Covid-19-Krise in Deutschland

Coronavirus: Wie nützlich sind Wegwerfhandschuhe für die Virenabwehr?

Schutz- und Behelfsmasken haben sich bereits als Maßnahmen im Umgang mit dem Coronavirus etabliert. Darüber hinaus sind auch vermehrt Menschen mit Handschuhen in der Öffentlichkeit zu sehen.

  • Schutzkleidung ist in der Corona-Krise Mangelware im medizinischen Bereich
  • Auch Privatpersonen decken sich mit Behelfsschutz zum Schutz vor Corona ein
  • Neben Behelfsmasken scheint eine Art von Handschuhen nahezuliegen – doch Mediziner warnen

Vorläufige Studien belegen, dass das neue Coronavirus bis zu 72 Stunden auf Oberflächen wie Kunststoff oder Edelstahl überleben kann. Nach acht Stunden nimmt die Anzahl der Viren und ihre Ansteckungsgefahr zwar rapide ab, eine Schmierinfektion ist jedoch nicht ausgeschlossen. Unsere Hände bekommen daher plötzlich große Aufmerksamkeit. Wir dürfen sie einander nicht mehr geben oder schütteln, wir waschen und desinfizieren sie bis sie spröde sind und fassen möglichst nichts mehr an, berichtet kreiszeitung.de*

Bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus haben sich viele Menschen wegen der kalten Temperaturen an das Tragen von Handschuhen gewöhnt. Doch nun werden die Tage immer wärmer und Woll- und Winterhandschuhe werden langsam lästig. Um sich im Supermarkt oder an der Ampel weiterhin nicht mit dem Coronavirus anzustecken, scheinen Gummihandschuhe, wie sie in Arztpraxen oder im Krankenhaus getragen werden, eine gute Alternative zu sein. Ärzte warnen jedoch mit deutlichen Worten vor dem Einwegschutz.

Deutscher Arzt: Einweghandschuhe schützen nicht vor Corona

„Hört auf, medizinische Handschuhe in der Öffentlichkeit zu tragen“, schreibt Dr. Marc Hanefeld auf Twitter. „Das ist eine hygienische Sauerei großen Ausmaßes“, so der Allgemeinmediziner aus Niedersachsen. Nur im medizinischen Alltag seien Gummihandschuhe sinnvoll, dort schützen sie Trägerinnen und Träger vor größeren Verunreinigungen, wenn sie beispielsweise mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen.

Im Alltag werden die Handschuhe Hanefeld zufolge schnell porös und damit durchlässig. Weder der Träger noch der Berührte werden daher ausreichend vor dem Coronavirus geschützt. Vor und nach dem Gebrauch seien hygienische Handdesinfektionen unbedingt notwendig, werden aber selbst von „50 Prozent des Gesundheitspersonals“ korrekt eingehalten, berichtet der Arzt aus Bremervörde.

Dringen Bakterien, Keime oder Viren durch den porösen Handschuh ein, treffen sie auf ideale Bedingungen. In den feucht-warmen Kammern Zwischen Haut und Gummi vermehren sich die Bakterien besonders schnell. „Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen“, so Hanefeld weiter auf Twitter.

Österreichischer Hygieneexperte warnte bereits 2017

Hanefeld stützt seine Argumente gegen Handschuhen in Corona-Zeiten mit einer österreichischen Studie. Bereits 2017 hatte sich der Facharzt für Hygiene und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Ojan Assadin mit dem Thema Einmalhandschuhe befasst. Im Fachmagazin Pflegen-Online wird Assadin wie folgt zitiert: Während Bakterien an menschlicher Haut eher anhaften und nicht mehr als etwa 100 Bakterien abgeben, geben Handschuhe, die „kontaminiert sind, rund 100.000 Bakterien ab, also das Tausendfache.“

Corona-Krise: Amerikanische Experten stellen erschreckendes fest

Eine Untersuchung von Medizinern, 2007 publiziert im American Journal of Infection Control, auf einer internistischen Intensivstation ergab erhebliche Hygienemängel durch das Tragen von Einweghandschuhen. Hier bat man Pflegekräfte, drei Monate lang Standardhygiene zu betreiben, also die Hände vor und nach Patientenkontakt zu waschen und zu desinfizieren, und in den folgenden drei Monaten bei jeder Handlung am Patienten Untersuchungshandschuhe zu tragen und sich nach Ablegen die Hände zu desinfizieren. 

Das Ergebnis: In der zweiten Drei-Monatsphase nahm die Bereitschaft, sich vor dem Patientenkontakt die Hände zu desinfizieren, deutlich ab. Mit der Folge, dass die Raten an nosokomialer Sepsis (Krankenhausinfektion) und Harnwegsinfektionen stiegen. Zu vermuten sei hier laut Ojan Assadian, dass die Mitarbeiter nach Anziehen der Handschuhe an ein und demselben Patienten mehrere Tätigkeiten durchführten, ohne sich dabei zwischendurch die – wenn auch behandschuhten – Hände gründlich zu reinigen.

Schutz vor Corona? Pflegekraft warnt vor „Kreuzkontamination“

Die amerikanische Pflgegekraft Molley Lixey warnt in eineam aktuellen Video vor dem problematischen Effekt der „Kreuzkontamination“. Was das bedeutet, demonstriert sie in ihrem Video, das auf Facebook mehr als eine Million Mal aufgerufen wurde.

In dem Clip trägt Lixey Gummihandschuhe und tut so, als ob sie durch einen Supermarkt läuft und einkauft. Am „Toilettenpapier“ klebt grüne Farbe – sie symbolisiert Bakterien und Keime. Nachdem Lixey das Toilettenpapier in den Einkaufswagen legt, sind auch ihre Fingerkuppen mit Farbe bedeckt. 

Was bringen Einmal-Handschuhe zum Schutz vor dem Coronavirus?

Sie setzt sie ihren Einkauf fort, außerdem telefoniert sie und schreibt Nachrichten mit ihrem Mann. Am Ende ist die Farbe auf ihrem Smartphone und in ihrem Gesicht, im Ernstfall also das Coronavirus. Im Auto zieht sie die Handschuhe schließlich aus, wirft sie auf den Parkplatz und telefoniert erneut. Jetzt sind auch ihre Finger mit grünen Flecken übersäht, sie stammen von Smartphone. „Es bringt nichts, Handschuhe zu tragen, wenn du dir nicht jedes Mal die Hände wäschst, wenn du etwas anfasst“, erklärt die junge Frau eindringlich.

Die Gummihandschuhe vermitteln vor allem ein falsches Gefühl von Sicherheit und produzieren unnötigen Müll, darüber sind sich alle Experten einig.

Coronavirus: Richtiges Händewaschen ist der beste Schutz

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden rund 80 Prozent der ansteckenden Krankheiten über die Hände übertragen. Da Einweghandschuhe kaum Schutz bieten, ist Händewaschen die sicherste Methode um sich gegen eine Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Laut einer Befragung der BZgA waschen sich mehr als 50 Prozent der Befragten die Hände nicht richtig. Zum richtigen Händewaschen sollten Sie deshalb folgende Dinge beachten:

  1. Waschen Sie ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang
  2. Seifen Sie die Hände gründlich ein und vergessen Sie dabei die Handrücken, Fingernägel und Fingerzwischenräume nicht
  3. Spülen Sie die Hände anschließend mindestens 10 Sekunden gründlich mit klarem Wasser ab
  4. Da sich Erreger besonders gut in einer feuchten Umgebung vermehren, sollten Sie ihre Hände gründlich abtrocknen

Beachten Sie, dass Desinfektionstücher und Hand-Desinfektionsmittel keine erhöhte Wirkung gegen das Coronavirus haben. Schon beim normalen Händewaschen werden 90 bis 99 Prozent aller Keime beseitigt. Die Fläschchen und Tücher verursachen also nur jede Menge unnötigen Müll.

Neben dem Händewaschen zum Eigenschutz vor Corona, können sie zusätzliche eine Behelfsmaske tragen, um andere Menschen vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Für alle die in Corona-Zeiten trotzdem keine Einkaufswägen anfassen wollen, hat die Twitter Nutzerin Das_pfotensaubere_abstandhaltende_Frollein noch einen nicht ganz ernstgemeinten Tipp:

Von Thomas Ferstl

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerk

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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