Krankheitsausfälle verursachen jährlich Milliardenschäden in Betrieben

"Gesunde Mitarbeiter sind ein Erfolgsfaktor"

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Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer machte die Handwerksbetriebe in Südwestfalen eindringlich auf das Thema „Gesunde Mitarbeiter“ aufmerksam.

Südwestfalen. Ein noch weitgehend unterschätztes Thema in heimischen Betrieben – vor allem in klein- und mittelständischen – ist die Gesundheit der Mitarbeiter. Deutschlandweit gibt es jährlich hohe Milliardenverluste aufgrund krank gemeldeter Angestellter. Um dagegen zu steuern, fand jetzt im bbz in Arnsberg eine Infoveranstaltung für Handwerksbetriebe in Südwestfalen statt.

Beeindruckende und zugleich alarmierende Zahlen brachte der erste Referent des Tages, Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer (NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales), mit. Das Defizit in der Wertschöpfung deutscher Betriebe aufgrund von Mitarbeiterkrankheit liege bei jährlich rund 90 Milliarden Euro. Die Zahl der „arbeitsunfähigen Tage“ sei von 410 Millionen (2010) auf rund 543 Millionen (2014) gestiegen. Immer mehr davon würden psychische Gründe haben. Diese seien außerdem zunehmend ausschlaggebend beim Eintritt in den vorzeitigen Ruhestand vieler Arbeitnehmer. Erschreckend: Der Altersdurchschnitt liege in diesen Fällen bereits bei 51 Jahren.

„Kranke Mitarbeiter gefährden Ihren Unternehmenserfolg“

„Kranke Mitarbeiter gefährden Ihren Unternehmenserfolg“, wandte er sich zusammenfassend an sein Auditorium. Und in Zeiten des fortschreitenden Fachkräftemangels sei ein längerer Ausfall nicht mehr so leicht zu kompensieren, wie es früher einmal möglich war. Bis 2030 sagte der Staatssekretär einen Mangel an Fachkräften von mindestens 650.000 Arbeitnehmern branchenübergreifend voraus. Auch die angekommenen Flüchtlinge könnten diese Lücke nicht füllen. Es brauche Jahre, bis die notwendigen Qualifikationen erreicht würden. „Deshalb müssen wir jetzt unsere Beschäftigten gesund halten“, so Schäffer. Auf Belastungen angesprochen klagten Arbeitnehmer bei Umfragen vor allem über Zeitdruck, Multitasking-Aufgaben und wenig durchdachte Abläufe in den Betrieben. Aber auch physische Belastungen (körperliche, monotone Arbeiten, Lärm) und psychische Belastungen wurden genannt. Auffällig dabei ist, dass über 60-jährige Arbeitnehmer nicht häufiger krank sind, als jüngere Mitarbeiter. „Das müssen wir angehen. Nehmen Sie Mitarbeitergesundheit und Arbeitsschutz ernst“, mahnte Schäffer die Handwerksbetriebe. Ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement könne die Ausfallkosten um bis zu 25 Prozent senken. „Das muss eine Toppriorität in Ihrem Betrieb haben.“ Und dennoch sei jeder dritte Betrieb in NRW auf diesem Feld noch gar nicht tätig geworden, bei Klein- und Mittelständlern liege die Quote bei rund zehn Prozent. Es gebe aber eine Vielzahl kostenloser Info- und Beratungsangebote – beim Land, bei Kammern und Kassen, „nutzen Sie diese“, so Schäffer. (Nähere Infos unter www.mais.nrw/arbeit-gestalten-nrw im Internet). Wer sich dem Thema Gesundheit öffne, werde dies auch in seinem ökonomischen Erfolg merken. Der Staatssekretär übergab nach seinen Ausführungen an BVB-Geschäftsführer Watzke, der Impulse aus dem Spitzensport zum Thema geben sollte. 

BVB-Geschäftsführer Watzke gab Impulse aus dem Spitzensport

Nach einem ausgiebigen Ausflug in die jüngere Wirtschafts- und Markenpolitik des Vereins berichtete er über seine Erfahrung und Meinung zum Thema Mitarbeitergesundheit. Gesunde Mitarbeiter seien eine wesentliche Säule eines Betriebs, und der BVB könne da vor allem auch aus medizinischer Sicht aus dem vollen Schöpfen. Dennoch gelte es, eine gute Mischung aus „Wohlfühloase“ und leistungsorientiertem Arbeiten zu schaffen. Eher schädlich schätzt Watzke die veränderte Kommunikation der Menschen ein. Ein persönliches Gespräch ziehe er der Reizüberflutung aus Smartphone und Internet vor. Außerdem müssten wir von der leidenden, nörgelnden Mentalität ablassen. Sein Vater habe sich von Montag bis Samstag in seinem Handwerksjob gestreckt. Da habe es auch kein Jammern gegeben. Und auch er selbst habe als Geschäftsführer eines börsennotierten Unternehmens wahrlich genug zu tun. „Aber ich mache meinen Job gerne. Da empfinde ich das nicht als Stress“, so Watzke. Wer allerdings schon unmotiviert zu seinem Job gehe, der sollte sich überlegen, ob es denn der richtige sei. Da helfe dann auch alles Umsorgen des Arbeitgebers nichts. Im Anschluss an die Referate kam ein reger Erfahrungsaustausch heimischer Betriebe zum Thema Mitarbeitergesundheit auf. Einige wollen die Veranstaltung nun als Startschuss in ein besseres betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen.

Die Veranstaltung wurde von der Handwerkskammer Südwestfalen, den Kreishandwerkerschaften HSK, MK, Westfalen-Süd sowie Hellweg-Lippe, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, dem NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, dem NRW-Landesinstitut für Arbeitsgestaltung, der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, der IKK sowie Tischler NRW unterstützt.

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