Viel Lärm um nichts?

Die Superspreaderin, die keine war: Die Fakten im bundesweit bekannten Corona-Ausbruch von Garmisch

 Ein Hinweis zur Maskenpflicht hängt am Landratsamt Garmisch Partenkirchen.
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Ein Hinweis zur Maskenpflicht hängt Landratsamt Garmisch-Partenkirchen: Ob die Gemeinde es wirklich mit einer „Superspreaderin“ zu tun hatte, wird fraglicher.

Als „Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen“ machte eine Amerikanerin Schlagzeilen. Mittlerweile ist klar: Sie hat das Virus nicht verbreitet. Falsch verhalten hat sie sich dennoch.

  • Als „Superspreaderin von Garmisch-Partenkirchen“ machte eine 26-jährige Amerikanerin bundesweit Schlagzeilen.
  • Mittlerweile ist klar: Auf die Frau lässt sich kein einziger Corona*-Infektionsfall zurückführen.
  • Falsch verhalten hat sie sich dennoch.

Garmisch-Partenkirchen – Von einem Tag auf den anderen galt Garmisch-Partenkirchen im September als Hotspot in der Corona-Krise. Wegen seiner „Superspreaderin“, wie es im September hieß. Die 26-jährige US-Amerikanerin hatte sich nach einem Griechenland-Urlaub in Garmisch-Partenkirchen testen lassen, besuchte davor und danach örtliche Kneipen – und erhielt später das Ergebnis: Coronapositiv. Eine rücksichtslose junge Frau?

Wochen später ist von den Vorwürfen wenig übrig. „Kein einziger Infektionsfall lässt sich auf die Frau zurückführen“, sagt Wolfgang Rotzsche, Sprecher am Garmischer Landratsamt. Es gab in dem Hotel für US-Amerikaner, der Edelweiss Lodge, in dem die Frau arbeitete, zwar 35 Ansteckungen. „Hier ist eine Übertragung von Hotelmitarbeitern aber nicht sicher belegbar.“ Daneben bleiben vier Infektionen in zwei Garmischer Kneipen. Doch auch hier: kein gesicherter Übertragungsweg.

Das Verfahren gegen die Frau bei der Staatsanwaltschaft München II läuft allerdings weiterhin. Deren Sprecherin, Oberstaatsanwältin Andrea Mayer, sagt: „Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen.“ Es würden noch Zeugen vernommen, ermittelt wird wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung. In der Staatsregierung war das Urteil nach Bekanntwerden des Vorfalls schnell gefällt: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte das Verhalten der Frau „besonders rücksichtslos“, Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „Musterfall der Unvernunft“ und hielt es „für sinnvoll, mit hohen Bußgeldern zu agieren“. Bei fahrlässiger Körperverletzung liegt die Höchststrafe bei drei Jahren. Beobachter gehen nun davon aus, dass es auf eine Geldstrafe hinauslaufen dürfte, möglicherweise werde das Verfahren sogar eingestellt.

„Superspreaderin von Garmisch“: „Wir haben diesen Begriff nie verwendet“

Wie wurde aus der Frau aber die „Superspreaderin“ von Garmisch-Partenkirchen? Behördensprecher Rotzsche ist wichtig: „Wir haben diesen Begriff nie verwendet.“ Er wurde allerdings schnell vor Ort und dann darüber hinaus zum Selbstläufer. Die 26-Jährige kam am Montag, 7. September, wegen Beschwerden zum Corona-Test, es „ging ihr nicht gut“, sagt Rotzsche. Dort wurde ihr auch gesagt, dass sie bis zum Ergebnis zu Hause Quarantäne halten müsse. „Sie hat ein entsprechendes Formular dazu unterschrieben“, betont Rotzsche.

Klar ist auch, dass sie sich am Tag nach dem Corona-Test im Garmisch-Partenkirchener Nachtleben unterwegs war. Am Mittwoch, 9. September, kam das positive Testergebnis. Wie schon anderswo, erwiesen sich die angegebenen Kontaktdaten in den Lokalen bei der Nachverfolgung als unbrauchbar. Gleichzeitig stieg die 7-Tage-Inzidenz* im Landkreis über 50 – damals noch ein Spitzenwert. Also entschloss man sich zu einem Aufruf zum Massentest, eine Allgemeinverfügung beschränkte zudem das Nachtleben. Rund 1000 Menschen kamen der Aufforderung nach. Positiv waren davon am Ende drei Personen. Und heute? Hat der Kreis Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern eine der niedrigsten Inzidenz-Zahlen. MARKUS CHRISTANDL - *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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