"Krieg um die besten Köpfe hat begonnen"

IHK Arnsberg stellt positive Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor

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Hubertus Gössling, Andreas Knappstein, Daniela Tigges, Johannes Lehde, Andreas Rother, Stefan Severin, Dr. Ilona Lange und Alexander Koch (v. l.) bewerteten die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn.

Hochsauerland. Die Wirtschaft brummt. Niedrige Arbeitslosenzahlen und volle Auftragsbücher der Unternehmen sind die besten Anzeichen dafür. Dass auch der Großteil der heimischen Unternehmen die Lage als gut beurteilt und einen weiteren Aufschwung für das laufende Jahr erwartet, sind zwei Ergebnisse der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn, die die IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland am Mittwoch am Möhnesee vorstellte. Deutlich wurde aber auch: Herausforderungen wie der Fachkräftemangel oder die Digitalisierung beschäftigen die Unternehmen mehr denn je.

„Die Wirtschaft am Hellweg und im Sauerland geht mit sehr viel Schwung ins neue Jahr. Die Lageurteile sind auf Rekordniveau und wir dürfen ein starkes 2018 erwarten“, kommentierte der neue IHK-Präsident Andreas Rother. „Und das gilt für alle Bereiche. Der Aufschwung lässt keine Branche im Regen stehen“, ergänzte Stefan Severin, Geschäftsbereichsleiter Volkswirtschaft, Information, Finanzwirtschaft und International bei der Kammer. 

Die Experten machen das auch an konkreten Zahlen fest, die die zu Jahresbeginn durchgeführte Konjunkturumfrage ergeben hat: Fast 55 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk beurteilen die aktuelle Lage als gut. „Ein solches Ergebnis hat es bisher noch nicht gegeben“, betonte Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. Mehr als ein Viertel der Unternehmen erwartet sogar, dass die Wirtschaftslage sich 2018 noch einmal verbessert. Der „Konjunkturklimaindikator“, der sich aus der aktuellen Lage und den Erwartungen ermitteln lässt, liegt derzeit bei 135 Punkten und damit nur zwei Punkte unter dem „Allzeithoch“ im Herbst 2011. 

Angesichts der guten Wirtschaftslage sind auch die Investitionsabsichten hoch. Fast ein Drittel der Unternehmen möchte 2018 mehr investieren, was laut Stefan Severin ein „zufriedenstellendes Niveau“ ist. Investiert werden soll natürlich auch in Arbeitskräfte: 25 Prozent der Unternehmen planen für das laufende Jahr die Einstellung von weiteren Mitarbeitern. „Da stellt sich allerdings die Frage: Können die vorhandenen Arbeits- und Fachkräfte den Bedarf des Arbeitsmarktes decken“, erklärte Severin. 

Fachkräftemangel bleibt große Sorge

Und damit sprach der Volkswirt ein sensibles Thema an: Denn trotz der wirtschaftlich guten Lage bleibt der Fachkräftemangel eine Herausforderung, die die heimischen Unternehmen bewältigen müssen. „Der Krieg um die besten Köpfe hat begonnen“, meinte Andreas Rother. Besonders betroffen davon seien die Bauwirtschaft, die Verkehrswirtschaft und das Gastgewerbe. „In ganz Deutschland fallen jedes Jahr 40.000 Kraftfahrer weg, es kommen aber nur 6000 nach“, verdeutlichte Hubertus Gössling, Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses und Geschäftsführer der Spedition Gössling aus Arnsberg, die Problematik innerhalb seiner Branche.  

Auch in anderen Bereichen sind diese Umstände nichts neues. Zwar laufe es in der Baubranche „Bombe“, wie Johannes Lehde, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens aus Soest, berichtete, dennoch gebe es nicht genügend Personal, um alle Aufträge zeitnah zu erfüllen. „Wir haben ein Imageproblem. Im letzten Tatort stammte der Mörder auch wieder aus dem Baubereich“, nannte Lehde augenzwinkernd die Gründe für die Entwicklung. Daher müsse die gesamte Branche daran arbeiten, attraktiver zu werden. 

Die längste Erfahrung mit der Knappheit von Fachkräften haben wohl die Unternehmen aus dem Gastgewerbe. „Früher gab es Schließungen wegen fehlender Gäste. Heute schließen Betriebe, weil sie keine Mitarbeiter oder Nachfolger finden“, erläuterte Daniela Tigges, Inhaberin und Geschäftsführerin des Familotels Ebbinghof in Schmallenberg. Um sich auf die sinkende Zahl an Arbeitskräften einzustellen, würden in ihrem Hotel bereits Saug- und Wischroboter getestet, die zur Säuberung der Zimmer eingesetzt werden können. Daniela Tigges betonte aber auch: „Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen, dafür kann eine Maschine nicht sorgen.“

Bei der Digitalisierung "gilt es aufzuholen"

Mit den technischen Hilfsmitteln in Betrieben war indirekt die Brücke zur nächsten Herausforderung der heimischen Unternehmen geschlagen. „Die Digitalisierung wird alle Branchen begleiten, jede hat ihre eigenen Berührungspunkte“, erklärte Andreas Rother. Als „Basis für den Prozess“ müsse jetzt schnell der Breitbandausbau vorangetrieben werden. „Das ist einer der Punkte, warum ich dieses Amt angetreten habe. Da gilt es aufzuholen“, sagte der neue IHK-Präsident. Deshalb wünsche er sich in der neuen Bundesregierung auch ein eigenes Ressort für diesen Bereich. 

Die Anbindung ans schnelle Internet ist allerdings nicht der einzige Bereich der Digitalisierung, mit dem sich die heimischen Unternehmen auseinandersetzen müssen. Vor allem die Einzelhändler kämpfen mit der immer größer werdenden Konkurrenz aus dem Internet. „Wir müssen dafür kämpfen, dass wir für unsere Kunden attraktiv bleiben“, berichtete Andreas Knappstein, Geschäftsführer des gleichnamigen Möbelhauses aus Schmallenberg. Deshalb müsse vor allem der Service herausstechen. „Wir leben von der Beratung“, erklärte Knappstein. 

Trotz der Herausforderungen, die die Unternehmen in der Region beschäftigen, überwiegt bei den Verantwortlichen der IHK die Freude über die gute Wirtschaftslage – und darüber, dass es positiv weitergeht. „Viele fragen sich: Wie lange kann die Entwicklung noch anhalten? Aktuell ist keine Krise in Sicht. 2018 wird ein gutes Jahr“, meinte Stefan Severin.

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