Zwischenfall in muslimischem Gebetshaus

"Abscheulicher Anschlag" auf Moschee: Verband schaltet Polizei ein

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In Münster wurde in einer Moschee ein Koran in eine Toilette geworfen.

"Nichts scheint den Attentätern heilig zu sein": Die Empörung eines Islamverbandes ist groß, nachdem in einer ihrer Moscheen ein Koran geschändet wurde. Die Polizei ist alarmiert – doch die Vereinsmitglieder haben Angst.

  • Vorfall in Moschee in Münster
  • Verein spricht von Attentat
  • Polizei ermittelt

Münster – "Am gestrigen Freitag, den 19.7.2019 war unsere Moschee in Münster das Ziel eines abscheulichen Anschlags", schreibt der Verein "Islamisches Kulturzentrum in Münster" (IKZ) in einer Pressemitteilung. In der von ihnen betriebenen Moschee an der Straße Meßkamp fanden Mitglieder einen Koran in der Toilette, wie msl24.de* berichtet.

Anschlag auf Moschee in Münster? IKZ besorgt

Der IKZ nimmt den Vorfall in Münster sehr ernst, spricht von "Attentat" und "Attentäter". Es handle sich um eine "verachtende und unwürdige Beleidigung". Zudem geht der Verein davon aus, dass der oder die Täter auch gewaltbereit gewesen seien: Schließlich sei die Wahrscheinlichkeit, bei der Tat erwischt zu werden, sehr hoch – "daher ist es keine reine Spekulation, dass der oder die Täterbewaffnet sein mussten", heißt es weiter. 

Somit seien die Moscheebesucher in Münster einer unmittelbaren Gefahr ausgesetzt gewesen, vermuten die Vereinsmitglieder. "Es ist nicht vorstellbar, was passiert wäre, wenn wie üblich zu dieser Zeit mehrere Besucher zum Freitagsgebet die Moschee aufgesucht hätten", schreibt der Verein IKZ.

Vorfall in Moschee in Münster nicht der erste dieser Art

In den vergangenen Wochen kam es vermehrt zu Zwischenfällen in Moscheen: So wurden in den vergangenen Wochen muslimische Gebetshäuser in Chorweiler, Schleswig und Karlsruhe beschädigt. An Moscheen in Köln, Pasing und Freimann wurden Drohmails geschrieben. Und in Minden wurden kürzlich die Wände einer Moschee mit Exkrementen beschmiert und ein Koran zerrissen.

Vor diesem Hintergrund der vermehrten Angriffe auf Moscheen hat der IKZ in Münster Angst vor weiteren Vorfällen: "Wir befürchten in Zukunft unsere Moschee nicht mehr in Ruhe besuchen zu können, da wir mit der Angst leben, dass solche Taten ein weiteres Mal passieren könnten."

Nach Zwischenfall in Moschee: Polizei Münster ermittelt

Die Polizei ist bereits eingeschaltet worden und ermittelt in dem Fall. Roland Vorholt, Pressesprecher der Polizei Münster, bestätigte das Vorkommnis auf Nachfrage von msl24.de*. Doch man sei bei diesem Fall "von einem Attentat weit entfernt". Der Vorfall werde bei der Polizei als "gemeinschädliche Sachbeschädigung" gewertet. Dies schmälere aber nicht den Ernst der Lage, sagt Vorholt weiter: Für Gläubige sei der ins Klo geschmissene Koran nachvollziehbarerweise eine "widerliche und unfassbare Tat", der man nachgehen werde.

Nach der Tat habe bereits ein sogenannter Kontaktbeamter der Polizei für muslimische Menschen das Gespräch zu den Betroffenen gesucht und sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht, wie Vorholt weiter berichtet. Die Polizei werde neben den weiteren Ermittlungen nun öfter vor dem muslimischen Gebetsghaus präsent sein, kündigt Vorholt an. Dies sei der erste Zwischenfall dieser Art in der Moschee in Münster, der der Polizei bekannt sei.

Appell an Muslime in Münster: "Nicht provozieren lassen"

Der Verein mache sich zwar Sorgen wegen des Zwischenfalls. Aber er ruft seine Mitglieder sowie alle Muslime dazu auf, sich von dem "Attentat" nicht aus der Ruhe bringen zu lassen – und zusammenzuhalten: "Wir appellieren an alle Muslime sich nicht von solchen Idioten und Brandstiftern provozieren zu lassen. Als muslimische Bürgerinnen und Bürger in Münster müssen wir in dieser schwierigen Zeit noch enger zusammenstehen."

Vor Kurzem war es in der Stadt zu einem rassistischen Vorfall gekommen: In mehreren Wohnheimen in Münster fanden Studenten islamfeindliche Flyer in ihren Briefkästen, wie msl24.de* berichtet. Zudem war es zuvor zu einem Aufmarsch gekommen: Mitglieder der Partei "Die Rechte" sollen auf einem Friedhof in Münster einen Fackelmarsch veranstaltet haben, wie ebenfalls msl24.de* berichtet.

*Msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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