"Mit Herz und Kopf für die Gesellschaft" – Jugendstiftung wird gegründet

Bürgerstiftung Arnsberg feiert zehnjähriges Bestehen

Vorstand und Stiftungsrat freuten sich mit Geschäftsführerin Petra Schmitz-Hermes, Dr. Brigitte Mohn und Hans-Josef Vogel über ein eindrucksvolles Jubiläum.

Arnsberg. Bürgerstiftungen sind bedeutende Zeichen lebendiger Demokratie und heute wichtiger denn je. Sie sind eine Antwort auf die Globalisierung, auf grenzenlosen Egoismus und leisten einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der jungen Generation. Dies betonten Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, und Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel auf der Feier zum zehnjährigen Jubiläum der Arnsberger Bürgerstiftung.

„Wir dienen der Gesellschaft. Bürgerstiftungen wie die Arnsberger sorgen für das geborgene Zuhause vieler Menschen“, sagte Dr. Brigitte Mohn vor 120 Gästen im Campus der Stadtwerke. „Es geht um die Übernahme von Verantwortung für das Wohl aller.“ Dabei sei viel Herzblut zu spüren, meinte sie. Aber auch das „Management“ der Wirtschaft gehöre dazu. „Es ist ein Privileg, mit Herz und Kopf etwas für die Gesellschaft gestalten zu dürfen. Dieses Engagement trägt zur Stärkung der Demokratie bei. Dies ist eine Kernaufgabe der Zukunft.“

Für Bürgermeister Vogel ist die Stärkung der Bürgergesellschaft ein damit zusammenhängendes Kriterium. „Dabei sind Bürgerstiftungen eine wichtige Antriebskraft der zivilen Gesellschaft“, erklärte Vogel. „Wir machen hier vor Ort unser Ding. Die großen Herausforderungen wie beispielsweise die Globalisierung werden erst vor Ort konkret und gestaltbar. Die Vielfalt der Lebensentwürfe ist vor Ort sichtbar und muss hier gestaltet werden.“ Gemeinsam sei man stark, so Vogel. „Die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Bürgerschaft und Verwaltung ist eine wichtige Plattform. Hier kann man gemeinsam anpacken.“ Vogel machte zudem deutlich, dass es dabei auch um die „Gestaltungsfähigkeit der Städte“ gehe. Die Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit der Kommunen seien daher von zentraler Bedeutung. Der Staat könne nicht alles zentral steuern.

"Der Jugend eine Stimme geben"

Wie ein roter Faden zog sich das Thema „junge Generation“ durch die niveau- und stilvolle Jubiläumsfeier. „Wir müssen die jungen Menschen mitnehmen und ihre Potenziale fördern. Dabei geht es auch um die Kernelemente einer Bürgergesellschaft, die wieder zum Tragen kommen müssen“, meinte Dr. Mohn. „Wir müssen die Jugend für unsere Gesellschaft begeistern und neue Wege gehen.“ Andreas Bremke, Vorstandsvorsitzender der Arnsberger Bürgerstiftung, brachte es auf den Punkt: „Wir müssen der Jugend eine Stimme geben. Sie muss die Gesellschaft aktiv mitgestalten.“ Daher soll die junge Generation stärker ins Boot geholt werden. „Dies soll mit der Gründung einer Jugendbürgerstiftung geschehen. Sie soll selbstständig Projekte für die junge Generation auswählen und entwickeln sowie an anderen Projekten mitarbeiten.“ Projektleiterin wird Johanna Kraft aus Müschede. Die 26-jährige Event-Managerin kehrte nach ihrem Studium in Köln ins Sauerland zurück und freut sich auf ihre neue Aufgabe: „Ich finde es wichtig, jungen Menschen ein Sprachrohr für ihre Ideen und Wünsche zu geben“, sagte sie. In den kommenden Wochen will sie andere junge Menschen ansprechen und für das „spannende und zukunftsträchtige“ Projekt begeistern. Mit der Gründung der Jugendbürgerstiftung soll die erfolgreiche Arbeit der Arnsberger Bürgerstiftung auch in Zukunft fortgesetzt werden.

150 Projekte gefördert

Dass die Stiftung in den zehn Jahren seit ihrer Gründung erfolgreich war, machte Bremke („Es geht um Anstiften zum Stiften für einen guten Zweck“) mit eindrucksvollen Zahlen deutlich. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung durch elf Stifter rund 150 Projekte mit insgesamt 1,1 Millionen Euro gefördert. Sie belegt in Deutschland Platz 24 unter den 400 Bürgerstiftungen. In NRW ist das Rang neun von 112. Das Stiftungskapital ist seit 2007 von 2 auf derzeit 2,8 Millionen Euro gestiegen. „Die 1,1 Millionen Euro an Fördergeldern sind direkt aus der Bürgerstiftung in die Projekte geflossen“, betonte Bremke. „Durch diesen finanziellen Anstoß und Anschub sind aber durch andere Partner weitere 3,5 Millionen Fördermittel für die Projekte akquiriert worden.“

Weitere Paten gesucht

Die momentane Niedrigzinsphase erfordert, dass die Stiftung vermehrt auf Spenden setzt. Eine wichtige Maßnahme in diesem Zusammenhang ist die Einführung von Gold-, Silber und Bronzepaten. Diese spenden zwischen 500 und 3000 Euro pro Jahr.

Laut Satzung will die Bürgerstiftung Arnsberger zur Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen. Das gilt auch für die musikalische Ausbildung und die Berufsvorbereitung. Fördermittel fließen auch in den kulturhistorischen Bereich und die Heimatpflege.

Ein Leuchtturmprojekt ist ProBe (Pro Berufsorientierung). Es wurde 2008 von der Bürgerstiftung initiiert. Das Programm bereitet Jugendliche an Haupt- und Förderschulen zielgerichtet und praxisnah auf den Berufseinstieg vor. Bisher haben knapp 1600 Schüler daran teilgenommen. ProBe soll auch auf die beiden Sekundarschulen ausgeweitet werden. Unternehmen können seit diesem Jahr auch Patenschaften für die Jugendlichen übernehmen.

Arnsbergs Helden ist ein weiteres Top-Projekt. Der Ideenwettbewerb für Kinder und Jugendliche hat weite Kreise gezogen. Die Bürgerstiftung wurde für Arnsbergs Helden mit dem Förderpreis „Aktive Bürgerschaft“ ausgezeichnet.

Großen Anklang findet auch der Lichtturm für Arnsberg. Durch den Umbau des Limps-turms an der Bergstraße in einen Lichtturm („Camera Obscura“) hat Arnsberg einen neuen touristischen Magneten erhalten.

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