„Viel Fleiß – kein Preis?“ in Arnsberg

Was bringt Frauen in Führungspositionen? Zonta Club diskutiert mit Karriereberater

Zonta-Präsidentin Dr. Raphaela Czech-Schneider (li.) und Katja Cramer vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerland freuten sich über den Besuch von Karriereberater Martin Wehrle. Foto: Frank Albrecht

Arnsberg/Hochsauerland. Was bringt Frauen in Führungspositionen – und was nicht? Wo liegen die Hindernisse für Frauen auf dem Weg an die Spitze von Unternehmen? Und: Welchen Anteil haben die Männer daran? Diesen und anderen Fragen widmete sich Donnerstagabend eine Informations- und Diskussionsveranstaltung von „Zonta“ in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Hochsauerlandkreis und dem „Kompetenzzentrum Frau & Beruf Hellweg-Hochsauerland“ in der Aula des Mariengymnasiums Arnsberg.

Zum Titel „Viel Fleiß – kein Preis? – Wie Führungskultur auf die Beteiligten wirkt“ referierte der Karriereberater Martin Wehrle vor rund 185 Gästen, Mitgliedern und Förderern von Zonta sowie Vertretern der als familienfreundlich zertifizierten Unternehmen. Zonta-Präsidentin Dr. Raphaela Czech-Schneider begrüßte die Gäste aus dem ganzen Sauerland in Arnsberg und stieg auch sofort ins Thema ein. Es sei die Logik der Moderne, dass sich die Stellung der Frau nicht mehr durch Heirat definiere. 

„Die Arbeitswelt ist ein Ort anhaltender Geschlechterungleichheit“, so Dr. Czech-Schneider kritisch. Nach dem Gender-Report würde es noch über 200 Jahre dauern bis Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Führungspositionen einkehre. Größtes Hindernis für die Gleichstellung seien die Stereotypen in der Wahrnehmung der Unterschiedlichkeit. Für das „Kompetenzzentrum Frau & Beruf Hellweg-Hochsauerland“ führte die Projektleiterin Katja Cramer in das komplexe Thema ein. Cramer lobte die Idee von Zonta, sich diesem Thema zu widmen. „Führung ist konservativ und in männlicher Hand, Frauen sind vor allem für die Familie zuständig“, fasst Cramer das Problem zusammen. 

Deshalb sei es wichtig, Rahmenbedingungen für die Gleichheit in Unternehmen zu schaffen. Die positiven Beispiele im HSK würden einmal jährlich mit dem Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“ (FFU) ausgezeichnet. Katja Cramer sagte, dass es im Kreis schon 59 Unternehmen mit der Auszeichnung geben. „Es besteht aber noch Luft nach oben“, so Kramer. 

"Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!"

Satirisch, bissig, aber auf jeden Fall unterhaltsam nahm sich im Anschluss der Referent des Abends das Thema vor. Karriereberater Martin Wehrle nutze dabei eine Kombination aus Erzählungen und Berichten aus seinem beruflichen Alltag, las zugleich aber auch Passagen aus seinem Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!“ vor. An den weiblichen Teil seiner Zuhörer gerichtet, formulierte er auch gleich das Ziel seines Vortrages. „Sie sollen im Anschluss auf Ihrem Stuhl Alarm schlagen“, so Wehrle. Er gab aber auch zu, dass es durchaus schwierig sei, den eigenen Anspruch in die Realität umzusetzen. Und dafür konnte Referent Wehrle für die Dauer von mehr als zwei Stunden eine ganz Reihe von Gründen aufzeigen. Ein Teil liege in den Frauen selbst begründet – sie seien oft nicht nur unsicherer in ihrer eigenen Beurteilung, sie würden auch weniger lange reden als Männer. 

Bewusstsein für Ungerechtigkeiten entwickeln

Dazu komme die von Männern dominierte Führungsstruktur in vielen Unternehmen. „Sie müssen das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten entwickeln um Handeln zu können“, so Wehrle. Und in längeren Passagen aus seinem Buch trug der Referent und Autor die Geschichte der Führungskraft Herr Müller vor, der sich über Nacht zu einer Frau verwandelt hat. Wehrle schilderte die Erlebnisse von der plötzlichen „Frau Müller“, und auf vielen Plätzen in der Aula gab es zustimmendes Kopfnicken zu sehen. Anwesenden Führungskräften gab Wehrle mit auf den Weg, bei Vorstellungsgesprächen mit Frauen konkreter nachzufassen und die vorhandenen „Goldkörner“ aufzuspüren. 

Für Unternehmen sei eine Geschlechtermischung in der Führung übrigens stets von Vorteil, könnten doch Frauen und Männer ihre Stärken für das Unternehmen einbringen. Immer wieder bezog Martin Wehrle sein Publikum in den Vortrag mit ein und stellte Fragen zur Einschätzung von Sachlagen. So erfuhren die Anwesenden nicht nur, dass es nur vier Prozent Frauen in Führungspositionen gibt, sondern unter anderem auch, dass Attraktivität und Intelligenz von Bewerberinnen nicht unbedingt zusammenhängen. Wehrle führte seinen Zuhörern – und natürlich auch Zuhörerinnen – die harten Fakten aus Unternehmen vor Augen. „Beim Einsatz dort zählen nur die Ergebnisse“, so Wehrle. 

Die Gesellschaft sei aber schon auf einem guten Weg. So hätten Untersuchungen in den USA gezeigt, dass sich der Anteil von Frauen in Unternehmen positiv auf deren Eigenkapitalquote auswirke. Was auch immer Frauen auf dem Weg zu einer oder in Führungspositionen begegne, sie sollten stets mit gleichen Waffen kämpfen, riet der Autor. Besser noch sei es, die vorhandenen Statusregeln in Unternehmen abzubauen. „Wir brauchen weniger Machtspiele und mehr Kollegialität“, so Wehrle zum Abschluss seines Vortrages, der dann von den Anwesenden noch eifrig diskutiert wurde.

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