Fairer Handel im Fokus

Arnsberg macht sich auf den Weg zur Zertifizierung zur Fairtrade-Stadt - Sundern hat bereits Erfahrungen

Fairtrade Sundern Hachen Schild
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Die Stadt Sundern ist bereits seit dem Jahr 2017 Fairtrade-Stadt und hat zuletzt unter anderem in Hachen ein großes Hinweisschild aufgestellt.

Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten – das hat sich die Stadt Arnsberg auf die Fahne geschrieben. Mit der geplanten Bewerbung zur Zertifizierung zur Fairtrade-Stadt möchte die Kommune einen weiteren Schritt gehen, um sich „den Herausforderungen einer gerechten Gestaltung und Globalisierung“ zu stellen. Die Stadt Sundern ist bereits seit einigen Jahren Fairtrade-Stadt.

Arnsberg/Sundern - Der Wunsch nach einer Zertifizierung zur Fairtrade-Stadt baut auf vormals getätigten Unternehmungen im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunft auf. „Die Stadt Arnsberg hat sich bereits 2016 der Resolution ,2030 – Agenda für nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten’ angeschlossen. Und mit der Nachhaltigkeitsstrategie wurde die Zertifizierung zur Fairtrade-Stadt erstmals als Maßnahme konkretisiert“, erläutert Sebastian Witte, Zukunfts- und Strategiebüro Nachhaltigkeit der Stadt, auf Nachfrage des SauerlandKurier.

Ziel: Durch Fairtrade-Produkte soll Erzeugern in Schwellen- und Entwicklungsländern eine gerechte Entlohnung garantiert werden. Außerdem sollen durch den fairen Handel auch die Arbeits- und Produktionsbedingungen vor Ort verbessert werden. „Die Stadt Arnsberg will durch ihr Handeln in diesem Themenfeld ihrer globalen Verantwortung gerecht werden. Beispielsweise ist geplant, die Beschaffung bei der Stadtverwaltung zukünftig generell fairer, ökologischer und energieeffizienter zu gestalten.“

Fünf Kriterien, die aufeinander aufbauen

Um eine Zertifizierung zu erreichen, muss die Stadt Arnsberg fünf Kriterien erfüllen, die aufeinander aufbauen:

Nach dem Ratsbeschluss (erstes Kriterium), folgt als zweiter Schritt die Gründung einer lokalen Steuerungsgruppe. „Diese soll als Arbeitsgruppe des in 2021 startenden Nachhaltigkeitsbeirats oder als eigenständige Arbeitsgruppe eingerichtet werden. In ihr werden die engagierten Akteure der Stadtgesellschaft sowie Vertreter aus Gastronomie, Einzelhandel, Kirchen, Vereinen und Verbänden vertreten sein“, erklärt Witte.

Auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt sei die Steuerungsgruppe als „treibende Kraft“ dafür verantwortlich, die Aktivitäten vor Ort zu koordinieren. Außerdem müssen in Arnsberg 15 Einzelhandelsgeschäfte und acht Restaurants und Cafés mit Fairtrade-Produkten gefunden werden (drittes Kriterium). Als viertes Kriterium muss mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirche ausfindig gemacht werden, die Fairtrade-Produkte verwendet und Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchführt. Schließlich sollen die örtlichen Medien über alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt mit mindestens vier Artikeln pro Jahr berichten. Dazu zählen auch Veröffentlichungen von Online-Artikeln oder Beiträge auf der städtischen Homepage (fünftes Kriterium).

Das sind jetzt die nächsten Schritte

Im Hinblick auf die Realisierung zeigt sich Witte zuversichtlich. „An den Rahmenbedingungen wie Steuerungsgruppe und Ratsbeschluss arbeiten wir schon intensiv im Hintergrund. Auch die inhaltlichen Kriterien stimmen uns zuversichtlich. Denn in vielen dieser Bereiche ist Arnsberg bereits sehr gut aufgestellt. Es gibt bereits sowohl Einzelhandelsgeschäfte als auch Cafés und Restaurants, die faire Produkte im Angebot haben.“ Auch viele Kirchengemeinden seien bereits sehr aktiv in diesem Themenfeld.

Die Vorlage soll in der kommenden Sitzung des Ausschusses für Nachhaltigkeit, Digitalen Wandel und Stadtgesellschaft am 15. Juni zur Beratung und Empfehlung an den Rat vorgelegt werden. Im Anschluss daran wird die Vorlage dem Rat am 24. Juni zur Beschlussfassung vorgelegt.

Corona bremst Fairtrade in Sundern aus

Die Stadt Sundern ist bereits seit dem Jahr 2017 Fairtrade-Stadt. 2019 erfolgte die erste Re-Zertifizierung. Wenn es keine Ausnahmeregelung wegen Corona gibt, steht Ende 2021 eine Re-Zertifizierung an.

Die Corona-Situation wirke sich auch auf die Bemühungen der Fairtrade-Stadt aus. Das Bewusstsein für den fairen Handel habe durch die Pandemie nach Angaben der Steuerungsgruppe eindeutig gelitten. Größere Veranstaltungen, um Aufmerksamkeit für das Thema zu erhalten, konnten seit Frühsommer 2020 nicht durchgeführt werden. Auch der Weltladen Sundern habe durch die sehr begrenzten Öffnungszeiten starke Einbußen hinnehmen müssen.

Untätig war die Steuerungsgruppe jedoch nicht: In Teilen des Stadtgebietes besuchten deren Mitglieder im Herbst Geschäfte und sonstige Partner und sprachen über die weitere Zusammenarbeit. In den Ortsteilen Hövel und Hachen wurden weitere große Schilder mit dem Hinweis auf die Fairtrade-Stadt Sundern aufgestellt. Auch ein erstes Arbeitsgespräch mit Bürgermeister Klaus-Rainer Willecke fand bereits statt. „Ziel ist es, dass weitere städtische und caritative Einrichtungen sich verstärkt an der Fairtrade-Aktion beteiligen. Ein nächstes Gespräch mit dem Bürgermeister steht für den Frühsommer an“, berichtet Klaus Plümper von der Fairtrade-Steuerungsgruppe. „Es ist festzustellen, dass viele Menschen bereit sind soziale Verantwortung durch den Kauf fair gehandelter Artikel zu übernehmen. Allerdings gibt es noch ein großes Entwicklungspotenzial, das weiter zu bearbeiten ist.“

Wer Interesse hat, sich in der Stadt Arnsberg zum Thema einzubringen, kann sich an das Zukunfts- und Strategiebüro Nachhaltigkeit unter nachhaltigkeit@arnsberg.de wenden.

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