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Bürger wehrten sich: Eigentümer erteilt Land Absage zur Flüchtlingsunterkunft

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Das ehemalige Kloster in Oeventrop wird keine Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes, der Eigentümer erteilte dem Land eine Absage.
Das ehemalige Kloster in Oeventrop wird keine Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes, der Eigentümer erteilte dem Land eine Absage. © Weber, Rebecca

Es war eine Wendung, mit der so zwischenzeitlich wohl nur wenige gerechnet hatten: Mitten in der Bürger-Infoveranstaltung zu einer möglichen Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Geflüchtete im ehemaligen Kloster Oeventrop machte der Eigentümer der Immobilie einen Rückzieher, das Kloster stehe nicht mehr als Option für das Land zur Verfügung.

Oeventrop – Doch von Anfang an: Wie berichtet muss das Land aufgrund der weiter steigenden Anzahl an Asylsuchenden zusätzliche Plätze zur Unterbringung schaffen. Dies unterstrich am Montagabend auch Fachbereichsleiter Dr. Andreas Hohlfeld von der Bezirksregierung Arnsberg vor rund 850 Oeventropern, die zur Infoveranstaltung zur Ruhrtalhalle gekommen waren - 750 in der Halle und weitere 100 am Bildschirm vor dem Gebäude. Die Behörde suche im Auftrag des Landes an verschiedenen Standorten nach geeigneten Immobilien. Auch das Dorint-Hotel in Neheim wurde als möglicher Standort betrachtet, bevor nun das ehemalige Kloster Oeventrop in den Blick rückte.

Eine Belegung mit bis zu 450 Personen ab Sommer 2024 sei seitens der Bezirksregierung für den Standort geplant. Es gebe Betreuungs- und Sicherheitsdienstleister, sodass rund um die Uhr jemand vor Ort sei, erläuterten die Verantwortlichen der Bezirksregierung. Zudem gebe es in den Einrichtungen erste integrative Ansätze für Kinder und Erwachsene, die Möglichkeit zur gemeinnützigen Arbeit, gern mit Vernetzung in örtliche Vereine. Mit dem Eigentümer sei über einen Mietzeitraum von fünf Jahren gesprochen worden.

Der Oeventroper Christoph Kraas hatte das im Jahr 1902 erbaute Gebäude 2021 gekauft, mit dem Ziel, dort in einem Teil betreutes Wohnen und in einem anderen Teil Generationen-Wohnen zu ermöglichen. Als das Land nun im Frühjahr mit der Anfrage an ihn herantrat, habe er auch eine Chance für den Ort gesehen, schilderte Kraas, der mit Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum begrüßt wurde. So habe er den Ort an den Mieteinnahmen beteiligen und Anteile zweckgebunden für das Dorf und Vereine zur Verfügung stellen wollen. Er könne die Sorgen und Ängste der Bürger nachvollziehen, jedoch sei auch die menschliche Dimension der Flüchtlingssituation nicht zu vergessen. Aber er machte deutlich: „Ich werde das nicht ohne euch entscheiden.“

Dies war Wasser auf die Mühlen einiger Teilnehmer: Unter Berufung auf die lange Unterschriftenliste gegen die ZUE solle er sich jetzt direkt gegen das Projekt entscheiden, so die Forderung. Denn es waren viele Fragen, Sorgen und Ängste, die den Oeventropern unter den Nägeln brannten. „Was, wenn im Laufe der Zeit doch mehr als 450 Menschen hier untergebracht werden sollen?“; „Mit einer ZUE geht steigende Kriminalität einher“; „Wir nehmen unseren Kindern und Jugendlichen Lebensqualität“ waren nur einige der Äußerungen der Teilnehmer. Auch eine Verteilung der Geflüchteten auf mehrere kleinere Standorte wurde vorgeschlagen.

Während die Vertreter der Bezirksregierung noch auf einzelne Fragen eingingen und versuchten zu beschwichtigen, griff Christoph Kraas plötzlich zum Mikrophon und verkündete: „Das Projekt ist für mich vom Tisch.“ Tosender Applaus und zahlreiche Gratulationen und Dankesworte zu dieser Entscheidung waren die Folge. Im Kurier-Gespräch sagte der Eigentümer schließlich: „Ich bin Oeventroper mit Herz und Seele, dieses Dafür und Dagegen spaltet den Ort“, erklärte er, dass er durch das Stimmungsbild in der Halle und die teils schwammigen Aussagen des Landes zu dieser Entscheidung gekommen sei. „Ohne die Akzeptanz des Ortes mache ich das nicht, das habe ich von vornherein gesagt. Die Resonanz jetzt zeigt mir, dass Geld allein nicht alles und die Entscheidung goldrichtig ist.“ Dennoch nahm er die Oeventroper auch etwas in die Pflicht, etwa was die Unterstützung und positive Kommunikation hinsichtlich der 30 Baugrundstücke auf dem Klostergelände angehe, die demnächst in den Verkauf gehen sollen.

Während für das Land NRW und die Bezirksregierung Arnsberg die Suche nach einem geeigneten Standort für eine Unterbringungseinrichtung nun weitergeht, will Christoph Kraas seine ursprünglichen Ziele für das ehemalige Kloster weiter verfolgen: „Der Brandteil des Gebäudes ist gerettet und das Dach neu gedeckt. Der weitere Umbau soll noch in diesem Jahr beginnen.“

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