Warum liegen Experten so oft daneben?

Schnee oder kein Schnee? Experte erklärt einen entscheidenden Prognosefehler

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Schnee oder kein Schnee - das ist oft die Frage. Liegen Schneeprognosen oft daneben oder ist das nur eine gefühlte Wahrheit. 

Schnee oder doch kein Schnee? Schneeprognosen und Schneevorhersagen sind für einige Winterfans oft enttäuschend. Woran liegt das eigentlich?

  • Bei Schnee-Vorhersagen liegen Wetter-Experten gefühlt oft daneben.
  • Dabei sind Wetterprognosen in den vergangenen Jahren präziser geworden.
  • Ein Experte vom Deutschen Wetterdienst (DWD) erklärt, warum eine Schneevorhersage auch mal daneben liegen kann.

    München - Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn - den Schnee. Gerade im Winter gewinnt der Zauber der weißen Pracht an Stärke. Klein und Groß singen „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit“. Schneeprognosen und Schneevorhersagen sind gefragt. Bleibt dann der Schnee aus, gibt es enttäuschte Gesichter. Liegen Wetter-Experten mit ihren Schneeprognosen tatsächlich oft daneben? 

Wetter-Prognosen: Wann kommt jetzt endlich der Schnee?    

Ob tatsächlich Schnee fällt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dabei spielen vor allem Niederschlag und Temperatur eine Rolle.

Schnee ist salopp gesagt eben nur Wasser, das in einem festen Aggregatzustand aus den Wolken vom Himmel zur Erde fällt. Ohne Niederschlag kein Schnee. Und das macht die Vorhersage beim Thema etwas knifflig, erklärt Dr. Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

„Der Niederschlag ist eine Größe, die nach wie vor schwer zu prognostizieren ist“, räumt Wolz ein. „Wenn entgegen der Niederschlagsprognose kein Regen fällt, dann stört das kaum. Fällt kein Schnee, dann bemerkt es ziemlich schnell jeder.“

Ein wichtiger Faktor ist natürlich die Temperatur. Ein Blick auf das Thermometer am Fenster genügt für eine treffsichere Schneevorhersage kaum. Wer glaubt, bei null Grad gibt es Schnee, liegt falsch. „So einfach ist es nicht“, sagt Wolz. 

Jeder Niederschlag beginnt sein Dasein in den Wolken bei bis zu minus 35 Grad als Schnee. Von den Wolken im Himmel zur Erde ist es ein weiter Weg. In den verschiedenen Schichten der Atmosphäre können die Temperatur sehr unterschiedlich sein. Schnee fällt erst bei Temperaturen um null Grad aus den Wolken. Fällt die Schneeflocke in eine Luftschicht über null Grad, setzt der Tauprozess ein - sie schmilzt. Eine aktuelle Wetterprognose finden Sie hier auf Merkur.de*

Wetter: Exakte Schneeprognose - Was ist dafür wichtig?

„Wenn Sie die vertikalen Temperaturprofile genau kennen, dann sind die Prognosen nach den verschiedenen Modellen – ob Regen oder Schnee fällt - möglich“, so Dr. Guido Wolz vom DWD. Ein Grenzbereich sind jedoch Temperaturen um null Grad. Ist die Temperaturvorhersage nicht exakt, hat das Folgen für die Bestimmung der Schneefallgrenze. Ein Prognosefehler bei der Temperatur um ein bis zwei Grad kann schon einen Fehler von 300 Meter bei der Bestimmung der Schneefallgrenze bedeuten. Liegt sie in so einem Fall um 300 Meter höher, fällt eben in den Lagen darunter Regen statt Schnee.

„Die Natur lässt sich eben nicht ganz festlegen“, sagt Wolz. Temperaturvorhersagen sind seiner Ansicht nach recht genau. Schneeprognosen funktionieren in einem Zeitraum von aktuell bis zehn Tage sehr gut. Ein Beispiel: Anfang Januar 2019 wären die DWD-Schneeprognosen genau und präzise gewesen, selbst was die Mengen betraf. Ebenso wurde zeitweiliges Tauwetter in tieferen Regionen während dieses Zeitraums recht gut prognostiziert. 

Nach extremen Schneefällen an den Alpen und im Alpenvorland herrschte dort zum Teil Schnee-Chaos. In einigen Landkreisen wurde zeitweise Katastrophenalarm ausgelöst. Ein Bürgermeister war damals mit dem BR im Schneechaos unterwegs und beging, wie Merkur.de* berichtete einen fast unverzeihlichen Fehler. Anfang November 2019 schneite es kräftig an der Südseite der Alpen. In Österreich gingen Lawinen ab. Einige Orte waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. 

Wetter-Prognosen: Faszination Schnee - Was ist Neuschnee 

Schnee ist faszinierend. Von der weißen Pracht gibt es die unterschiedlichsten Arten. Schnee ist nicht gleich Schnee. Wintersportler bekommen bei dem Wort „Neuschnee“ ein Funkeln in den Augen. Etwas nüchterner ist die Definition der DWD-Meteorologen: „Als Neuschnee wird frisch gefallener Schnee bezeichnet, der nicht länger als drei Tage liegt.“  

Wetter-Prognosen: Was ist Pulverschnee? 

Wenn es schneit, gehört wohl der „Pulverschnee“ zu den beliebtesten Schneearten. Als Pulverschnee wird trockener Schnee bezeichnet, der noch nicht verfestigt oder verdichtet ist und auch unter Druck nicht zusammenklebt, ist im DWD-Wetterlexikon zu erfahren. Pulverschnee fällt demnach meist bei Temperaturen zwischen minus zwei und minus 10 Grad Celsius und bei windschwachem Wetter.

Pappschnee“ fällt meist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt (0 Grad Celsius). Der Schnee ist feucht und durchnässt und lässt sich gut zu Schneebällen formen oder dazu verwenden, einen Schneemann zu bauen.

Wann fängt der Winter 2019 in Deutschland an? 

  • Der Winter fängt für Meteorologen am 1. Dezember an. Der meteorologische Winteranfang beginnt am ersten Tag des Monats, um vier Jahreszeiten von einer konstanten Länge zur Vergleichbarkeit der Wetteraufzeichnungen zu haben. 
  • In der Meteorologie versteht man unter „Winter“ die Monate Dezember, Januar und Februar. Der meteorologische Winter endet am  29. Februar 2020. Der meteorologische Frühlingsanfang fällt auf den 1. März 2020.
  • Der kalendarische oder astronomische Winteranfang beginnt am 21. oder 22. Dezember. Zu diesem Zeitpunkt erreicht der Zenit der Sonne den südlichen Wendekreis. Der kalendarische Winter endet am 20. März 2020.

Auf einer Forschungsstation beobachteten Biologen ein seltsames Wetter-Phänomen: Schnee blieb bis in den Sommer liegen. Die Folgen sind global.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

ml

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