Sanierung der Rodentelgenkapelle in Bruchhausen auf der Zielgeraden

Außensanierung wird teurer als geplant: Förderverein bittet um Unterstützung

Seit mehreren Monaten läuft inzwischen die Außensanierung der Rodentelgenkapelle – die Kosten sind jetzt deutlich gestiegen.
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Seit mehreren Monaten läuft inzwischen die Außensanierung der Rodentelgenkapelle – die Kosten sind jetzt deutlich gestiegen.

Bruchhausen – Eigentlich befand sich die Sanierung der Bruchhausener Rodentelgenkapelle mit den Fassadenarbeiten bereits auf der Zielgeraden. Doch unter dem Putz der alten Wallfahrtskapelle wurden nun nicht nur größere Schäden als angenommen sichtbar, sondern auch baugeschichtliche Funde, die zuerst wissenschaftlich erfasst werden sollen.

Dass die Kapelle in mehreren Zeitabschnitten erbaut wurde, war dem Förderverein Rodentelgenkapelle bereits klar. Nachdem der Putz im April von der gesamten Außenfassade vorsichtig entfernt wurde, ist dies nun ganz deutlich zu erkennen: alte Bruchsteinmauern auf der einen Seite und Fachwerk und Ziegelsteine auf der anderen Seite zeigen, dass die Kapelle nach dem Teileinsturz mit anderen Materialien wieder aufgebaut wurde.

 „Man baute immer mit dem Material, das gerade verfügbar und finanziell machbar war“, erläutert Norbert Hollmann vom Kirchenvorstand St. Petri. Seit 2009 begleitet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Arbeiten an der Rodentelgenkapelle. So hat LWL-Bauforscher Peter Barthold auch jetzt an mehreren Stellen Proben von Putz und Mörtel zur weiteren Untersuchung entnommen. Darüber hinaus hat der Bauforscher Anzeichen für einen seitlichen Eingang zur Kapelle gefunden – zwei aufeinander liegende Mörtelfugen hatte ihn hier aufmerksam werden lassen. Im Chorraum liefert ein gemauerter Rundbogen Hinweise auf eine weitere Tür. „Hier war früher die Sakristei, ein abgeschlossener Raum an der Kirche“, erläutert Edwin Müller vom Förderverein Rodentelgenkapelle, warum hier durchaus eine zweite Tür gewesen sein könnte.

„Was ist wann und in welchem Zusammenhang passiert?“

„Was ist wann und in welchem Zusammenhang passiert?“, fasst Peter Barthold die spannende Frage seines Fachbereichs zusammen. Zur Bauforschung erläutert er: „Wir werden die Funde hier mit bereits datierten Funden anderer Gebäude abgleichen, um so weitere Informationen, etwa zur zeitlichen Abfolge der Bauabschnitte, zu erhalten.“ 

LWL-Bauforscher Peter Barthold erläutert die Untersuchungen an der Kapelle. Er hat bereits mehrere Putz-Proben entnommen.

Allerdings fanden die Fachleute nicht nur Interessantes für die Bauforschung, sondern auch weitere Schäden unter dem Putz. So sind beispielsweise die Bruchsteine teilweise in einem sehr schlechten Zustand und müssen ausgetauscht, beziehungsweise Löcher mit robustem Kalkstein aufwendig wieder aufgefüllt werden. Am Übergang von Kirchenschiff zu Chorraum wurde ein alter Eichenbalken freigelegt. Neben dem maroden Fundament stellten die Experten außerdem große Löcher durch Schädlingsbefall fest. 

So kann der für die Außensanierung veranschlagte Kostenrahmen von 180.000 Euro nicht eingehalten werden. „Wir haben direkt Kontakt zur unteren Denkmalschutzbehörde und dem LWL aufgenommen, wie wir denkmalgerecht weiter sanieren können. Nach weiteren Gesprächen mit Experten erhielten wir ein neues Kostenangebot über zusätzliche 70.000 Euro für die Erneuerung von Bruchsteinen und Holzbalken“, berichtet Norbert Hollmann. Daraufhin hat der Förderverein erneut die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie der NRW-Stiftung – beides treue Förderer der Kapellensanierung – kontaktiert. Aber auch bei weiterer Unterstützung durch die Stiftungen werde eine noch unbekannte Restsumme für Kirchengemeinde und Förderverein bleiben. 

Norbert Hollmann zeigt die Schäden in den Bruchsteinmauern.

„Wenn die Finanzierung nicht vollständig gesichert ist, wird es wohl einen Baustopp geben“, bedauern die engagierten Mitglieder des Fördervereins, dass die Arbeiten so kurz vor dem Ziel ins Stocken geraten. Ebenfalls bedauerlich: Durch die Corona-Pandemie müssen einige gewinnbringende kulturelle Veranstaltungen in der Rodentelgenkapelle ausfallen. Daher bittet der Förderverein nochmals die Bevölkerung um Unterstützung bei seinem Anliegen, die historische Kapelle für die Zukunft zu sichern.

Hintergrund und weitere Infos

  • Nach einem Teileinsturz durch Hochwasser im Jahr 1458 wurde die Kapelle in Fachwerkweise wieder aufgebaut. Erweiterungen erfolgten im Jahr 1659 und 1666. Eine kleine Sakristei an der Nordseite wurde schließlich 1897 angebaut. 
  • Spenden sind möglich auf folgende Spendenkonten: IBAN DE93 4665 0005 0002 024388 (Sparkasse Arnsberg-Sundern) oder IBAN DE70 4666 0022 1212 8431 00 (Volksbank Sauerland eG) 
  • Im Januar wurde der Förderverein für sein Engagement mit der Bürgermedaille der Stadt Arnsberg ausgezeichnet. 
  • Weitere Informationen zu Sanierung und Historie gibt es auch unter www.rodentelgenkapelle.de

Das Engagement rund um die

Rodentelgenkapelle würdigt die Regionalgruppe Südwestfalen

in der Arbeitsgemeinschaft „Historische Stadt– und Ortskerne in Nordrhein-Westfalen“ übrigens in ihrem Kalender für 2020.

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