Vorwürfe und Geständnis waren ihm bekannt

Neue Details im Missbrauchs-Skandal in katholischer Kirche: Kölner Kardinal beförderte Priester - trotz Warnungen

Die Vorwürfe gegen Kardinal Rainer Maria Woelki haben sich in den vergangenen Tagen verschärft.
+
Die Vorwürfe gegen Kardinal Rainer Maria Woelki haben sich in den vergangenen Tagen verschärft.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht erneut schwer in der Kritik. So soll er wissentlich einen Pfarrer befördert haben, der bereits vor Jahren sexuellen Missbrauch gestanden hat.

Update vom 29. April, 10.20 Uhr: Im Fall des stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten Michael D., der von Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln trotz bestehender Missbrauchsvorwürfe wissentlich befördert worden war, gibt es nun weitere Enthüllungen der Bild. Die Zeitung will Zugriff zu Dokumenten haben, die besagen, dass Woelki schon im Jahr 2010 die persönliche Warnung eines Gemeindemitglieds erhalten habe. D. hätte in den vergangenen Jahren „kein normales Verhältnis zu Messdienern“ gehabt.

Woelki hatte die Schuld zuletzt von sich gewiesen: „Der Pfarrer wurde 2017 auf ausdrückliche Empfehlung des damaligen Stadtdechanten zu einem der beiden Stellvertreter ernannt. Zu diesem Zeitpunkt war lediglich ein nicht strafbarer Vorfall aus dem Jahr 2001 eindeutig belegt.“ Der ausdrückliche Hinweis des Gemeindemitglieds soll hingegen besagt haben, D. würde „im Luxus schwelgen“, anzügliche Sprüche von sich geben und Saunabesuche mit Messdienern unternehmen.

Missbrauchsvorfälle in der Katholischen Kirche: Pfarrer D. mittlerweile beurlaubt

Aus einem Schreiben des damaligen Missbrauchsermittlers des Bistums von 2018 geht außerdem hervor, dass, „aufgrund der Hinweise im Jahr 2010“ weitere Schritte hätten eingeleitet werden müssen. Der Gesamtablauf müsse geprüft werden. Woelki selbst hatte erst im März 2021 auf Bild-Nachfrage behauptet, er hätte sich während seiner Zeit als Weihbischof von 2003 bis 2011 nie mit Missbrauchsfällen auseinandersetzen müssen.

Pfarrer Frank Heidkamp, der heutige Düsseldorfer Stadtdechant, reagierte dem WDR gegenüber auf die Vorwürfe und zeigte sich ahnungslos: „Wenn man dann von solchen Vorwürfen hört und eigentlich regelmäßig mit einem Menschen zu tun hat, ist man erst mal schockiert und denkt, das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Er kenne zwar das Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke, die Personen seien allerdings anonymisiert gewesen. D. wurde nach dem Bild-Bericht vom Dienstag beurlaubt.

Missbrauchs-Skandal in katholischer Kirche: Kölner Kardinal beförderte offenbar geständigen Priester

Erstmeldung vom 27. April: München - Der Missbrauchs-Vorwürfe rund um die Katholische Kirche und insbesondere das Erzbistum Köln reißen einfach nicht ab. Nachdem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erst im März schwere Versäumnisse eingeräumt hat, kommen nun die nächsten düsteren Anschuldigungen ans Licht.

Wie die Bild berichtet, soll Woelki 2017 den Düsseldorfer Priester Michael D. zum stellvertretenden Stadt-Dechanten befördert haben. Dabei habe der 64-Jährige gewusst, dass D. bereits 2001 sexuelle Handlungen mit einem Minderjährigen gestanden hat. Dabei soll der Vorschlag auch noch vom Stadt-Dechanten Ulrich H. gekommen sein. Dieser hat ebenfalls schon Missbrauch eines Minderjährigen gestanden.

Missbrauchsvorwürfe in der Katholischen Kirche: „Es wird keine Vertuschung mehr geben“

Gegenüber Bild sagte Woelki, es würde jeder Fall überprüft werden. „Es wird im Erzbistum Köln keine Vertuschung mehr geben.“ Trotzdem wurde der Fall nicht kommuniziert. D., der damals von einem 17-jährigen „Strichjungen“ in Köln erpresst wurde und während einer Vernehmung gegenüber der Polizei gestanden habe, mit dem obdachlosen und minderjährigen Prostituierten Sex gehabt zu haben, soll 2015 neue Kontakte zu einem minderjährigen Prostituierten gepflegt haben. Diese Information hat laut des Berichts auch Kardinal Woelki vorgelegt bekommen - zwei Jahre vor der Beförderung.

Die Bild zitiert aus einem Bericht der Kanzleien „WSW“: „Polizeilicherseits wurde ausdrücklich angeregt (...) dem beschuldigten Priester (D.) ein Aufgabengebiet zuzuweisen, in dem er keinen sexuellen Kontakt zu ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen (z.B. Messdienern etc.) aufnehmen könne.“

Missbrauchsvorwürfe in der Katholischen Kirche: Gutachten legte erst kürzlich „systembedingte Vertuschung“ offen

Ein Sprecher des Erzbistums erklärte, dass Kardinal Woelki in diesem Fall zeitnah mit den gebotenen Maßnahmen reagieren werde. Michael D. wurde Anfang 2021 bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die kirchenrechtliche Voruntersuchung sei derzeit unterbrochen.

Ein Gutachten der Strafrechtsanwälte Björn Gercke und Kerstin Stirner hatte erst im März aufgrund ähnlicher Enthüllungen eine „systembedingte Vertuschung“ bei den Verantwortlichen der Erzdiözese festgestellt. Woelki räumte auf einer Pressekonferenz bezüglich dieses Ergebnisses „schwere Versäumnisse“ ein und dass es bislang an Mitgefühl und Empathie für die Opfer gefehlt habe. Unter anderem bot er jedem der über 300 aufgeführten Opfer ein persönliches Gespräch an. „Das hätte so nie passieren dürfen. Ich habe nicht alles Menschen-Mögliche getan“, gestand er. (ta)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare