Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0 nimmt Arbeit auf

Apps und digitale Mittel sollen künftig die Arbeit in Wald und Forst erleichtern 

+
Wie können digitale Mittel die Arbeit rund um Wald und Holz künftig schneller und effizienter machen? Darum geht es im Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0.

Arnsberg. Mit dem digitalen Blick auf Wald und Forst beschäftigt sich ab sofort das neue „Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0“. Das bundesweit bislang einmalige Infrastrukturprojekt dieser Art soll Antworten auf die Frage finden, was die Industrie 4.0 in Zukunft für Forst und Holzwirtschaft bringt. „Die Idee lag eigentlich auf der Hand, dass wir das, was wir an Erfahrungen in der Industrie gewonnen haben, auf den Wald übertragen und intelligente Technik nutzen, um besser zu werden“, verdeutliche Regierungspräsident Hans-Josef Vogel, der zum offiziellen Auftakt Fachleute aus Forstwirtschaft, Industrie und Wissenschaft im Forstlichen Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik in Neheim begrüßte.

In einem für die kommenden drei Jahre angelegten Förderprojekt widmen sich nun Wissenschaftler und Forstexperten gemeinsam dem Thema und beschäftigen sich sowohl mit der Forschung als auch dem praktischen Nutzen der technischen Möglichkeiten. „Die Digitalisierung wird immer schneller. Wer nicht vorbereitet ist, wird abgehängt. Daher muss man vorausdenken“, stellte Prof. Dr. Jürgen Roßmann, Leiter des Instituts für Mensch-Maschine-Interaktion an der RWTH Aachen heraus. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen arbeitet künftig zusammen mit dem Institut für Forschung und Transfer (RIF) Dortmund in dem neuen Kompetenzzentrum – und zwar als „virtuelles Institut“, natürlich auch digital vernetzt an ihren jeweiligen Standorten. Für den „Bezug zur Basis“ und zur praktischen Anwendung ist das Forstliche Bildungszentrum in Neheim mit seinen Waldflächen und dem Know-how Partner des Projektes. „Wir verfügen über ein großes Netzwerk zu Forstleuten und Forsttechnik“, so Leiter Thilo Wagner. 

Verschiedene Redner stellten dem Fachpublikum bei der Auftaktveranstaltung das Themenfeld vor.

Infrastrukturen schaffen und vernetzen

Im Vorfeld hatten die Projektpartner in Expertenworkshops festgelegt, dass die Übertragung der grundlegenden Konzepte und Methoden von Industrie 4.0 auf den Gesamtbereich Wald und Holz für einzelne Hersteller von Maschinen und Software, aber auch für einzelne Forschungsinstitute nicht leistbar wäre. Das Kompetenzzentrum soll daher Infrastrukturen schaffen, die das vorhandene Wissen bündeln und den Austausch ermöglichen. Gleichzeitig soll eine Plattform für die Erforschung verschiedener Bereiche, die Entwicklung neuer Prozesse und Geschäftsmodelle sowie zur Weiterbildung entstehen. Prof. Dr. Roßmann sprach hier von einem Plicht- und einem Kürteil: „Aktuell geht es darum, Abläufe transparenter, schneller und effektiver zu machen, künftig dann auch darum, neue Techniken zu entwickeln.“ 

"Smart Forest Worker" - der Forstwirt der Zukunft

Denkbar wären zum Beispiel intelligente Chips für Motorsägen, die Daten über Betriebszustände und Laufzeiten erfassen, um die Säge besser zu machen. Oder auch eine App, mit deren Hilfe das Holzvolumen eines Polters (gesammeltes und sortiertes Holz) direkt vermessen werden kann. Vorgeführt wurde ebenfalls eine Hololens, mit deren Hilfe beim Blick auf einen Holzstamm direkt Preise angezeigt wurden. „So eine Brille könnte künftig in den Helm der Forstleute integriert werden. Welcher Hersteller macht das? Ist das aus Sicht der Arbeitssicherheit möglich und welche Software ist dafür nötig? Das sind Fragen, die es zu beantworten gilt“, verdeutlichte Thilo Wagner. Der „Smart Forest Worker“ werde dann der Forstwirt der Zukunft sein. 

Die Möglichkeiten der Hololens führte Prof. Dr. Jürgen Roßmann Regierungspräsident Hans-Josef Vogel, dem stellvertretenden Bürgermeister Peter Blume und Thilo Wagner, Leiter des Forstlichen Bildungszentrums (v.l.), vor.

Dr. Rainer Joosten, im NRW-Umweltministerium zuständigen für Waldbau und Holzwirtschaft, nannte die Dürre im Sommer als Beispiel: „Wenn wir ein digitales Modell haben, können wir so etwas besser bewältigen. Die Technik nimmt uns dann Entscheidungen nicht ab, aber wir werden schneller und effizienter.“ 

Gefördert mit Mitteln der Europäischen Union

Sorgen, dass durch die fortschrittliche Technik künftig Arbeitsstellen gestrichen werden, haben die Beteiligten nicht. „Auch in dieser Branche gibt es den Fachkräftemangel“, so der Tenor. Gefördert wird das Kompetenzzentrum für die ersten drei Jahre mit insgesamt 6 Millionen Euro aus Fördermitteln des Landes sowie aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare