Gab es dort früher weitere Gebäude eines Männerklosters?

Bodenuntersuchungen im Klostergarten Oelinghausen sollen Erkenntnisse liefern

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Die Vertreter von Freundeskreis und Kirchengemeinde sind gespannt, was bei der Bodenuntersuchung im Klostergarten herum kommt: Wolfgang Kasten, Archäologe Torsten Riese, Dr. Günter Bertzen und Bernhard Padberg (v.li.) 

Arnsberg/Oelinghausen – Es ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal für Arnsberg, gleich drei ehemalige Prämonstratenserklöster im Stadtgebiet zählen zu können. Durch vielfältiges Engagement erfahren die alten Gemäuer in den vergangenen Jahren wieder neues Leben. Jüngstes Beispiel: Am Kloster Oelinghausen begannen gestern wissenschaftliche Untersuchungen zur Erforschung eines früheren Männerklosters.

Der Freundeskreis Kloster Oelinghausen möchte hier zusammen mit der Kirchengemeinde St. Petri herausfinden, ob im heutigen Konventgarden früher Gebäude und eventuell sogar ein Kreuzgang existiert haben. „Wir wissen, dass Männer und Frauen hier waren. Wo die Frauen lebten, ist durch den Zugang zur Nonnenempore in der Kirche deutlich zu erkennen. Aber wo waren die Männer?“, erläutert Bernhard Padberg vom Freundeskreis die Fragestellung. 

Verschiedene Indizien, sowohl baulicher als auch schriftlicher Art, liegen den Untersuchungen zu Grunde: So tauchen zum Beispiel in alten Unterlagen Hinweise auf verschiedene Gebäude auf, im Dach des um 1600 errichteten heutigen Klosterbereichs wurden Sparren vermutlich aus der Gründerzeit um 1200 verbaut und auch von außen gibt es an der Kirche Anzeichen für einen Anbau. 

Untersuchung mithilfe eines Bodenradars

Aufschluss soll nun eine Untersuchung mithilfe eines Bodenradars geben: „Die Antenne sendet ein Signal in die Tiefe. Immer wenn man an eine Schichtgrenze kommt, wird das Signal reflektiert“, erläutert Archäologe Torsten Riese, der das Bodenprofil am Display mitverfolgt. Die 3D-Aufzeichnungen des Gerätes können später am Computer weiterverarbeitet und in „horizontale Scheiben“ zerlegt werden, „als würde man mit einem Fahrstuhl in die Tiefe fahren“, verbildlicht Dr. Günter Bertzen, Vorsitzender des Freundeskreises. Eventuell zu findende Mauerreste könnten dann auf Gebäude, Kreuzgang oder beispielsweise eine Zisterne hinweisen. 

Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen und sollen dann mit Grundrissen anderer Klosteranlagen abgeglichen werden. Grabungen sind indes in Oelinghausen nicht vorgesehen, die Dokumentation steht für den Freundeskreis im Vordergrund: „Für das mittelalterliche Bild von Oelinghausen wären die Informationen von enormem Wert“, macht Bernhard Padberg deutlich. Darüber hinaus, so Archäologe Torsten Riese, seien die möglichen Funde im Boden sicher bewahrt, bis es vielleicht in der Zukunft ganz andere Methoden zur weiteren Erforschung gebe. 

Gab es hinter der Klosterkirche früher weitere Gebäude? Der Freundeskreis Oelinghausen will es jetzt herausfinden.

Auch an den anderen beiden Klöstern gibt es Neuigkeiten: Während in Rumbeck erst vor wenigen Wochen ein Wanderweg zur Klosterwirtschaft eröffnet wurde, laufen im Kloster Wedinghausen weiterhin Sanierungsarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt aktuell auf der Dachinstandsetzung der Propsteikirche St. Laurentiurs. Für die Sanierung der Turmspitze überbrachte gestern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) einen weiteren Fördervertrag über 80.000 Euro. 

"Heute noch besondere Anziehungspunkte"

Die drei Arnsberger Klöster sieht Stadtmarketingmanagerin Tatjana Schefers als Besonderheit, auch für das gesamtstädtische Marketing, an: „Arnsberg ist die einzige Stadt Deutschlands mit drei ehemaligen Prämonstratenserklöstern im Stadtgebiet. Die drei Arnsberger Klöster Oelinghausen, Wedinghausen und Rumbeck sind kulturell, architektonisch und historisch unsagbar wertvolle Orte. Ihre religiöse Bedeutung und spirituelle Kraft machen sie auch heute noch zu besonderen Anziehungspunkten, die es gilt, noch stärker in das Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Der Wunsch nach Stille und Entschleunigung wird für die Menschen in unserer Gesellschaft immer stärker. Daher sind die Klöster mit ihrer Bedeutung, ihrer Lage und ihren Angeboten wichtige Elemente, um die vielfältigen Stärken der Stadt Arnsberg deutlich zu machen“, so Schefers. 

Um die Klöster untereinander stärker zu vernetzen und insgesamt mehr in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken, werde es im kommenden Jahr, wenn der Orden der Prämonstratenser sein 900-jähriges Bestehen feiert, ein Event-Wochenende geben.

900 Jahre Orden der Prämonstratenser

2020 feiert der Orden der Prämonstratenser sein 900-jähriges Bestehen. Die drei Klosterstandorte Oelinghausen, Wedinghausen und Rumbeck wollen das Jubiläumsjahr 2020 nutzen, um sich unter der neu geschaffenen Dachmarke „Klosterlandschaft Arnsberg“ mit ihren individuellen Schwerpunkten und Angeboten gemeinsam unter anderem im Rahmen einer Veranstaltung zu präsentieren.
An dem Event-Wochenende Anfang September möchte jeder Standort sein eigenes Profil und seine spezifischen Schwerpunkte mit eigenen Ideen und sowohl weltlichen als auch sakralen Angeboten zeigen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. „Insgesamt ergibt sich so eine vielfältige Präsentation der Arnsberger Klosterlandschaft“, so Tatjana Schefers.

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