Grünes Licht im Ausschuss

Kita-Plätze: Bauernhofkindergarten soll Defizit mildern

Die Landkinder auf dem geplanten Bauernhofkindergarten am Tiggeshof in Ainkhausen wissen die Begegnung mit der Natur schon zu schätzen. Am Wochenende hatte die Familie Tigges (hier Mariekatrin Tigges) zur Besichtigung eingeladen. Foto: Frank Albrecht

Arnsberg. Der Ausschuss für Schule, Jugend und Familie hat sich in seiner jüngsten Sitzung in dieser Woche entschieden: Der von der Familie Tigges geplante Ausbau des Hofbetriebes zu einem Bauernhofkindergarten könnte Wirklichkeit werden. Am Wochenende hatte die Familie auf ihren Hof in Ainkhausen eingeladen, um Besuchern aus Elternschaft und Politik das Konzept und die Möglichkeiten auf dem Bauernhof vorzustellen.

Dabei wurde seitens der Eltern großes Interesse signalisiert: Mehr als 40 Eltern bekundeten langfristiges Interesse an der Betreuung ihrer Kinder in der potentiellen Einrichtung, die als Bauernhofkindergarten die erste in NRW sein könnte. Die Inbetriebnahme des Kindergartens soll einen Beitrag zur Minderung des Defizits bei den fehlenden 398 Kindertagesplätzen leisten.

Der Ausschuss hat ferner über das Investitionsprogramm für die Schulen in Arnsberg beraten und abgestimmt. Diskutiert wurde dabei vor allem die Situation der Hauptschule Grimmeschule, in der auch der Ausschuss tagte. Schon in der Vorlage der Verwaltung waren die Mitglieder des Ausschusses darauf vorbereitet worden, dass die Grimmeschule nicht weiter an ihrem Standort in der Schwester-Aicharda-Straße in Neheim bleiben könne. Wegen der erhöhten Anmeldezahlen gebe es zu wenig Unterrichtsräume, ferner sei ein Großteil der alten Räume in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

Nach den Worten der Ausschussvorsitzenden Nicole Jerusalem müsse es aber weiter Ziel sein, die Grimmeschule als einzige Hauptschule in der Stadt Arnsberg zentral zu verlagern. Dazu könnte sich das derzeit leer stehende Gebäude der Petri-Schule in Hüsten eigenen. Nach ersten Berechnungen könnte ein Umzug der kompletten Grimmeschule in die ehemalige Realschule Neheim an der Goethestraße genauso teuer werden wie die favorisierte Verlagerung der Hauptschule in die Räume nach Hüsten. In seinem Votum hat der Ausschuss entschieden, die Verwaltung zu beauftragen, bis zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses die Kosten zu ermitteln und weiter an der Verlagerung der Grimmeschule nach Hüsten zu arbeiten.

Zweifel an der Richtigkeit der Zahlen

Der Ausschuss für Schule, Jugend und Familie hat ebenfalls den Demografiebericht der Verwaltung zur Kenntnis genommen. Schon vor der Diskussion darüber waren Zweifel an der Richtigkeit der erhobenen Zahlen laut geworden. Zudem wurde von einer vermeintlichen Überbewertung der Zahlen gesprochen, es sei sinnvoller direkt auf die Entwicklungen in den Kindergärten zu schauen, hieß es. Der Demografiebericht soll die Schulentwicklungsplanung sowie die Kalkulation der Kinderbetreuungsplätze unterstützen.

Im Zuge der Kenntnisnahme des von der Verwaltung vorgelegten „Masterplans Kindertagesstätten“ hatte der Ausschuss in dieser Woche erstmals offiziell vom Defizit bei der Versorgung mit Kindergartenplätzen erfahren. So fehlen nach Berechnungen der Verwaltung für das Kindergartenjahr 2019/20 in der Kindertagesbetreuung 398 Plätze. Michael John vom Jugendamt der Stadt Arnsberg erklärte, dass der Grad der U3-Betreuung nur bei 29 Prozent liege. „Wir versuchen seit zwei Jahren einen Ausgleich von Plätzen zu bekommen“, so John. Bis 2021 sollen in Arnsberg rund 415 Betreuungsplätze geschaffen, 80 Prozent davon schon bis Ende 2020 erreicht werden. Dazu will sich die Stadt Arnsberg ein Aktionsprogramm zur Personalgewinnung auflegen, das die Kitas zu attraktiven Arbeitsplätzen macht. Nach Worten von Michael John stünde die Stadt Arnsberg im Wettbewerb mit privaten Trägern.

Bei der Diskussion zum „Masterplan Kindertagesstätten“ wurde von Hans Wulf (B 90/Grüne) eine „unseriöse Kommunikation“ angemahnt. So hätten die Zahlen über die Defizite in der Kindertagesbetreuung schon viel eher vorgelegt werden sollen. Andreas Posta von der SPD-Fraktion warf zudem ein, dass die SPD schon längst einen Antrag auf Bekanntgabe genauerer Zahlen gestellt habe.

884.000 Euro investieren

Einstimmig hat der Ausschuss beschlossen, rund 884.000 Euro in die „quantitative Entwicklung der Arnsberger Betreuungslandschaft“ zu stecken. Mit dem Geld, das vor allem aus einem geringeren Anteil bei der Kreisumlage stammt, will die Stadt die Kapazitäten in einigen Arnsberger Kindergärten erhöhen. So sollen in Moosfelde und Unterhüsten so genannte Modul-Kitas entstehen, mit denen zum Kindergartenjahr 2019/20 insgesamt 110 Plätze kurzfristig geschaffen werden könnten. Im Camp Loquet (Stadtteil Neheim) soll es durch den Neubau einer Kita 55 Plätze, in Unterhüsten durch den Neubau einer Kita weitere 35 Plätze geben. Auch im Stadtbruch soll eine neue Kita gebaut werden, die Platz für 55 Kinder schafft. Ferner sollen die Kindertageseinrichtungen in Moosfelde, Herdringen sowie in Müggenberg-Rusch ausgebaut werden. Für den bestehenden Martin-Luther-Kindergarten im Stadtteil Arnsberg ist ein Neubau geplant.

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