Erhöhte PCB-Werte

Krebsgefahr! Im südlichen Ruhrgebiet geht die Angst um - besondere Tests geplant

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In Ennepetal rieselt kein Schnee vom Himmel, sondern dieser krebserregende Stoff.

In Ennepetal im südlichen Ruhrgebiet gibt es aktuell erhöhte PCB-Werte. Bei den Bürgern sorgt das für Angst. Es soll spezielle Bluttests geben.

  • In Teilen von Ennepetal wurden im Boden erhöhte PCB-Werte gemessen.
  • Kinder und jüngere Frauen sollen jetzt Bluttests machen lassen.
  • Für Anwohner gibt es Ernährungsempfehlungen.

Ennepetal - Ein krebserregender Stoff namens PCB sorgt im südlichen Ruhrgebiet derzeit für Angst unter manch einem Anwohner. Polychlorierte Biphenyle, dafür steht PCB in der Langform, regnen in Ennepetal wie weiße Schneeflocken vom Himmel und legen sich dann auf Gemüse und Obst, das in der Region wächst. Über die Ernährung gelangen die giftigen Stoffe schließlich in den Körper des Menschen.

Ennepetal: PCB-Alarm - Firma bläst Schadstoffe in die Luft

Der Ennepe-Ruhr-Kreis will laut RUHR24.de* jetzt Anwohnern, die durch die erhöhten PCB-Werte belastet sein könnten, spezielle Bluttests anbieten. Weil besonders Kinder und ungeborene Babys betroffen sein könnten, sollen vor allem hunderte Kinder und jüngere Frauen getestet werden. Das sogenannte Humanbiomonitoring soll Klarheit darüber bringen, ob Personen im Umgebungsbereich der Schadstoffquelle eine innere Belastung aufweisen.

Verantwortlich für die Absonderung des PCB ist laut Ennepe-Ruhr-Kreis der Silikon-Hersteller namens BIW. Unter anderem bunte Schläuche, die Kabel schützen sollen, werden in dem Unternehmen in Ennepetal produziert. Dabei wird PCB während der Produktion des Silicons als unerwünschtes "Nebenprodukt" ausgestoßen - von einer laut einem Bundesgesetz nicht genehmigungspflichtigen Anlage, wie der Sprecher der Kreisverwaltung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betonte. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) stellte in einigen Bodenproben im Umfeld der BIW-Produktionsanlagen erhöhte Werte des krebserregenden Stoffs fest.

Ennepetal: Anwohner rund um Firma von PCB-Absonderung betroffen

Betroffen von den erhöhten PCB-Werten sind Wohngebiete um ein Industriegebiet in Ennepetal, das am südlichen Rand des Ruhrgebiets liegt. Konkret geht es um die Stadtteile Oelkinghausen und Büttenberg. Der Ennepe-Ruhr-Kreis betont aber: "Eine akute Gefährdung der Bürgerinnen und Bürger liegt nicht vor."

Dennoch warnt die Kreis teilweise vor dem Verzehr von Obst und Gemüse im betroffenen Gebiet. Vor allem Blattgemüse wie zum Beispiel Grünkohl, Mangold, Spinat oder Pflücksalat sei durch die Schadstoffe befallen, da das Gemüse durch seine großen Blätter eine große Oberfläche böte, die den schlimmstenfalls krebserregenden Stoff besser aufnehmen könne. 

Auch vom Verzehr von Beerenobst und Kirschen, das im betroffenen Gebiet wächst, rät der Kreis ab. Äpfel und Birnen sollten vor dem Verzehr dagegen geschält werden und seien danach genießbar. Auch sogenanntes kopfbildendes Gemüse, wie etwa Rotkohl, sei von der Warnung ausgenommen. Wichtig sei hier lediglich, die äußeren Blätter zu entfernen und das Gemüse gut zu waschen.

PCB gefährdet besonders Kinder - schlimmstenfalls krebserregend

Besonders gefährdet durch das PCB seien laut einem Bericht des Ennepe-Ruhr-Kreises Kinder. Erwachsene würde nur bei höheren Konzentrationen anfällig reagieren. Die bedeutendsten negativen gesundheitlichen Effekte bei Kindern betreffen das Nervensystem und das Immunsystem. Störungen der Gedächtnis- und Lernleistungen und Beeinträchtigung des Hörvermögens sind bei Kindern die Folge. 2013 wurde PCB sogar als krebserregend eingestuft. Allerdings nur in deutlich erhöhten Dosen.

Für das LANUV sei der Fall landesweit Neuland. Die Verwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises habe die Firma BIW inzwischen aufgefordert, bis Ende Januar ein Konzept vorzulegen, wann und wie sie die Emissionen des PCB reduziere. Von diesem Konzept hänge ab, wie es weitergehe.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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