Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Explosion in Leverkusen: Hochgiftiges Dioxin verteilt sich wohl über Stadt - Umweltamt gibt Update

Das NRW-Umweltamt geht nach der Explosion im Leverkusener Chempark davon aus, dass hochgiftige Stoffe in Wohngebiete gelangt sind. Die Staatsanwaltschaft nimmt erste Ermittlungen auf.

  • Im Chempark Leverkusen im Stadtteil Bürrig hat es am Dienstag (27. Juli) eine schwere Explosion gegeben.
  • Es gibt bislang zwei Tote, fünf Vermisste und 31 Verletzte.
  • In der Sondermüll-Verbrennung war ein Tanklager mit chlorierten Lösungsmitteln in Brand geraten.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 28. Juli, 17.20 Uhr: Nach der Explosion in einer Leverkusener Müllverbrennungsanlage, hat die Staatsanwaltschaft nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion ermittelt, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Der Vorwurf richtet sich gegen unbekannt.

Ein Sprecher sagte, es gehe darum, zu prüfen, ob menschliches Fehlversagen zu der Detonation geführt haben könnte. Bei der Explosion am Dienstagmorgen im sogenannten Chempark waren zwei Menschen ums Leben gekommen. 31 weitere Menschen wurden verletzt. Für die fünf noch vermissten Personen, gibt es kaum Hoffnung, sie noch lebend zu finden, so die Betreiberfirma am Mittwoch (siehe Erstmeldung). Auch zur Giftigkeit der Rauchwolke laufen noch Ermittlungen. Die Stadt warnt weiterhin vor Ruß-Niederschlag. Dieser solle direkt gemeldet werden.

Explosion in Leverkusen: Hochgiftiges Dioxin verteilt sich wohl über Stadt

Erstmeldung vom 28. Juli: Leverkusen - War die gigantische Wolke nach der Explosion im Leverkusener Chempark giftig? In den betroffenen Tanks waren unter anderem auch chlorierte Lösungsmittel.

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) geht von „Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen“ aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden. Nach Informationen des Amtes hätten in den betroffenen Tanks unter anderem auch chlorierte Lösungsmittel gelagert, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Das hatte die Betreiber Firma Currenta zuvor schon bestätigt. „In allen betroffenen Tanks waren sogenannte organische Lösungsmittel“, teilte Chempark-Chef Lars Friedrich in einem Statement auf Twitter mit. Diese seien teils vollständig, teils unvollständig verbrannt, das habe man an der großen Rauchwolke gesehen.

NRW-Umweltamt: In Explosionswolke waren wohl Dioxin-Verbindungen

„Daher gehen wir derzeit davon aus, dass über die Rauchwolke Dioxin,- PCB- und Furanverbindungen in die umliegenden Wohngebiete getragen wurden“, hieß es. In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, werde aber aktuell noch untersucht. Die Untersuchungen seien recht aufwendig.

Die Explosion hatte sich am Dienstagmorgen im Leverkusener Chempark ereignet. Nach der Detonation brannte ein Tanklager im Entsorgungszentrum. Eine gigantische Rauchwolke zog über die Stadt. Luftmessungen wurden am Dienstag im gesamten Stadtgebiet vorgenommen. Sie blieben unauffällig, teilte die Stadt Leverkusen mit.

Nach Explosion: Stadt Leverkusen warnt vor Ruß

Vor Ruß-Niederschlag wird weiter gewarnt. Wer welche entdeckt, soll diese über eine Hotline melden. Noch ist unklar, was in den Rußpartikeln steckt, ob oder wie giftig diese sind. Die Stadt Leverkusen hat Informationen herausgegeben: So sollen beispielsweise Partikel auf Fensterbänken liegen bleiben, bis das LANUV die Inhaltsstoffe analysiert habe. Anwohner wurden aufgerufen, kein Obst oder Gemüse aus dem Garten zu essen, und ihre Schuhe vor der Haustüre auszuziehen um keinen Ruß in die Wohnung zu tragen.

Nach Explosion in Leverkusen - Kaum Hoffnung für Vermisste

Mindestens zwei Mitarbeiter kamen am Dienstagvormittag bei der Explosion mit anschließendem Großbrand in Leverkusen ums Leben. 31 weitere wurden verletzt, davon einer schwer. Einen Tag nach der schweren Explosion hat die Betreiberfirma keine Hoffnung mehr, die fünf noch vermissten Menschen lebend zu finden. „Wir gehen davon aus, dass wir sie nicht mehr lebend finden“, sagte Frank Hyldmar, Geschäftsführer von Currenta, am Mittwoch in Leverkusen. Unterdessen ging die Suche nach den Vermissten weiter. Die Unglücksursache blieb weiterhin unklar.

Vier der Vermissten seien Mitarbeiter von Currenta. Bei einem handele es sich um einen Mitarbeiter einer externen Firma. Auch einer der Toten sei bei einem externen Unternehmen angestellt gewesen. „Es lässt sich nicht in Worte fassen, was die Angehörigen durchmachen“, sagte Arbeitsdirektor Wolfgang Homey.

Trauer nach Explosion in Leverkusen

Als Ausdruck der Anteilnahme hat Oberbürgermeister Uwe Richrath Trauerbeflaggung setzen lassen, teilte die Stadt Leverkusen am Mittwoch mit. Die Fahnen seien auf Halbmast bis zum Freitag am Rathaus in Wiesdorf, am Goetheplatz und am Stadtarchiv in Opladen. (dpa, afp, ml)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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