Heimischer Züchter begrüßt Würdigung der „Renner der Lüfte“

Brieftaubenwesen ist jetzt immaterielles Kulturerbe in NRW

Seine Taubenzucht ist für Friedhelm Bette aus Holzen Hobby und Leidenschaft zugleich.

Hüsten/Holzen. Das Brieftaubenwesen zählt jetzt zum immateriellen Kulturerbe des Landes Nordrhein-Westfalen. Es umfasst die Brieftaubenhaltung und Zucht sowie Wettbewerbe im Hinblick auf Distanzflug und Schönheit und wurde von einer Jury aus verschiedenen Bewerbungen ausgewählt, so das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW.

Seinen Ursprung hat der Taubensport laut dem Verband Deutscher Brieftaubenzüchter um 1834 in Aachen. Bereits im 19. Jahrhundert wuchs die Zahl der Vereine, 1883 kam es zur Gründung des „Verbandes Deutscher Brieftaubenliebhaber-Vereine“. Übernahmen die „Renner der Lüfte“ ab 1901 militärische Flugaufgaben als Brief- und Botentauben, ging es später verstärkt um sportliche Aspekte und Liebhaberei. So richtete der Verband beispielsweise mehrfach eine Brieftauben-Olympiade aus.

Friedhelm Bette aus Holzen ist Vorsitzender des Taubenzuchtvereins „Heimkehr Hüsten“ und bereits seit über 40 Jahren als begeisterter Taubenzüchter aktiv ist. „Wir als Halter und Züchter begrüßen die Bemühungen unseres Verbandes, die Taubenzucht derart aufzuwerten.“ Bereits seit 1972 hat er sich – damals noch in seinem Heimatdorf Sieveringen in der Gemeinde Ense – dieser Liebhaberei mit den Brieftauben hingegeben. Nach seinem Umzug nach Holzen wurde an seinem Haus 1989 gleich ein eigener Taubenschlag eingerichtet, mit dem sich der ehemalige Polizeibeamte jetzt im Ruhestand täglich beschäftigt.

Wenig Interesse der Jugend beklagt

Schon in der Frühe wird gefüttert und bis zum späten Abend lässt er seine Tauben nicht aus den Augen. Diese ständige Betreuung hat ihm natürlich schon etliche Preise eingebracht und oft konnten seine Brieftauben schon in Hüsten auf der Tierschau mit dem Kirmessiegertitel „heimfliegen.“ Schon seit 2004 gehörte Friedhelm Bette dem Vorstand an, seit 2014 ist er Vorsitzender. Damals gehörte der Taubenverein noch der Neheim-Hüstener Reisevereinigung an, nach deren Auflösung sich die Hüstener den Mendener Taubenzüchtern angeschlossen haben. In dieser Reisevereinigung bekleidet Friedhelm Bette zurzeit das Amt des zweiten Geschäftsführers.

Im Blick auf den allgemeinen Züchternachwuchs bedauert Friedhelm Bette, dass das Interesse der Jugend „dünn gesät ist“. In seinem Verein „Heimkehr Hüsten“ sei allerdings ein leichter Aufwind spürbar, denn mittlerweile seien wieder neun Züchter aktiv, bei denen einige hundert Tauben in den Schlägen „gurren“.

Zurzeit werden die „Renner der Lüfte“ für die ersten Trainingsflüge aufgelassen. Ende April werden dann die Taubenschläge wieder für die Wettflüge geöffnet.

Das Land NRW hat das Brieftaubenwesen nun auch für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nominiert.

Hintergrund

Rheinischer Karneval und das Schützenwesen sind bereits im Landesinventar eingetragen.

Zusammen mit dem Brieftaubenwesen kam jetzt auch die Martinstradition mit hinzu.

Das Landesinventar wurde eingerichtet, um die Sichtbarkeit der kulturellen Vielfalt zu verbessern und nicht zuletzt dadurch auch das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung im Land zu stärken, so das Ministerium für Kultur und Wissenschaft.

Hintergrund der Anfertigung der Verzeichnisse auf Landes- und auf Bundesebene ist die Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, dem die Bundesrepublik Deutschland 2013 beigetreten ist.

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