Situation in Regionalbahn eskaliert

Wütender Mob: 80 Schwarzfahrer pöbeln erst - und schlagen dann auf Zugbegleiterin und Polizisten ein

Ein Zug der Metronom Eisenbahngesellschaft steht am 05.05.2015 während eines Streiks der Lokführer im Hauptbahnhof in Hamburg.
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Die Fahrkartenkontrolle in einem Regionalzug eskalierte am Donnerstag im Kreis Lüneburg völlig. (Symbolbild)

Mit Schwarzfahrern haben Schaffner und Bundespolizei täglich zu tun - doch in Bardowick bei Lüneburg eskalierte die Situation jetzt völlig: 80 Reisende ohne Ticket pöbelten und schlugen auf sie ein.

  • Rund 80 Reisende waren am Donnerstag in einem Zug von Lüneburg nach Hamburg unterwegs - ohne Ticket.
  • Als sie eine Schaffnerin kontrollieren möchte, pöbeln sie wild darauf los.
  • Bei Pöbeleien blieb es nicht: Die Polizei hatte Müh und Not die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Bardowick - Wer kennt sie nicht, die großen Hinweisschilder in Bus und Bahn, die die Passagiere ermahnen sollen, nicht ohne gültiges Ticket mitzufahren? Zudem drohen sie auch immer hohe Bußgelder an. Doch schwarze Schafe gibt es im öffentlichen Nahverkehr natürlich trotzdem immer wieder - aber womit es die Bundespolizei am Donnerstag (10. September 2020) zu tun hatte, passiert den Beamten wohl auch eher selten.

Im Landkreis Lüneburg ist eine Fahrkartenkontrolle in einer Regionalbahn nämlich völlig außer Kontrolle geraten: Mehr als 80 Fahrgäste hatten sich - wohl ganz bewusst - kein Ticket gelöst. Als sie eine Schaffnerin kontrollieren wollte, konnten sie nicht nur keine Fahrscheine vorzeigen, sondern legten sofort mit Pöbeleien und Anfeindungen gegenüber der Frau los. Dieser blieb wohl angesichts der Situation keine Wahl außer umgehend die Polizei zu verständigen.

Kreis Lüneburg: Polizei bekommt Situation erst mit 200 Beamten in den Griff

Der Lokführer stoppte daher den Metronom-Zug schon an der nächsten Haltestelle. Die Beamten der Bundespolizei waren schnell am Bahnhof von Bardowick, doch der Versuch die Personalien der über 80 Schwarzfahrer aufzunehmen, gestaltete sich mehr als schwierig - zeigten diese sich doch nach wie vor äußerst „unkooperativ“, wie es jetzt in einer Polizeimeldung heißt.

Mit Tritten und Schlägen griffen sie die Beamten vor Ort an. Die Stimmung unter den Reisenden war offenbar noch immer ziemlich aufgeheizt, hatten sie doch zuvor gemeinsam an einer Demonstration der kurdischen Jugendbewegung in Lüneburg teilgenommen. Erst durch die Unterstützung weiterer Einsatzkräfte der Landespolizei konnte die Situation in Bardowick am Donnerstag dann, wie die Bild schreibt, mit insgesamt mehr als 200 Beamten unter Kontrolle gebracht werden.

Lüneburg: Bei der Demonstration der kurdischen Jugendbewegung blieb es friedlich

Die massiven Handgreiflichkeiten des aufgebrachten Mobs - der größtenteils aus Jugendlichen bestand - blieben nicht ohne Folgen: Die Polizeibeamten stellten zunächst die Identität aller Schwarzfahrer fest und leiteten Strafverfahren wegen des Erschleichens von Leistungen gegen sie ein. Zudem kommen auf die Randalierer jetzt Strafverfahren wegen Körperverletzung und Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten zu.

Für zwölf der Bahnreisenden kommt es jetzt nach dem Polizeigroßeinsatz in Bardowick sogar noch dicker: Bei den Kontrollen stellten die Polizeibeamten nämlich fest, dass diese sich derzeit völlig unerlaubt in Deutschland aufhalten. Gegen sie wird jetzt deshalb wegen Verstößen gegen das Ausländergesetz ermittelt. (cos) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Video: Fahrkartenautomat kaputt - Darf ich jetzt schwarzfahren?

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