Experten für Zweitimpfung bei J&J

Johnson & Johnson: Zu wenig Schutz vor Delta – wird 2. Impfung bald nötig?

In Bayern sind ab sofort für Risikogruppen Auffrischungsimpfungen gegen Corona möglich.
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Corona-Impfungen müssten bald aufgefrischt werden. Besonders die, die J&J erhalten haben, sollten das tun, raten Experten (Symbolbild).

Mit Johnson & Johnson gilt man nach nur einer Impfung als „Geimpft“. Nun erntet der Impfstoff Kritik. Er soll weniger Schutz vor Delta bieten.

2,6 Millionen Menschen in Deutschland sind mit dem Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson geimpft. Anders als bei Biontech, Moderna und AstraZeneca braucht man bei J&J nur eine Dosis. Zwei Wochen nach der Impfung gilt man als vollständig geimpft. Bei den anderen Impfstoffen empfiehlt die Stiko die zweite Dosis nach rund 6 Wochen zu impfen. Mit der neuen Delta-Variante kommen nun aber Sorgen wegen der Einmal-Impfung von J&J auf. Denn: In Island haben sich zahlreiche J&J-Geimpfte erneut mit dem Coronavirus infiziert. Das Land befindet sich, trotz hoher Impfquote, mitten in der vierten Welle. Rund die Hälfte der betroffenen wurden mit dem J&J-Impfstoff geimpft. Der Verdacht: Johnson & Johnson schützt weniger stark vor der aggressiven Delta-Variante als die Vakzine der anderen Hersteller. Und nicht zum ersten Mal steht Johnson & Johnson in der Kritik. echo24.de* berichtete zuvor, wie viele Todesfälle wegen Corona-Impfungen in Deutschland gemeldet wurden*.

Warum hat J&J eigentlich nur eine notwendige Dosis? Dies wird damit begründet, dass während der Entwicklung sich Biontech, Moderna und Co. auf Zweifach-Impfungen konzentrierten. Johnson & Johnson setze dabei auf die schnelle Variante, die Einfachdosis.

Einfach-Impfung in der Kritik: Johnson & Johnson soll weniger schützend vor Delta sein

Während der laufenden Studien hatte J&J auch mit zwei Dosen im Abstand von 56 Tagen experimentiert. Da kam der Hersteller jedoch zu dem Ergebnis, dass die Probanden zwischen 18 und 55 Jahren bereits nach der ersten Gabe über 90 Prozent der Teilnehmer neutralisierende Antikörper in höherer Konzentration im Blut hatten. Laut Hersteller konnten schwere Verläufe von 77 bis 85,5 Prozent, ab den Tagen 14 und 28, verhindert werden, berichtet focus.de. Eine zweite Dosis wurde dann nicht mehr notwendig.

Nun wird jedoch, wegen der aktuellen Ereignisse in Island, vermutet, dass die Einfachdosis gegen das Coronavirus nicht mehr ausreicht. Vor allem aggressivere Mutante wie die Delta-Variante setzen die Schutzwirkung der Vakzine auch noch herab. Experten vermuten nun, dass eine Auffrischungsimpfung bald nötig sein wird.

Der Hersteller sagt Anfang Juli, dass der Impfstoff auch bei der Virusvariante eine starke Immunantwort hervorrufe. Das soll eine Studie gezeigt haben und eine zweite Impfung wäre daher nicht notwendig „Wir glauben, dass dieser Impfstoff das tut, wofür er entwickelt wurde, nämlich zu verhindern, dass Menschen ins Krankenhaus gehen und sie auf der Intensivstation sterben und sterben“, erklärte Studien-Co-Autorin Linda-Gail Bekker der „New York Times“.

Benötigen Johnson & Johnson-Geimpfte bald eine Booster-Impfung?

Bei den betroffenen Geimpften, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, war es bei 96 Prozent lediglich zu leichten Symptomen gekommen. Bei 0,05 Prozent ist es zu schweren Verläufen oder Todesfällen gekommen. Experten sind dennoch der Meinung, dass die Wirksamkeit des Vakzins in Bezug auf Delta. Auch die Einfachdosis soll dabei eine wichtige Rolle spielen. „Die Daten unterstreichen die Bedeutung der Überwachung von Durchbruchinfektionen, die zu schwerem Covid-19 führen, und legen den Nutzen einer zweiten Impfung nach Ad26.COV2.S nahe, um den Schutz gegen die Varianten zu erhöhen“, schreiben die Wissenschaftler. Es könnte also die erste Booster-Impfung mit Biontech oder Moderna nötig werden.

Der deutsche Virologe Ulf Dittmer fordert im Interview mit „t-online„ sogar den Einsatz von Johnson & Johnson zu untersagen. „Bei einer Einfachimpfung wie bei Johnson & Johnson ist es anzuzweifeln, dass ein ausreichender, anhaltender Schutz aus Antikörpern und Abwehrzellen aufgebaut wird“, sagt der Leipziger Immunologe Stephan Borte.

Bislang werden Auffrischungsimpfungen oder Impf-Booster nicht angeboten - das könnte sich aber bald ändern*. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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