Urteil nach nicht-öffentlicher Verhandlung

Psychiatrie statt Gefängnis: 18-Jähriger wegen schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen 

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In einer nicht öffentlichen Verhandlung ist vor dem Landgericht Arnsberg jetzt das Urteil gesprochen worden.

Arnsberg. Justitia hat Recht gesprochen: Das Landgericht Arnsberg hat jetzt in einer nicht öffentlichen Gerichtsverhandlung einen 18-jährigen Mann aus Neheim nach drei Verhandlungstagen unter anderem wegen schwerer Vergewaltigung eines jungen Mannes verurteilt. Der Täter wird nach Paragraph 63 des deutschen Strafgesetzbuches in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

Paragraph 63 Strafgesetzbuch bezieht sich auf schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Straftäter, die aufgrund ihrer Erkrankung als für die Allgemeinheit gefährlich gelten und von denen weitere erhebliche Straftaten (Gewaltdelikte, aber auch Sexualdelikte) zu erwarten sind. Diese Maßregel ist unbefristet. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor vier Jahre und sechs Monate Haft ohne Bewährung gefordert. Der Unterbringungsbefehl wurde aufrecht erhalten.

Angeklagter zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt

„Der Angeklagte wurde wegen schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung nach Paragraph 63 schuldig gesprochen“, teilte Pressesprecher Dr. Johannes Kamp dem SauerlandKurier auf Nachfrage mit. Das Schöffengericht sah es in der Hauptverhandlung als erwiesen an, dass der Afghane Halil D., zum Tatzeitpunkt war er 17 Jahre alt, das Opfer an einem frühen Sonntagmorgen am 5. August 2018 in der Niedereimerstraße in Arnsberg mit einem Schraubenzieher bedroht und anschließend schwer vergewaltigt hatte. In einem weiteren Anklagepunkt wegen gefährlicher Körperverletzung wurde der Angeklagte jedoch vor der sechsten Großen Strafkammer im Arnsberger Landgericht vom Vorsitzenden Richter Markus Jäger freigesprochen.

"Mein Mandant kann sich jetzt ganz auf die Therapie konzentrieren"

Der Anwalt des Täters, Rechtsanwalt Martin Pohlmann aus Arnsberg-Neheim, stand dem Urteil positiv gegenüber: „Ich bin als Verteidiger mit dem Urteil zufrieden, da anfangs zusätzlich noch Jugendstrafe im Raum stand. Das ist meinem Mandanten Gott sei Dank nicht auferlegt worden, denn das verträgt sich nicht miteinander. So steht die Therapie im Vordergrund. Mein Mandant kann sich jetzt ganz darauf konzentrieren.“

Oberstaatsanwalt Thomas Poggel: „Das Urteil entspricht zwar nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, aber wir halten es für vertretbar. Das wesentliche Ziel war die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Das Ziel ist erreicht. Von daher werden wir das Urteil voraussichtlich nicht anfechten.“

Täter verweigerte gemeinnützige Arbeit und Schulunterricht

Der Verteidiger des Opfers, Rechtsanwalt Michael Babilon aus Arnsberg, ging nach der Urteilsverkündung zunächst auf den Hintergrund des Täters ein: „Halil D. ist als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland gekommen und ordnete sich nicht unter.“

Diese Einschätzung bestätigte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe, der mit dem Angeklagten persönlich zu tun hatte, auf Nachfrage des SauerlandKurier. „Halil D. ist bereits als Minderjähriger aus seiner Wohngruppe geflogen. Er wurde danach in einer Asylunterkunft in Neheim mit ausschließlich Männern aufgenommen, stand weiterhin unter persönlicher Betreuung. Gemeinnützige Arbeit zur besseren Integration als auch den Schulunterricht verweigerte der damals 17-jährige Migrant kategorisch, ,mischte‘ hingegen lieber die anderen Bewohner in der Flüchtlingsunterkunft auf“, so der der Redaktion namentlich bekannte Flüchtlingshelfer.

"Die Maßregelung kann auch von lebenslanger Dauer sein"

Rechtsanwalt Michael Babilon erklärte: „Im Prozess erzählte der Angeklagte plötzlich, er sei selbst in Afghanistan vergewaltigt worden. Obwohl er Moslem ist und das von seinem Glauben her gar nicht darf, hat er regelmäßig Drogen und Alkohol konsumiert. Das in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. Filip Salem aus der LWL-Klinik Marsberg ergab, dass der Angeklagte unter dissozialen Verhaltens- und posttraumatischen Belastungsstörungen leidet, zudem alkohol- und drogenabhängig ist. Damit ist Paragraph 63 erfüllt. Nach vier bis sechs Jahren wird der Fall neu geprüft. Die Maßregelung kann allerdings auch von lebenslanger Dauer sein.“

"Meine Familie hat durch die brutale Tat lebenslänglich"

Das abschließende Statement von der Mutter des Opfers, Anna Naß, lautete schließlich: „Meine Familie hat durch die brutale Tat lebenslänglich. Wir sind seitdem in psychiatrischer Behandlung, da wir mit der Vergewaltigung meines Sohnes nicht klarkommen. Das Urteil ist besser als Gefängnis, denn sonst wäre der Täter womöglich nach 2,5 Jahren schon wieder draußen. So kann es sein, dass er lebenslang in der Psychiatrie bleiben muss.“

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