„Sehr heftig und dramatisch“

Brand mit drei Todesopfern in Arnsberg fordert Einsatzkräfte physisch und psychisch

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Bis tief in die Nacht waren die Feuerwehrkameraden unter schwerem Atemschutz und mit zwei Drehleitern im Einsatz.

Arnsberg. So traumatisch die Feuer-Tragödie mit drei Toten in Arnsberg für das Umfeld der Opfer sein muss, so belastend ist ein solcher Einsatz auch für die Feuerwehrkameraden. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier berichtet der Leiter der Arnsberger Feuerwehr, Bernd Löhr, wie ein solcher Einsatz die  Einsatzkräfte physisch und psychisch fordert.

„Drei Brandtote – das ist schon sehr heftig und dramatisch“, so der Leiter der Feuerwehr Arnsberg, Bernd Löhr. In über 30 Jahren zähle er keine zehn, nun seien es allein in diesem Jahr im Stadtteil Arnsberg – mit dem Einsatz "auf der Alm" vor vier Wochen – bereits vier. „Und alle am gleichen Standort. Das ist für die Kameraden dort schon sehr belastend.“ 

Die Belastung der Einsatzkräfte vor Ort sei eine zweifache: „Es gibt eben einmal die physischen Anstrengungen, das Atemschutzgerät wiegt schon alleine 17,5 Kilo, hinzu kommt die komplette Schutzausrüstung. Das ist schon einiges, was man als Feuerwehrmann beziehungsweise -frau so mit sich trägt. Dann muss ich noch einen Schlauch hinter mir herziehen, muss ins Obergeschoss, eine Treppe hoch“, beschreibt er die körperlichen Anforderungen, denen die Kameraden gewachsen sein müssen. 

„Keine Schwäche, die Seele zu öffnen“

Aber auch die psychische Belastung, gerade bei einem Einsatz mit Toten, sei keinesfalls zu unterschätzen: „Dass es in diesem Fall drei Tote waren, war ja relativ schnell bestätigt und natürlich schon sehr heftig. Unklar war aber, ob sich noch zwei weitere Personen im Gebäude befinden. Also musste das Haus nochmal abgesucht werden mit Wärmebildkamera und die Zahl der Toten hätte noch steigen können. Durch die Ungewissheit, bei null Sicht auf allen Vieren in das Haus zu kriechen und nicht zu wissen, was einen erwartet, entsteht eine große Anspannung. Dann muss die Leichenbergung erfolgen, das ist schon sehr belastend“, macht Bernd Löhr deutlich. 

Hier lesen Sie alles zur Feuer-Tragödie in Arnsberg

Daher waren für die Betreuung der Einsatzkräfte auch direkt zwei Mitglieder des PSU-Teams im HSK (Psychosoziale Unterstützung) vor Ort. Diese sind zumeist selbst Einsatzkräfte und haben eine Zusatzausbildung in dem Bereich absolviert. „Sie stehen sofort bereit und führen erste Gespräche, als Erstmaßnahme. Die Kollegen können sich dann direkt ein Bild machen, inwieweit jemand angeschlagen ist. In der Regel ist es so, dass es im Anschluss an den Einsatz ein Gruppengespräch gibt und teilweise auch danach noch Einzelgespräche.“ 

Der Leiter der Arnsberger Feuerwehr, Bernd Löhr.

Falls es nötig ist, verweisen die PSU-Kräfte dann weiter an Ärzte oder Fachleute, da sie selbst ja keine ausgebildeten Psychologen sind. Dass jemand nach einem schweren Einsatz länger in Behandlung gewesen sei, sei in Arnsberg aber laut Wehrführung zum Glück noch nicht vorgekommen. In jedem Fall sei es wichtig, dass es die Möglichkeit der Gespräche mit Unabhängigen gebe und diese auch genutzt würde: „Es soll keinem als Schwäche ausgelegt werden, da seine Seele zu öffnen. Die Akzeptanz hat sich in den vergangenen Jahren da auch verbessert.“ 

Wie wappnet man sich für solche Einsätze?

Doch wie wappnet man sich für einen solch emotional aufwühlenden Einsatz? „Wir versuchen das natürlich in der Ausbildung zu vermitteln, aber das ist in der Theorie immer anders als in der Praxis. Es gibt eine Riesenspanne an dramatischen Situationen, das kann eine hohe Anzahl von Toten sein, kann aber auch ein verstorbener Säugling sein. Oder ich komme zum Einsatzort und finde dort jemanden vor, den ich kenne. Das kann ja hier in der ländlichen Region durchaus vorkommen. Diese Szenarien in der Theorie rüberzubringen ist schon schwierig“, verdeutlicht der Leiter der Feuerwehr, der gleichzeitig auch noch einmal in Erinnerung ruft, dass das Engagement in der Feuerwehr für einen Großteil der Kräfte im Stadtgebiet Arnsberg ein Hobby ist. „Aber es ist eben kein Hobby wie jedes andere. Wir machen eine Ausbildung, müssen regelmäßig fortgebildet werden und wissen nicht was wann auf uns zu kommt.“ 

Das Feuer in Arnsberg wurde um 1 Uhr in der Nacht als gelöscht gemeldet. Am Donnerstag wurden Fahrzeuge und Ausrüstung gereinigt, geprüft und für den nächsten Einsatz vorbereitet. Das Erlebte wirkt für die Einsatzkräfte aber wohl noch deutlich länger nach.

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