„Die Freude ist riesengroß, bald wieder durchstarten zu können“

Hoffnung auf bessere Zeiten – Zwangspause wegen Corona: Chöre werden kreativ

Chorprobe Singen starten
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Gemeinsames Singen war lange Zeit nicht möglich: Allmählich starten die Chöre mit ihren Proben im Freien mit Abstand.

Für die heimischen Chöre war und ist die Coronazeit eine stille Zeit. Da wo sonst in den Probenräumen die verschiedenen Stimmen ihre Stücke einüben, die Chorleiter auch einmal die schwierigen Passagen vorsingen und womöglich das nächste Konzert schon vor der Tür steht, da herrscht seit zu langer Zeit eine fast schon traurige Stille. 

Arnsberg/Sundern – Aber bei allen, die einem Chor angehören und gefragt werden, wie das denn mit der Hoffnung auf bessere Zeiten ist, in der die Stimme wieder gefordert und gefördert wird, klingt die Begeisterung durch, bald wieder singen zu können.

Die Kreischorverbandsvorsitzende Nicole Kupitz hat den Überblick über die dem Chorverband angeschlossenen Chöre.

„Es ist kein gemeinsames Singen“

„Die meisten Chöre haben in dieser Zeit überhaupt nicht geprobt. Einige wenige haben es digital versucht, aber das gestaltet sich in der Umsetzung meist sehr schwierig. Man bekommt den Gesang der einzelnen Stimmen nicht übereinander. Es ist kein gemeinsames Singen. Manche Chorleiter haben die Stücke eingesungen und Noten und Texte zur Verfügung gestellt. Dies kann über eine App oder bei YouTube abgerufen werden. Oder man hat sich über Zoom getroffen, um den Zusammenhalt zu fördern.“ Nicole Kupitz betont, dass die Chöre und ihre Chorleiter in dieser Zeit sehr kreativ seien. „So werden zum Beispiel den Sängern Noten nach Hause gebracht oder es werden Briefe geschrieben mit einem aufmunternden Text: ,Haltet durch!’“

Genau dies bestätigt auch Franz Wienecke, Erster Vorsitzender des MGV Westfalia Langscheid. „Wir haben einiges getan, um unsere Sänger immer wieder anzusprechen und zu ermutigen.“ Aufmunternde Worte und Informationen in Briefform waren bei den Sängern sehr willkommen. „Im August 2020 haben wir uns auf einem Hof in der Nähe zu einem kleinen Umtrunk getroffen. Natürlich haben wir alle Corona-Regeln eingehalten. Aber es waren alle froh, sich wiederzusehen. Im Oktober gab es für den Männergesangverein drei Chorproben. Circa 60 Prozent der Sänger waren anwesend. Aber schon bei der zweiten Probe hatten wir kein gutes Gefühl mehr. Die dritte haben wir noch abgehalten und danach war Schluss,“ erinnert sich der Erste Vorsitzende.

„Ein Chorsingen gelingt digital nur sehr schwer“

Im Frühjahr 2021 habe es dann über Zoom eine Notenschulung gegeben mit jeweils 14 bis 18 Teilnehmern. „Wir haben auch digital geprobt. Der Chorleiter hat vorgesungen und jeder zu Hause hat dann für sich gesungen. Die Mikrofone waren aus. Ein Chorsingen gelingt digital nur sehr schwer. Die Verzögerungen zueinander sind das Hindernis. Es kommt kein Chorklang dabei heraus,“ ist auch die Meinung von Franz Wienecke.

Ähnlich äußert sich Dr. Peter Sölken. Er ist Leiter des Männerchors Arnsberg und des Jungen Kammerchors. „Man will mit anderen Musik machen. Es ist ja nicht der Sinn eines Chores, zu Hause zu sitzen und alleine zu singen,“ erklärt Chorleiter Sölken. Aber dies blieb auch seinen Chören nicht erspart. Das Prozedere des Singens auf digitalem Weg war auch hier die einzige Möglichkeit. „Im großen Raum bei Zoom haben sich die Sänger getroffen, der Chorleiter hat vorgesungen, dann ging es in die einzelnen kleinen Räume.“ Wohlgemerkt immer bei Zoom. „Ich habe auch mit einzelnen Stimmen geprobt und wer mochte, konnte das Erlernte alleine vorsingen.“

Mir fehlt die Gemeinschaft, genau wie allen anderen. Es kommt auf den Zusammenhalt an.

Chorleiter Peter Sölken

An Weihnachten habe das Singen natürlich besonders gefehlt. „Die Stimmung war bei allen gedrückt“, erzählt Peter Sölken. „Aus den vergangenen Weihnachtskonzerten haben wir ein Konzert gemacht und übertragen. Manche Sänger haben sogar in Chorkleidung vor dem Bildschirm gesessen, einfach des besonderen Gefühls wegen. Sie haben mitgesungen und fühlten sich so in den Chor versetzt. Es war ein digitales Chorevent.“ Wie er sich als Chorleiter in dieser Zeit fühlt – „Mir fehlt die Gemeinschaft, genau wie allen anderen. Es kommt auf den Zusammenhalt an.“

Kinderchöre

Zuletzt kommt Peter Sölken noch auf die Kinderchöre zu sprechen, die von Nicole Hesse geleitet werden: „Die Kinder im Grundschulalter proben schon seit zwei Wochen wieder draußen. Für die ganz Kleinen im Kindergartenalter wird es wohl einen Neustart geben. Für die Kinder war die Zeit gefühlt noch länger und da ist ein Neuanfang wohl der bessere Einstand.“

Worin alle Befragten sich einig sind, ist immer wieder herauszuhören: „Die Freude ist riesengroß, bald wieder durchstarten zu können. Die Gemeinschaft wieder zu erleben, die vertrauten Stimmen wieder zu hören. Und es werden alle wiederkommen. Diejenigen, die nicht mehr kommen, tun das des Alters wegen. Aber sicherlich auch mit einem weinenden Auge.“

Die gute Nachricht zum Schluss: Die ersten Chöre können aufgrund der gesunkenen Inzidenz wieder mit ihren Proben beginnen.

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