Back-Kreation geht viral

Protest gegen Müllflut: Bäcker setzt kreatives Zeichen gegen Kassenbon-Pflicht

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Eine ausgefallene Idee: Kassenbon-Krapfen.

Mit Zuckermasse und Himbeermarmelade macht ein Bäcker aus Moosinning in Bayern auf die neu eingeführte Kassenbon-Pflicht aufmerksam. Und begeistert seine Kunden.

  • Ein Moosinniger Bäcker setzt ein Zeichen gegen die eingeführte Kassenbon-Pflicht.
  • Ludovic Gerboin verkauft Krapfen mit einem Fondant-Kassenzettel.
  • Die Kunden sind begeistert.

Moosinning – Während alle jammern, ist Ludovic Gerboin kreativ. Der Bäckermeister und Inhaber der Bäckerei Ways reagierte auf die im Januar eingeführte Kassenbon-Pflicht mit jeder Menge Papiermüll mit einer Karneval-Kreation. Bei den Kunden kommt die sehr gut an.

Moosiniger Bäcker zaubert mit Zuckermasse Kassenbons auf seine Krapfen 

Der 42-Jährige entwarf einen Kassenzettel aus Zuckerplatte und printete mit einem Lebensmitteldrucker täuschend echt aussehende, aber essbare Bons. Die klebt er auf Krapfen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, ein echter Kassenzettel sei auf dem Backwerk kleben geblieben. „Die Bonpflicht trifft uns seit Jahresbeginn massiv,“, erzählt Gerboin, Inhaber der deutschen und französischen Meisterbriefe im Bäcker- und Konditorhandwerk. 

Jeden Tag ist ein Müllsack voll. Der hängt neben der Kasse.“ Dabei verfügt die Bäckerei Ways mit ihren Geschäften in Moosinning, Eichenried und Erding-Klettham schon seit zwei Jahren über Kassen, die alle Vorgänge speichern und von den Finanzbehörden ausgelesen werden können. Auch das Finanzamt München hat schon ein Auge auf Gerboins Bon-Krapfen geworfen. „Die haben reichlich bestellt“, meint er schmunzelnd. 

Bäcker Ludovic Gerboin hat die essbaren Kassenzettel kurzerhand auf die Krapfen geklebt.

Ein notwendiger Schritt für die Steuersicherheit oder unnötiger Zettel-Wahnsinn, der Verkäufer nervt und der Umwelt schadet? Bei der Kassenbon-Pflicht scheiden sich die Geister. Eine Bäckerei ruft jetzt zum Gegenschlag auf - mit überraschendem Ergebnis.*

Kassenbon-Krapfen: Seine Kunden sind begeistert von der Idee

100 Stück backt er pro Tag, sie gehen weg wie die warmen Semmeln. Das dürfte auch an den sozialen Medien liegen. Vielfach ist das Protest-Backwerk gepostet worden. Seither geben sich bei der Bäckerei Ways Journalisten die Klinke in die Hand, um über die witzige Idee zu berichten. In die Politik einmischen will sich Gerboin nicht. „Das steht mir als Franzose nicht zu. Ich bin lieber kreativ.“ Und erreicht damit viel größere Resonanz.

Leicht ist Anton Ways der Abschied nicht gefallen. Mit dem Rückzug vom Ehrenamt - er war bisher Obermeister der Bäcker-Innung Erding - ist auch der Abschied aus der Backstube verbunden.* 

ham

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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