„Das Virus hatte genug Zeit“

Markus Lanz: Virologe Kekulé überrascht mit Aussage zu Coronavirus - Ursprung der Pandemie nicht in China?

Bei Markus Lanz sprach die Runde mal wieder über das Coronavirus. Alexander Kekulé verteidigte seinen Standpunkt: Er bestätigte in gewissen Teilen die chinesische Erzählung.

  • Markus Lanz konfontrierte Alexander Kekulé mit einem eigenen Zitat.
  • Alexander Kekulé erklärte, wie sich das Coronavirus in Norditalien „optimieren“ konnte und sich von dort aus weltweit verbreitete.
  • Und beschrieb, welchen Fehler Europa am Anfang gemacht hat.

Update vom 2. Dezember, 13.07 Uhr: Virologe Alexander Kekulé äußerte sich am Dienstag noch einmal deutlich*: „Die Pandemie entstand in China.“ Zuvor verdrehte ein Staatssender in China eine Aussage des Experten (siehe Erstmeldung).

Markus Lanz (ZDF) - Alexander Kekulé: „Das Coronavirus hat sich genetisch verändert“

Erstmeldung vom 28. November, 20 Uhr: Hamburg - „Das Virus, das gerade weltweit grassiert, ist nicht das Virus aus Wuhan, es ist das Virus aus Norditalien“, mit diesem Zitat über das Coronavirus von Alexander Kekulé begann Markus Lanz* das Gespräch in seiner ZDF-Sendung am Donnerstagabend (26. November). „Das Virus ist eigentlich eine Variante, die erst in Norditalien aufgetreten ist. Das nennen wir die G-Variante“, erklärte der anwesende Virologe Kekulé seine These. Viren verändern sich schnell - sie mutieren. Das liegt an ihrer relativ instabilen Erbgutstruktur.

„Das Virus hat sich genetisch verändert und ist, wie wir heute zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit wissen, auch infektiöser als die ursprüngliche Wuhan-Variante. Und das Virus, das jetzt weltweit festgestellt wird, ist das, welches sich in Norditalien verbreitet hat“, erklärte Kekulé. Somit liege der eigentliche Startschuss der weltweiten Corona*-Pandemie mittlerweile in Italien - und nicht in Wuhan. Italien war vor allem im Januar, Februar und März stark von der Pandemie betroffen.

Die Entstehung dieser ansteckenderen Variante erklärte Kekulé folgendermaßen: „Es hat in Norditalien über mehrere Wochen einen nicht erkannten Ausbruch gegeben. In dieser Zeit hat sich eine Variante entwickelt. Das Virus hatte genug Zeit, sich zu optimieren, sodass eine infektiösere Variante entstanden ist, die sich von dort aus weltweit verbreitet hat.“

Kekulé stützt bei Markus Lanz teilweise die These der chinesichen Regierung

Markus Lanz* merkte daraufhin an, dass ihn Kekulés Aussage stark an die Propaganda der chinesischen Staatsregierung erinnere. China vertritt aktuell die These, die neu in China auftretenden Fälle seien Importe aus Europa. Kekulé erklärte daraufhin, dass wissenschaftliche Untersuchungen diese Theorie stützten. Von der chinesischen Propaganda, die Europa als Sündenbock darstellt, distanzierte der Virologe sich aber deutlich. Das chinesische Staatsfernsehen nutzte seine Aussagen jedoch für Propaganda, wie hamburg24.de berichtet.

Außerdem widersprach Kekulé dem chinesischen Standpunkt, das Virus habe sich nur durch die Modifikation in Europa auf dem ganzen Globus verteilt hätte. „Das ist bei so einem hochinfektiösen Erreger nicht zu verhindern“, so Kekulé. Kritisch führte er jedoch an: „Es ist natürlich ein Unterschied, ob man in Wuhan zum ersten Mal mit so etwas konfrontiert wird, keinen Test* hat, keine Ahnung hat, was es ist - und reagieren muss. Da ist die Voraussetzung schwieriger, als wenn man in Italien oder Europa schon ziemlich lange vorgewarnt war und am Anfang einfach diese Warnungen nicht ernst genommen hat.“

Der Virologe Kekulé* sieht die alleinige Schuld der weltweiten Verbreitung also nicht in Italien oder Europa, dennoch hätten die Behörden - angesichts der Erkenntnisse aus China - ihren Wissensvorsprung besser nutzen und schneller reagieren können. In Deutschland wurde vor kurzem der „Lockdown Light“ verlängert. Lediglich während der Weihnachtsfeiertage soll es Lockerungen geben - aber nicht in allen Bundesländern gleichermaßen. (lb) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF

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