Wettlauf gen Himmel

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Burj Dubai (dt.: Turm von Dubai) - 824 Meter misst der Gigant. Bei klarer Sicht ist der Turm in bis zu 95 Kilometern Entfernung noch zu sehen.

"Hier wächst Geschichte": Seit Monaten ziert dieses eigentlich selbst­bewusst gedachte Plakat das Baugerüst des Burj Dubai (dt.: Turm von Dubai). In Zeiten der Finanzkrise wirkt diese Prognose fast zynisch.

Pleite- statt Panoramaaussichten haben den Wüsten­staat in den letzten Monaten verfolgt. Zu dieser Zeit war der Bau des XXL-Turms allerdings längst in der Endphase. Das zweideutige Schild haben die Bauherren mittlerweile entfernt. Der Bauboom mag Geschichte sein, zumindest einmal kann das Emirat aber noch mit einem Superlativ glänzen: Heute eröffnet Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktum das höchste Gebäude der Welt. 

Alle Fakten zum Bau:

Der Architekt Adrian Smith aus Chicago entwarf den 1,8-Milliarden-US-Dollar Riesen in Form einer sechsblütigen Wüstenlilie. 824 Meter misst der Gigant. Bei klarer Sicht ist der Turm in bis zu 95 Kilometern Entfernung noch zu sehen.

Wettlauf der Wolkenkratzer

Burj Dubai  - Wettlauf der Wolkenkratzer

189 Etagen, davon 162 bewohnbare, hat der Megatower. Erreicht werden die Stockwerke mit 54 Aufzügen, der schnellste von ihnen legt zehn Meter pro Sekunde zurück – ebenfalls Rekord! Zwischenhaltepunkte sind die sogenannten „Sky Lobbys“ im 43., 76. und 123. Stockwerk. Jede 20. Etage ist für logistische Zwecke eingeplant. In den unteren 37 Stockwerken eröffnet ein Luxushotel mit 160 Zimmern und Suiten, allesamt persönlich eingerichtet von Modedesigner Giorgio Armani. 144 Privatapartments sind in den Stockwerken 38 bis 108 untergebracht. Preis: bis zu drei Millionen Euro! Ein Viertel dieser Nobelherbergen steht noch zum Verkauf – aufgrund der Schuldenkrise Dubais sind die Immobilienpreise bis zu 50 Prozent eingebrochen. Über dem Wohnbereich befinden sich

43 Büros sowie ein Fitness- und Wellness­bereich, der sich über vier Etagen erstreckt. Im Untergeschoss stehen 3000 Parkplätze zur Verfügung. Insgesamt sollen bis zu 12 000 Menschen in dieser vertikalen Stadt leben und arbeiten. Weniger Betuchte können als Besucher die Aussicht auf der neuen höchsten Aussichtsplattform der Welt genießen – aus dem 124. Stock! Eine Windjacke sollte man allerdings mitnehmen: Der Temperaturunterschied zwischen Erdgeschoss und Spitze beträgt neun Grad! Nur fünf Jahre und drei Monate hat der Bau des Wolkenkratzers in Anspruch genommen. Etwa alle drei bis vier Tage kam ein neues Stockwerk hinzu.

Bis zu 12.000 Arbeiter waren in drei Schichten rund um die Uhr an der Fertigstellung des Burj Dubai beschäftigt. Die meisten Bauarbeiter stammten aus Pakistan und Indien. Tageslohn: 2,80 bis 5,60 Euro. Gehörigen Anteil am Bau hatten auch rund drei Dutzend deutsche Unternehmen: So erledigte die Schrobenhausener Firma Bauer die Tiefbauarbeiten, auch viele Fassadenelemente, die über 13.000 Türen sowie 95.000 Quadratmeter Eichenparkett wurden aus Deutschland geliefert. Und: Einige tausend Tonnen recycelter Stahl stammen aus dem abgebrochenen Berliner Palast der Republik! Insgesamt verschluckte der Koloss 110.000 Tonnen Stahl, Aluminium und Glas. Wenn heute die Einweihungsfeier steigt, werden auch einige Münchner vor Ort sein.

Der FC Bayern blickt während des Trainingslagers in Dubai aus nächster Nähe auf das Megaevent. „Wir sitzen in der ersten Reihe“, erklärte FCB-Medienchef Markus Hörwick. Nur 200 Meter Luftlinie trennen die Bayern in ihrem Nobelhotel vom gewaltigen Burj Dubai.

ISP/MIC

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