Wirtschaftliche Lage auf hohem Niveau, aber Ausblick ist gespalten

IHK Konjunkturumfrage: Diese Branchen blicken pessimistisch in die Zukunft

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Gute Stimmung prägt das Bild im Gastgewerbe.

Arnsberg/Hochsauerland – „Die konjunkturelle Entwicklung ist gespalten, das Klima aber insgesamt weiter positiv“, fasst IHK-Präsident Andreas Rother die Ergebnisse der Herbstumfrage zusammen. Positiv wirkt einmal mehr die robuste Binnenkonjunktur. Für Eintrübungen sorgt hingegen das internationale Geschäft. An der Konjunkturbefragung der IHK Arnsberg haben rund 430 Unternehmen teilgenommen.

Die wirtschaftliche Lage am Hellweg und im Sauerland bleibt branchenübergreifend auf hohem Niveau. Fast jedes zweite Unternehmen beurteilt die aktuelle Lage mit gut, nicht einmal jedes zehnte Unternehmen sagt, dass es schlecht laufe. 

Der Blick in die Zukunft fällt hingegen sehr uneinheitlich aus. Mit 28 zu 18 Prozent gibt es mehr Betriebe, die eine schlechtere Entwicklung erwarten, als eine bessere. Optimistisch sind Dienstleister, Einzelhändler und der Tourismus. „Für uns Dienstleister bleibt das konjunkturelle Umfeld gut, uns treibt vielmehr die Sorge nach zu wenig Fachkräften um“, sagt IT-Unternehmer und IHK-Präsident Andreas Rother. 

Hingegen blickt die Industrie pessimistisch auf die nächsten zwölf Monate. Fast jeder zweite Betrieb geht davon aus, dass sich die Konjunktur abschwächt. Nur 15 Prozent sind optimistisch. Während vor einem halben Jahr noch 53 Prozent der Industrieunternehmen gut gefüllte Auftragsbücher führten und weitere 33 Prozent ihre Auftragslage mit befriedigend beschrieben, hat sich dies nun fast umgekehrt, berichtet die IHK. 

"Entwicklung kommt nicht überraschend"

36 Prozent bezeichnen ihren Auftragsbestand mit gut und 50 mit befriedigend. „Angesichts des heftigen Gegenwinds, dem sich viele Industriebetriebe vor allem international ausgesetzt sehen, kommt die Entwicklung nicht überraschend. Immerhin hält sich die Zufriedenheit mit der Lage aber auf einem hohen Niveau,“ so Präsident Rother. Neben der Industrie blicken auch die Bauwirtschaft, der Großhandel und die Verkehrswirtschaft skeptisch in die Zukunft. Im Großhandel rechnen 27 Prozent der Betriebe mit einer Verschlechterung, während 15 Prozent eine bessere Geschäftslage erwarten. „Viele Großhändler agieren international. Darum wirken sich auch hier Handelskonflikte und der ungeklärte Brexit auf die Einschätzung aus“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. 

Beim Bau sei die Ausgangslage jedoch eine andere. Die Unternehmen arbeiten an ihrem Limit. 90 Prozent von ihnen schätzen ihre aktuelle Lage mit gut ein. Da sei es wenig überraschend, dass immer mehr Unternehmen ein Nachlassen der Geschäfte erwarten, so Dr. Lange weiter. Gleiches gelte für die Verkehrswirtschaft, in der 92 Prozent mit unveränderten Erwartungen die Zukunft betrachten und nur sieben Prozent eine Verschlechterung erwarten. 

Gute Stimmung in Gastgewerbe und Einzelhandel

Gute Stimmung prägt das Bild im Gastgewerbe, im Einzelhandel und bei den Dienstleistern. In Hotellerie und Gastronomie beurteilen 62 Prozent der Betriebe ihre Wirtschaftslage mit gut, 37 Prozent mit befriedigend und nur wenig mehr als ein Prozent mit schlecht. 51 Prozent erwarten bessere, 42 Prozent gleichbleibende Geschäfte. Die Einzelhändler geben zu 97 Prozent ihrer Lage ein Befriedigend oder Gut, 85 Prozent erwarten gleichbleibende oder bessere Geschäfte. Ein ähnliches Bild zeichnen die Dienstleister. 95 Prozent sind mit ihrer Lage mindestens zufrieden und nur 9 Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft. 

Alle drei Branchen planen sowohl bei den Investitionen, als auch bei der Beschäftigung Steigerungen. Über alle Branchen hinweg geben 25 Prozent der Betriebe an, mehr und 22 Prozent, weniger zu investieren. Die Zahl der Beschäftigten aufstocken möchten 17 Prozent der Betriebe, 70 Prozent halten an ihrer Belegschaft fest und 13 Prozent planen Stellen abzubauen. Das ist sehr nahe am Antwortverhalten im Frühjahr. 

Gefragt nach den Risiken für die Konjunktur geben sechs von zehn Unternehmen den Fachkräftemangel an. Er stellt damit das größte Konjunkturrisiko dar. Als weitere negative Faktoren nennen die Unternehmen mit 46 Prozent die Arbeitskosten, mit 45 Prozent die politischen Rahmenbedingungen, mit 39 Prozent den Inlandsabsatz und mit 38 Prozent die Energie- und Rohstoffkosten. Zudem sehen 48 Prozent der Unternehmen in Industrie und Großhandel die Auslandsnachfrage als Gefahr für die Konjunktur.

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