Angst vor gefährlichen Schadstoffen

Nach Explosion in Leverkusen: Warnung vor Giftwolke - Vorsicht vor öligen Rußpartikeln

Nach der Explosion in Leverkusen war eine riesige Rauchwolke zu sehen. War die Wolke giftig?
+
Nach der Explosion in Leverkusen war eine riesige Rauchwolke zu sehen. War die Wolke giftig?

Nach der gewaltigen Explosion im Chempark in Leverkusen stieg eine dicke schwarze Wolke auf. Wie giftig die Rauchwolke war, ist noch unklar.

  • Bei einer gewaltigen Explosion im Chempark in Leverkusen ist eine schwarze Rauchwolke aufgestiegen.
  • Anwohner sollten Türen und Fenster schließen. Die Behörden warnten vor „Extremer Gefahr“.
  • Luftmessungen im Stadtgebiet Leverkusen blieben unauffällig. Die Behörden warnen jedoch weiter vor Ruß-Niederschlag.

Leverkusen - Eine gewaltige Explosion erschütterte am Dienstag gegen 9.40 Uhr die Stadt Leverkusen. Sie war bis über 40 Kilometer spürbar. Augenzeugen berichteten von einem Feuerball, der in die Höhe zog. In den sozialen Medien verbreiteten sich Videos, auf denen eine dicke schwarze Rauchwolke die Stadt Leverkusen zog.

Schnell war klar, dass es in einer Sondermüll-Verbrennungsanlage im Chempark Leverkusen zu einer Explosion und einem Brand gekommen war. Die Warn-Apps Katwarn und Nina lösten aus und warnten vor einer „Extremen Gefahr“. Anwohner sollten sich in geschlossene Räume begeben, Türen und Fenster schließen. Zum Zeitpunkt des Vorfalls herrschte eher Westwind. Die gigantische Rauchwolke zog in nordöstliche Richtung ab. Auch dort wurde die Bevölkerung gewarnt.

Nach Explosion im Chempark Leverkusen - Hoffnung auf Überlebende sinkt

Zwei Mitarbeiter sind ums Leben gekommen. 31 Menschen sind verletzt, davon schwebt einer mit schwersten Verbrennungen in Lebensgefahr. Fünf Mitarbeiter werden noch vermisst, teilte die Stadt Leverkusen am Dienstagabend mit. Zuvor waren es drei Personen gewesen. Die Suche nach den Vermissten läuft weiter auf Hochdruck. „Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden, zusehends”, sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich laut einer Pressemitteilung am Dienstagabend. Einen Tag nach der Explosion - am Mittwoch - geht die Suche nach den Vermissten weiter.

Warnung vor giftiger Wolke nach Explosion in Sondermüll-Verbrennungsanlage

Die Explosion und der Brand in der Sondermüll-Verbrennungsanlage Bürrig wirft jedoch Fragen auf. Die Ursache der Explosion ist zunächst noch unklar. Doch welche Schadstoffe sind bei der Explosion und dem Feuer in die Luft gelangt?

Drei Tanks (bis 400 Kubikmeter) mit flüssigen Produktionsabfällen aus der chemischen Industrie haben gebrannt, sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich auf einer schnell einberufenen Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Diese sollten in der Sondermüllverbrennungsanlage entsorgt - verbrannt - werden. Es habe sich um Lösungsmittel auch chlorierte Lösungsmittel gehandelt. Wie viel verbrannte, ist nicht klar. Friedrich schloss nicht aus, dass auch giftige Substanzen freigesetzt wurden.

Im gesamten Stadtgebiet wurden am Dienstag von der Feuerwehr Leverkusen und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) Luftmessungen vorgenommen. Sie blieben unauffällig, teilte die Stadt Leverkusen mit. Um 18.30 Uhr die Entwarnung auch für den Stadtteil Bürrig: Fenster und Türen könnten wieder geöffnet werden. Die Sirenen in Leverkusen heulen eine Minute im Dauerton.

Nach Explosion in Leverkusen - Bürrig: Vorsicht vor Rußpartikel

Doch vor Rußpartikel wird weiter ausdrücklich gewarnt. Ob sich in den „Niederschlägen nach dem Brandereignis relevante Stoffe zu finden sind, ist nach Auskunft des LANUV erst gegen Ende der Woche möglich.“

Diese sogenannten Ruß-Niederschläge wurden der Stadt Leverkusen zufolge schon aus Bürrig bis zur Grenze von Küppersteg, Opladen, Quettingen und Lützenkirchen gemeldet.

„Es handelt sich um cent- bis eurogroße Partikel, die eine ölige Konsistenz haben“, teilt die Stadt Leverkusen mit.

Die Stadt hat Infos zum Verhalten mit den Ruß-Partikeln herausgegeben. Denn noch ist unklar, was in diesen Partikeln steckt, ob und wie giftig diese sind. Putzen ist erstmal verboten. So sollen beispielsweise Partikel auf Fensterbänken liegen bleiben, bis das LANUV die Inhaltsstoffe analysiert habe. Dann würde die Stadt informieren, wie mit diesen Verschmutzungen umzugehen sei. Auch vom Verzehr von Gemüse und Obst aus dem Garten rät die Stadt vorsorglich ab.

  • Bitte keinen Ruß mit in die Wohnung tragen, das heißt die Schuhe ausziehen und vor der Haustür lassen.
  • Nahrungsmittel aus dem Garten vorsorglich nicht verzehren.
  • Vorsorglich keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel, Pools und anderes nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist.
  • Vorsorglich keine Reinigung der verschmutzten Gegenstände vornehmen, da eine erhöhte Schadstoffkonzentration bislang nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Bei nicht aufschiebbaren Arbeiten im Garten vorsorglich Handschuhe tragen.
  • Partikel auf den Fensterbänken etwa sollten liegen bleiben, bis das LANUV die Inhaltstoffe analysiert hat.
  • Autos können in der Waschanlage gereinigt werden, weil dort eine Abwasserbehandlung erfolgt. 

Bewohner sollen sich melden, wenn sie Rückstände und Rußniederschlag auf Grundstücken und Straßen entdecken. Eine Telefon-Hotline wurde eigens dafür eingerichtet 0214/406-3333.

Die Betreiberfirma Currenta wird Straßen, Gehwege und Hauseingänge im Auftrag der Stadt zeitnah reinigen. Doch bis die Ergebnisse der Analysen vorliegen, ist in Leverkusen Vorsicht angesagt. Bis dahin müssen die Betroffenen mit der Ungewissheit leben, ob gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt wurden. Und wenn ja, wie gefährlich diese für Kinder, Tiere und die Umwelt sind. (ml)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare