„Bitte Abstand halten“

Apotheken bitten um Verständnis und Rücksichtnahme in der Corona-Krise

+
Schlange stehen – aber mit Abstand: Wie hier vor der Adler-Apotheke in Brilon sieht es aktuell vor vielen Apotheken im Kreis aus.

Hochsauerland – „Die Apotheken bleiben in der Corona-Krise geöffnet. Der Andrang ist derzeit enorm“, berichtet der Apothekerverband Westfalen-Lippe. Deshalb hat der SauerlandKurier bei den Apotheken im Hochsauerlandkreis nachgefragt, wie die Lage vor Ort ist und wie sie mit der außergewöhnlichen Situation umgehen.

Alle befragten Apotheken hatten eines gemeinsam: Der Schutz von Personal und Kunden steht an erster Stelle. Um die Versorgung in der Fläche mit Apotheken aufrechtzuerhalten, sei es wichtig, dass nun nicht zu viele Apothekenmitarbeiter selbst am Coronavirus erkranken und in Quarantäne müssen. Dies bedeute vor allem: Bitte Abstand halten!

„Wir haben Markierungen auf dem Boden angebracht und Desinfektionsmittelspender aufgestellt“, zählt Rudolf Lübke von der Lübkes Johannis-Apotheke in Arnsberg auf. Zudem habe er zum Schutz seiner Mitarbeiter und Kunden in Plexiglasscheiben an den Bedientheken investiert. „Damit tragen wir dazu bei, dass die Gesundheitsversorgung und die Versorgung mit Arzneimitteln aufrecht erhalten bleibt und sich das Virus nicht noch weiter ausbreitet“, erklärt Rudolf Lübke.

Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden

Genauso verfahren viele seiner Kollegen. Oft dürfen beispielsweise auch nicht mehr als drei bis fünf Kunden zeitgleich in die Apotheke. Klaus Mörchen nutzt sogar vor seiner Brunnen-Apotheke in Meschede Gehwegaufsteller, um auf die Abstandsregel von mindestens 1,50 bis zwei Meter aufmerksam zu machen. „Viele haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen und ignorieren die Beschilderung total“, macht er sich seinen Ärger der vergangenen Tage Luft. „Ich denke, ohne eine Ausgangssperre wird es nicht gehen. Niemand kann sagen, er wüsste es nicht. Die Bundeskanzlerin hat es am Mittwoch in ihrer Rede deutlich gesagt: ,Wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten’.“ Die Nähe zum Personal zu reduzieren, sei das oberste Gebot. „In Gedanken kann man die Regeln schon mal vergessen. Wer aber unseren Aufforderungen nicht nachkommt, wird des Ladens verwiesen – zur Sicherheit aller.“

Auch Sandra Dietrich-Siebert, Leiterin der Adler-Apotheke in Brilon, fordert ihre Kunden auf, möglichst zu Hause zu bleiben und nur das Notwendigste zu erledigen. Wer bereits Symptome habe, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten, soll grundsätzlich nicht mehr persönlich vorbeikommen, sondern anrufen oder besser noch eine E-Mail schreiben: „Wir haben auch eine Bestell-App und unser Botendienst wird hochgefahren.“ Sie empfiehlt, die Medikamente vorzubestellen, dann geht es im Geschäft schneller.

"Ist der Gang wirklich notwendig?"

Außerdem sollten die Hauptzeiten gemieden werden. Es sei besser entweder morgens früh oder gegen Abend vorbeizukommen – am besten aber gar nicht. „Ist der Gang wirklich notwendig? Alles, was nicht dringend notwendig ist, ist einzuschränken“, appelliert die Apothekerin und rät: „Nutzen Sie andere Möglichkeiten, um möglichst zu Hause zu bleiben. Beziehen Sie Angehörige mit ein, die den Weg zur Apotheke, aber auch zum Einkauf übernehmen. Wenn Sie keinen E-Mail-Account haben, fragen Sie Ihre Kinder oder Enkelkinder.“

Die Apotheken seien dabei, sich verschiedene Konzepte zu überlegen, um die Gefahr einer Ansteckung möglichst niedrig zu halten. Im Zwei-Schicht-System sind sie in der jetzigen Krisenzeit für die Kunden da, um zu beruhigen, zu beraten und zu informieren. „Viele Menschen sind verunsichert. Dafür sorgen nicht zuletzt die Falschinformationen über das Coronavirus, die im Internet kursieren. Wenn sich plötzlich Nachrichten zu angeblichen Gefahren oder Wunderwirkungen bestimmter Medikamente im Netz verbreiten, ist meist Vorsicht geboten. Fragen Sie einen Experten. Apotheker stehen für Fakten statt Fake-News“, rät Jürgen Schäfer, Inhaber der Franziskus-Apotheke Winterberg – gerne auch per E-Mail. Sobald die Sorge der Leute größer werde, zeige sich wie wichtig Ansprechpartner wie Ärzte und Apotheker sind.

„Medikamente sind ausreichend vorhanden"

Alle befragten Apotheker können zudem die Patienten beruhigen: „Medikamente sind ausreichend vorhanden. Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund. Solche Panikkäufe schaden stattdessen denjenigen, die die anderswo gehorteten Medikamente tatsächlich benötigen.“

Lieferprobleme gebe es aber bei Mundschutz und Desinfektionsmittel. Aufgrund einer Ausnahmeregelung wegen der Corona-Krise dürfen die Apotheker selbst Desinfektionsmittel herstellen. Doch auch die dafür benötigten Rohstoffe seien zurzeit schwer zu bekommen. „Haushalte mit gesunden Menschen benötigen im Moment auch keine größeren Mengen Händedesinfektionsmittel“, betont Jürgen Schäfer, der auch Sprecher für die Apothekerkammer Westfalen-Lippe ist. Gegen das Coronavirus sei gründliches und häufiges Händewaschen mit Seife ausreichend wirksam. Desinfektionsmittel sowie Mundschutz werden derzeit vor allem in Einrichtungen wie Arztpraxen, Ambulanzen, Notaufnahmen und Krankenhäusern gebraucht. Deshalb sollten Privatpersonen dieses Hygienematerial bitte den Fachleuten überlassen.

„Die Apotheker im Hochsauerlandkreis bedanken sich bei den Kunden für die Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme“, betont der Sprecher der Apothekenkammer. Diese seien wichtig, um in der Krise, von der keiner wisse, wie lange sie dauern wird, die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen.

Wichtige Verhaltensregeln auf einen Blick

  • Abstand halten von mindestens 1,50 bis 2 Meter (je weiträumiger umso besser) 
  • Patienten mit Symptomen sollten zu Hause bleiben und sich telefonisch oder per E-Mail bei der Apotheke melden 
  • Händewaschen mit Wasser und Seife (mindestens 20 bis 30 Sekunden) 
  • Bitte nicht das Rezept in den Mund nehmen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare