Einbußen durch Corona

Betriebe vor dem "sicheren Ruin": Arnsberger Erklärung fordert weiteren Rettungsschirm für Gastgewerbe

Seit der Wiedereröffnung ihrer Betriebe haben die Gastronomen große Anstrengungen unternommen, um Gastlichkeit, Service und Präventionsvorschriften unter einen Hut zu bringen.
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Seit der Wiedereröffnung ihrer Betriebe haben die Gastronomen große Anstrengungen unternommen, um Gastlichkeit, Service und Präventionsvorschriften unter einen Hut zu bringen.

Arnsberg/Sundern – Leere Stühle in den Restaurants, stornierte Reisen, verwaiste Hotelzimmer – die Coronakrise hat das Hotel- und Gastgewerbe auch in der Region schwer getroffen. Mit den mittlerweile geltenden Lockerungen zu Aufenthalten in Lokalen und Übernachtungsbetrieben gibt es zwar erste positive Entwicklungen, die Einbußen der vergangenen Wochen können aber nicht so einfach aufgefangen werden.

„Die meisten unserer Gastronomen können im Moment einen Umsatz erwirtschaften, der bei 25 bis 35 Prozent des Üblichen liegt – bei fast gleichen Kosten bedeutet das für viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Kürze den sicheren Ruin“, macht Dr. Wolfgang Henke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Westfalen, deutlich.

„Betriebsschließungen können wir uns in Arnsberg nicht leisten“, bringt es Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner auf den Punkt. Für ihn ist eine vielfältige Gastronomie ein Garant für ein lebendiges Miteinander in den Städten. Daher hat Bittner am Donnerstag die „Arnsberger Erklärung“ für das Gastgewerbe unterzeichnet, mit der ein zweiter Rettungsschirm und bundesweite Solidarität für die Gastgeber gefordert wird. 

Zur Notwendigkeit dieser Unterstützung heißt es in der Erklärung: „Die absolut notwendigen Hygiene- und Präventionsvorschriften, die zur Eindämmung und Überwindung der Pandemie besonders intensiv für diese Branche bestehen, dürfen von niemandem in Frage gestellt werden und müssen kompromisslos eingehalten werden. Gleichwohl belasten und hemmen sie die Umsatzentwicklung des Gastronomiegewerbes immens, und das, obwohl die Inhaber seit Wiedereröffnung ihrer Betriebe vor wenigen Tagen gemeinsam mit ihrem Personal unglaubliche Anstrengung unternehmen, um unter schwierigsten Bedingungen Gastlichkeit, Service und Präventionsvorschriften unter einen Hut zu bringen.“ 

Bürgermeister Ralf Paul Bittner unterzeichnete im Beisein von Hans-Dietmar Wosberg (li.) und Dr. Wolfgang Henke (beide Dehoga) die „Arnsberger Erklärung“.

„Neben den Abstandsgeboten und Kontaktbeschränkungen macht vielen Betrieben auch das Veranstaltungsverbot zu schaffen“, so Hans-Dietmar Wosberg, Präsident Dehoga Westfalen. „Nicht wenige Gastronomen, Hoteliers und nicht zuletzt die Caterer generieren einen großen Teil ihres Umsatzes über Familienfeiern und Firmenveranstaltungen – diese Umsätze sind seit März komplett weggebrochen und auch auf lange Sicht nicht zu erwarten“, so der gelernte Küchenmeister.

Nachfrage steigt allmählich wieder

Was die Übernachtungen im Stadtgebiet Arnsberg angeht, so beobachtet Tourismusmanagerin Annette Baumeister vom Verkehrsverein Arnsberg allmählich wieder eine steigende Nachfrage, „wenn auch sicher nicht auf dem extrem guten Niveau wie vor der Coronakrise“, so Baumeister. „Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Leute wieder raus wollen und in diesem Jahr auch stärker den Urlaub im eigenen Land in Betracht ziehen. Dafür hat das Sauerland mit seinen Seen, Wäldern, Wander- und Radwegen natürlich viel zu bieten.“ 

Diese Vorzüge der Region arbeitet der Sauerland Tourismus aktuell in der Kampagne „#sauerlandcalling“ heraus, die unter anderem Tages- und Übernachtungsgästen Inspiration für Ausflüge abseits der bekannten Hot-Spots bieten soll. Um diese und weitere Überlegungen zur Wiederbelebung von Gastronomie und Tourismus in Arnsberg geht es am kommenden Dienstag auch im Bezirksausschuss Arnsberg. Um die Förderung des Wohnmobiltourismus soll es dabei ebenfalls gehen.

Denn dass Campingurlaub gerade angesichts der derzeitigen Situation boomt, unterstreicht auch die Sorpesee GmbH im benachbarten Sundern.

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