Multimediale Ausstellung kombiniert Graphic Novel und App

Mit Tablet und Smartphone auf der Spur des letzten Grafen von Arnsberg

Die Ausstellung „Graf Gottfrieds Vermächtnis“ stellten Fachdienstleiter Peter Kleine, Stadtarchivar Michael Gosmann, App-Entwickler Ingo Männer, Szenograf Thimo Kortmann, Inga Münstermann (Stadtarchiv) und Propst Hubertus Böttcher (v.l.) vor. Fotos: Rebecca Weber

Arnsberg/Hochsauerland. „Es war eine dramatische Entscheidung, die die Region nachhaltig beeinflusst hat. Arnsberg wäre heute keine Regierungsstadt, Südwestfalen und auch NRW wären anders“, sagt Peter Kleine, Fachbereichsleitung Kultur bei der Stadt Arnsberg, mit Blick auf die Übertragung der Grafschaft Arnsberg an das Erzstift Köln vor 650 Jahren. Nur ein einziges Schriftstück existiert heute noch, das diesen Vorgang unmittelbar beurkundet. „Das ist zwar für den Historiker super, für den Betrachter aber eher spröde.“ Mit Hilfe verschiedener szenischer Mittel ist nun die multimediale Ausstellung „Graf Gottfrieds Vermächtnis“ für alle Generationen entstanden, die am Sonntag, 28. Oktober, in Arnsberg eröffnet wird.

Wie erzählt man die Geschichte des letzten Grafen von Arnsberg? Peter Kleine holte dafür Szenograf Thimo Kortmann und den Fachmann für digitale Darstellung, Ingo Männer, mit ins Boot. Maßgeblich beteiligt war natürlich auch das Team des Arnsberger Stadtarchivs. Die Ausstellungsgestaltung folgt schließlich dem medialen Weg des Mittelalters: Das Mittelalter war eine Welt der Bilder, bunt, plakativ, einprägsam. Die Bilder von heute liefert eine moderne Graphic Novel (Anm.: Bildergeschichte). „Dies ist ein sehr guter Weg zum Publikum, um Dinge anschaulich zu machen“, so Kleine und ergänzt: „Die Beteiligten haben sich richtig reingehängt in die historischen Abläufe.“ Entstanden sind unter der Federführung von Thimo Kortmann 80 großformatige Bilder in hellen Farben. „Gar nicht so einfach, das Grafenleben von der Geburt bis zum Tod auf einige Bilder herunterzubrechen“, berichtet Kortmann. Als Illustratorin wurde Laura Bartels aus Stuttgart gewonnen. Ergänzt werden die Bilder außerdem durch thematisch passende Exponate. 

Von der Grafentumba aus dem Kölner Dom erscheint auf Tablet und Smartphone eine 360 Grad-Ansicht.

Mit der Augmented Reality-Brille durch den Schenkungswald

Doch das ist noch längst nicht alles: Die Ausstellung nutzt moderne Techniken der Virtual Reality und der Augmented Reality, um ausgewählte Facetten dieser Zeit erlebbar zu machen. So wandern die Besucher mit Hilfe der Augmented Reality-Brille durch den Wald des 14. Jahrhunderts – den Neheimer Schenkungswald – oder sehen auf dem Tablet, wie sich die Grafschaft entwickelt und der Graf selbst (fast) lebendig wird. Die passende App zur Ausstellung entwickelte Ingo Männer: „Das Konzept der App erweitert die Ausstellung auch auf Orte der ehemaligen Grafschaft. Ist man dort unterwegs, erhält man eine Benachrichtigung und kann sich etwas ansehen.“ Dafür wurden vorher rund 20 kleine Videos und Dokumentationen gedreht und in die App integriert. Diese kann man aber auch von zu Hause aus abrufen. „Das Spannende ist, dass das Erlebnis vor Ort mit den technischen Möglichkeiten von Tablet und Smartphone kombiniert wird“, so der IT-Experte. „Dann fängt der Ort an zu sprechen“, verbildlicht Propst Hubertus Böttcher, der sich sehr angetan von der modernen Darstellungsform der Ausstellung zeigte und das gute Zusammenwirken von Stadt und Kirche bei diesem Projekt betonte. 

Auch die Kindheit von Graf Gottfried bildet die Ausstellung ab, erläutert Propst Böttcher, Ingo Männer und Peter Kleine.

Begleitbuch erscheint zur Eröffnung

Abgerundet wird die Ausstellung durch ein Begleitbuch, das pünktlich zur Eröffnung erscheint. Als sogenanntes „Wendebuch“ enthält es von der einen Seite historische Beiträge und von der anderen die Graphic Novel. Es wird von der Stadt Arnsberg zusammen mit den beiden Heimatbünden Arnsberg und Neheim-Hüsten herausgegeben. Und auch an die Kleinsten ist gedacht: Für sie soll es die Bilder in Schwarz-Weiß als Malbuch geben. „Es ist sicherlich gewagt, neu und experimentell, aber ich glaube, so kann man Geschichte heute erzählen“, bewertete Peter Kleine das Gesamtkonzept. Man müsse sich einfach darauf einlassen.

Hintergrund zur Ausstellung

Die Ausstellung ist vom 30. Oktober bis zum 31. Januar jeweils dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in den Ausstellungsräumen des Stadt- und Landständearchivs (Kloster Wedinghausen) zu sehen. Gruppen können sich mit Terminwünschen an Inga Münstermann (i.muenstermann@arnsberg.de) wenden. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 3 Euro (bis 18 Jahre frei). Um die Ausstellung zu erleben, können die eigenen Endgeräte genutzt werden, vor Ort stehen aber auch Leihgeräte zur Verfügung. Die App wird am Sonntag offiziell freigeschaltet und ist dann in den gängigen App-Stores erhältlich.

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