Schulen hoffen auf weitere Schritte in Richtung Normalität

Ferien für Investitionen genutzt: Kommunen treiben Digitalisierung an Schulen mit Fördermitteln voran

Erster Schultag in Hamburg nach den Sommerferien
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In den Schulen gelten weiterhin unter anderem Test- und Maskenpflicht für die Kinder und Jugendlichen sowie ein umfangreiches Hygiene- und Lüftungskonzept.

Die Sommerferien sind zu Ende, am Mittwoch hat der Unterricht für Tausende Kinder und Jugendliche auch in Arnsberg und Sundern wieder begonnen. In der schulfreien Zeit haben die Kommunen sowohl baulich in die Schulen investiert, als auch die Digitalisierung weiter voran getrieben.

Arnsberg/Sundern - So werden in Sundern die weiterführenden Schulen am 31. August für das Glasfasernetz freigeschaltet. „Darüber hinaus liegen in vier unserer sechs Grundschulstandorte – in Hachen, Stockum, Hellefeld und Allendorf – bereits Glasfaseranschlüsse vor, die entsprechenden Verträge befinden sich in Vorbereitung“, berichtet Björn Allefeld, Abteilungsleiter Bildung und Betreuung bei der Stadt Sundern.

Was die technische Ausstattung betrifft, hatte die Stadt Sundern Ende November über 200 I-pads für Lehrer und knapp 400 für Schüler aus dem Förderprogramm von 2020 verteilt. Für das aktuelle Förderprogramm (hieraus erhält Sundern rund 720.000 Euro) würden derzeit für alle Schulen auf Grundlage der technisch pädagogischen Einsatzkonzepte die Bedarfe ermittelt. „Der städtische Eigenanteil liegt bei rund 280.000 Euro, sodass wir insgesamt rund 1 Million Euro zur Verfügung haben“, so Björn Allefeld.

Bauliche Investitionen in Sundern

Baulich investiert hat die Stadt Sundern in den Offenen Ganztag an der Marienschule und an der Johannesschule; hier wurden neue Elektroanlagen eingebaut. An den Grundschulen und Allendorf wurden zwei Klassenräume für Hörgeschädigte umgebaut und unter anderem mit Akustikdecken ausgestattet. „Dem Hochwasser geschuldet haben wir die eine oder andere Maßnahme kurzfristig zurückgestellt“, so Björn Allefeld.

Die Stadt Arnsberg hat entsprechend der Planung den stufenweisen Ausbau der Gigabit-Vernetzung in den Sommerferien an ersten Schulen begonnen. Als Musterschulen wurden hierbei zwei Schulstandorte vorgezogen, um den Einsatz einer neuen innovativen Technik zu erproben, die sich gegenüber der herkömmlichen Verkabelung schneller umsetzen lässt. Das städtische Projektteam „Digitalisierung von Schulen“ hatte dazu die besonders beanspruchte Grundschule Dinschede und die Gemeinschaftshauptschule Grimmeschule ausgewählt, die derzeit beide auf die Erstellung neuer Schulstandorte warten.

Über 1,5 Millionen Euro aus Digitalpaktmitteln

„Um die Interimslösungen so schnell wie möglich mit leistungsfähigem WLAN auszustatten und die zu Teilen unhaltbaren Zustände zügig zu beheben, wurde der Ausbau beschleunigt und nicht aus Fördermitteln finanziert“, berichtet Pressesprecherin Ramona Eifert. Gleichzeitig wurden gemeinsam mit dem beauftragten Planungsbüro die im Ausbau erworbenen Erfahrungen für das Großprojekt „Gigabit-Inhousevernetzung“ an allen städtischen Schulen, das mit über 1,5 Millionen Euro mit Digitalpaktmitteln unterstützt wird, aktiv genutzt.

Für die Grundschulstandorte Moosfelde, Breitenbruch, Holzen und Herdringen liegen inzwischen die Förderbescheide vor (der Kurier berichtete), in einer weiteren Stufe werden Kostenschätzungen (LPH 5) für die Antragstellung weiterer Schulen vorbereitet. Die zum Ende des Jahres befristeten Fördermittel aus dem von Bund und Ländern aufgelegten Digitalpakt wird die Stadt Arnsberg dann vollständig für ihre Schulen beantragt haben und den Ausbau in Stufen bis in das nächste Jahr hinein umsetzen.

Innovative Glasfaser-Netzwerk-Infrastruktur

„Arnsberg setzt hierbei auf die innovative Glasfaser-Netzwerk-Infrastruktur für ein leistungsfähiges und performantes WLAN und IT-Netzwerk. Hierbei wird jeder Klassenraum direkt mit einer eigenen Glasfaser angebunden, um somit schon heute für den zunehmenden Einsatz an Schulapplikationen gerüstet zu sein“, erläutert Esther von Kuczkowski, Projektleitung „Digitalisierung von Schulen“ und Erweiterter Verwaltungsvorstand III Leitung Digitaler Wandel | Smart City | Zukunft Lernen. Durch die flexible Glasfaserverkabelung sei die Nachrüstung auf eine moderne 10 Gigabit IT-Infrastruktur mit geringem baulichem Aufwand möglich, sodass die Sommer-Schulferien für die Installation der modernen Technik erstmalig genutzt werden konnten und der Ausbau weiterer Schulen in den Herbst- und Weihnachtsferien stattfinden kann.

Gleichzeitig sind weitere digitale Präsentationsmedien (Beamer/Monitore) aus dem Digitalpaktbudget (571.846 Euro) in der Beschaffung und sollen zu Beginn des neuen Schuljahres in allen städtischen Schulen montiert werden. Rund 1400 digitale Endgeräte hatte die Stadt Arnsberg im Februar an die Schulen ausgehändigt.

Bauliche Maßnahmen während der Ferien in Arnsberg

Frank-Stock-Gymnasium: Einrichtung Klassenraum für Hörgeschädigte: Erneuerung Fußboden, Malerarbeiten, Akustikpaneele, circa 9.000 Euro (zuzüglich technischer Ausstattung)

Grundschule Moosfelde: Instandsetzung von zwei Wandfassaden, 15.000 Euro; Akustikdecken und neue Beleuchtung in den Klassenräumen, Brandschutzmaßnahmen, circa 100.000 Euro; Arbeiten im Zusammenhang mit Rauchabzugsanlage: Dämmarbeiten, Bau eins Pultdachs mit zwei Dachflächenfenstern; neue Türdurchbrüche zur Ertüchtigung des zweiten Rettungswegs, 12.000 Euro

Realschule Hüsten: Renovierung / Umnutzung des ehemaligen Kunstraums zum Klassenraum inklusive Elektroarbeiten, circa 16.000 Euro

Fröbelschule: Abschleifen Parkettböden in Klassenräumen, circa 13.000 Euro, Akustikdecke, circa 10.000 Euro

Mühlenbergschule: Malerarbeiten, circa 8.000 Euro€

Grundschule Voßwinkel: Arbeiten am Bodenbelag & Malerarbeiten, circa 5.000 Euro

Die Stadt Arnsberg hat sich mit Hinblick auf den Schulbeginn insbesondere in den letzten Wochen mit dem Thema Luftfilteranlagen in Schulen befasst. Eine konkrete Festlegung sei allerdings erst mit Veröffentlichung der Förderrichtlinien für die mobilen Luftfilteranlagen in den nächsten Tagen möglich.

Luftfilteranlagen: Förderung wohl nur für bestimmte Klassenräume

„Klar scheint aber schon jetzt zu sein, dass auch dieses Förderprogramm, wie schon die Bundesförderung, auf Räumlichkeiten der sogenannten Kategorie 2 abzielt – also Räume, die nicht ausreichend durch gezielte Fensteröffnung oder durch eine Raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können“, so die Pressesprecherin.

„Ein Großteil der Klassen- und Gemeinschaftsräume der städtischen Schulen ist mit weit zu öffnenden Fenstern oder einer Raumluftanlage ausgestattet, sodass ein stetiger Luftaustausch gewährleistet werden kann (Kat. 1). Diese werden nach wie vor nicht in der Ausstattung gefördert. Dennoch nimmt die Stadt das Förderprogramm zum Anlass, gezielt nochmal alle relevanten Räume zu überprüfen“, kündigt Ramona Eifert an. Eine Gesamtausstattung aller rund 450 Klassenräume würde einen zunächst nur zu schätzenden Gesamtbedarf von circa 3 Millionen Euro bedeuten.

Erzbistum Paderborn stattet seine Schulen aus

Zwei Schulen im Stadtgebiet Arnsberg können bereits mit Beginn des neuen Schuljahres Luftfilteranlagen in den Klassenräumen nutzen. Das Erzbistum Paderborn hat aus Bistumsmitteln an seinen Schulen alle Unterrichtsräume mit leistungsstarken Luftfiltergeräten ausgestattet, darunter auch das Mariengymnasium Arnsberg und das St. Ursula-Gymnasium in Neheim. Entsprechend groß ist dort die Freude, dass so auch Räume, in denen Lüften technisch möglich ist, über ein Luftfiltergerät verfügen. Besonders in einer Zeit mit wieder steigenden Corona-Infektionen würden so Ängste gemindert.

Für „gute Luft“ sorgen am Mariengymnasium unter anderem die neuen Luftfilteranlagen, die das Erzbistum finanziert hat.

In Sundern steht das Thema Luftfilter für den 14. September auf der Tagesordnung der Fachausschussitzung Bildung und Sport. Das städtische Gymnasium Sundern wartet dringend auf die Anlagen für einzelne Räume, wie Schulleiter Martin Barthel im Gespräch mit dem SauerlandKurier berichtet. Insgesamt blickt der Schulleiter jedoch optimistisch auf das neue Schuljahr: „Ich freue mich mit meinem Kollegium auf das neue Schuljahr und hoffe, dass wir weitere Schritte zur Normalität unternehmen können. Natürlich besteht noch die Notwendigkeit für weitere Einschränkungen, aber je mehr Menschen sich daran halten, desto greifbarer werden Lockerungen werden.“

So blicken zwei Schulleiter auf das neue Schuljahr

Insgesamt sieht er seine Schule gut vorbereitet für ein weiteres Schuljahr unter Corona-Bedingungen. Was er sich für das neue Schuljahr wünscht? „Wenig Aufregung und viel Disziplin, damit die pandemiebedingten Einschränkungen zurückgenommen werden können. Wir können das Virus nicht wegdiskutieren, aber konsequentes Befolgen der Hygieneregeln und steigende Impfzahlen werden hoffentlich bald wirken.“

Während die Freude groß sein dürfte, nach den Ferien im Präsenzunterricht die Mitschüler wiederzusehen, bleiben die Auswirkungen des Coronavirus für Schüler und Lehrer auch an den Grundschulen deutlich spürbar: „Wir müssen das Beste aus der Situation machen. Das letzte Schuljahr hat gezeigt: Die Kinder gehen da mit gutem Beispiel voran“, sagt Eva-Maria Tanklage, Schulleiterin der Röhrschule in Hüsten. Auch sie sieht ihre Schule gut vorbereitet: „Wir können flexibel auf Änderungen, die den allgemeinen Schulbetrieb betreffen, reagieren. Etwas sorgenvoll schaue ich jedoch auf geplante Projekte und Feste im Laufe des Schuljahres, die bereits in den letzten eineinhalb Jahren weitgehend abgesagt werden mussten. Hier haben wir leider wenig Einfluss.“

Ganz oben auf ihrer Wunschliste für das neue Schuljahr steht ganz klar: keine weitere Schulschließung. „Aber auch die Abschaffung der Maskenpflicht in den Klassen bei Aufrechterhaltung der regelmäßigen Pooltests ist aus meiner Sicht sehr wünschenswert. Es macht so viel aus, den Kindern ins Gesicht schauen zu können, ihre Mimik und ihren Ausdruck zu sehen. Und für die Kinder wäre es sicher eine Erleichterung.“

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