aus der Schweiz nicht einreisen lassen

„Regelrecht schikaniert“ hätte ihn ein deutscher Grenzbeamter, berichtet Kushtrim K. dem Portal. Denn der Beamte habe trotz der ausgefüllten Beziehungserklärung darauf bestanden, gemeinsame Fotos des Paares zu sichten. Auf Nachfrage, ob dies korrekt und notwendig sei der Beamte laut geworden: „Er schrie mich an, dass ich in die Schweiz zurückfahren kann, wenn es mir nicht passt. Ich war total perplex und stand unter Druck.“ Zuvor hatte die Bestätigung des binationalen Paares stets genügt.

Der Betroffene hat albanische Wurzeln und sich aufgrund seiner traditionellen und strenggläubigen Familie nicht als homosexuell geoutet. Daher konnte er auch keine gemeinsamen Fotos mit seinem Freund in sozialen Medien vorweisen. Er habe lange gebraucht, um auf seinem Handy ein gemeinsames Urlaubsfoto in Paris zu finden. Das habe dem Beamten aber nicht genügt. „Er verlangte mehr Fotos“, erklärt Kushtrim K. Aber auch ein Bild des Partners in Unterwäsche habe den Kontrolleur nicht davon überzeugen können, der Einreise nach Deutschland zuzustimmen.

Erst nach Vorzeigen von äußerst intimen Foto wurde die Einreise nach Deutschland erlaubt

„Ich stand so unter Druck, dass ich keinen anderen Ausweg sah, als dem Zöllner ein Bild zu zeigen, auf dem mein Gesicht und der Penis meines Freundes darauf zu erkennen ist“, so der Mann aus der Schweiz. Erst nach dem Vorzeigen des höchst intimen Bildes habe ihn der Zöllner durchgewinkt. „Ich fühle mich so dreckig und bloßgestellt – als wäre ich ein Mensch zweiter Klasse.“

Nun will sich der schikanierte Grenzgänger aber wehren. Er vermutet, dass das einem heterosexuellen Paar in dieser Form nicht passiert wäre. Er hat beim zuständigen Hauptzollamt in Singen mittlerweile Beschwerde eingereicht, wie das Amt auch gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal bestätigt. Die Kontrolle sei allerdings nicht von einem Zollbeamten durchgeführt worden. Die deutsche Bundespolizei hat sich bisher nicht geäußert.

Im Video: Viele Paare haben aufgrund der Corona-Pandemie aktuell mit den Einschränkungen zu kämpfen

Aktuell gibt es auch viele andere Paare, deren Beziehung durch die Corona-Auflagen erschwert wird. (mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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