Sauerland Tourismus: „Größte Herausforderung der Geschichte“

Coronakrise trifft Gastronomie und Tourismus im Sauerland mit aller Härte

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Leere Restaurants, Kneipen und Hotels - die Coronakrise trifft Gastronomie und Tourismus im Sauerland mit aller Härte.

Hochsauerland – Leere Hotelzimmer, verwaiste Tagungssäle, leere Restaurants und Kneipen – die Coronakrise trifft auch die Hoteliers, Gastronomen und Caterer im Sauerland mit aller Härte.

Bis zum 19. April sind touristische Übernachtung untersagt, Kneipen und Cafés dürfen gar nicht mehr öffnen und Restaurants nur unter bestimmten Auflagen und zu bestimmten Zeiten. Tausende Gäste haben das Sauerland seitdem verlassen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von fatalen wirtschaftlichen Folgen und fordert sofortige Maßnahmen für das Gastgewerbe.

„Ohne schnelle und effektive Hilfe befürchten wir eine Welle von Insolvenzen, die Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes Guido Zöllick. Auch Hans-Dietmar Wosberg, Präsidiumsmitglied Dehoga NRW und Präsident Dehoga Westfalen, fordert Hilfen für die Betriebe in der Region, darunter viele Klein- und Familienbetriebe. Viele Betriebe hätten kaum Liquiditätsspielräume: „Trotz ausbleibender Umsätze laufen die Kosten weiter.“ Zugleich brechen ganze Wirtschaftskreisläufe zusammen. 

"Schritt in die richtige Richtung"

In einer ersten Stellungnahme begrüßten Gastronomie und Hotellerie dann am Donnerstag die vom Land NRW geplanten Maßnahmen zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus in Höhe von 25 Milliarden Euro. Das Maßnahmenpaket, das unter anderem Steuerstundungen und die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen vorsieht, Kredite vergünstigt und die Verbürgungsquote erhöht, könne nach Einschätzung des Dehoga NRW helfen, die Liquidität in Gastronomie und Hotellerie zu erhalten. Es sei ein gutes Signal, so der Dehoga NRW. Im Fokus der nächsten Tage werde stehen, die Maßnahmen auszuwerten und zu überprüfen, wie passgenau sie auf die Branche passen.

Darüber hinaus fordert der Dehoga ein Ende des Verordnungschaos. Für Hans-Dietmar Wosberg ist klar: „Wir brauchen eine klare Linie.“ Auch eine 14-tägige Schließung der Restaurants käme für ihn in Betracht. „Aktuell eiern wir rum“, kritisiert er. Zwar dürfen Restaurants derzeit bis 15 Uhr öffnen, aber ob in der Zeit überhaupt Gäste kämen, sei schwer abzuschätzen. So habe er bereits von ersten Gastronomen gehört, die von sich aus schließen, weil das Tagesgeschäft nicht mehr kalkulierbar sei. Die Stadt Sundern hat ab Freitag per eigener Verordnung Restaurants und Imbisse im Stadtgebiet geschlossen. 

Vom Dehoga-Bundesverband heißt es: „Hotellerie und Gastronomie sind bereit, alle notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung von Corona-Infektionen mitzutragen, bis hin zur kompletten Schließung aller Betriebe. Gleichzeitig muss den Unternehmen aber durch effektive, unbürokratische Regelungen eine Überlebensperspektive gegeben werden.“

"Es ist schlimm, auch für die Mitarbeiter"

Das Hotel Deimann in Schmallenberg informierte seine Gäste am Mittwoch über die Auswirkungen des Erlasses. „Viele waren überrascht, weil sie in ihrem Urlaub noch nichts davon mitbekommen hatten und natürlich enttäuscht, dass sie diesen abbrechen mussten“, berichtet Geschäftsführer Andreas Deimann. Die 200 Betten des Hauses sind nun leer, die Lage sei dramatisch. „Natürlich geht die Gesundheit vor, aber es ist schlimm, auch für die Mitarbeiter.“ 

Deimann begrüßte, dass die Kurzarbeitergeldregelung schnell auf den Weg gebracht wurde, aber es gebe dennoch viele Unsicherheitsfaktoren. Auch Deimann hatte im Gespräche mit dem SauerlandKurier deutliche Signale von der Politik gefordert. In seinem Betrieb versucht er aktuell, Arbeiten vorzuziehen, um insbesondere diejenigen der 220 Mitarbeiter, die nicht in Kurzarbeit sind wie etwa Auszubildende, weiter zu beschäftigen. Dazu zählen beispielsweise der große Hausputz, Aufräumarbeiten oder die Inventur – Dinge, die sonst bei laufendem Tagesgeschäft nebenher gemacht würden. 

Sauerland Tourismus spricht von dramatischen Auswirkungen

Der Sauerland Tourismus bewertet die Auswirkungen des Erlasses für alle Beteiligten ebenfalls als dramatisch. „Nach dem schwachen Winter und angesichts der Waldschäden müssen wir realisieren, dass das sonst so krisenfest aufgestellte touristische Sauerland nun vor der größten Herausforderung seiner Geschichte steht. Alle Gedanken drehen sich um unsere gastlichen Häuser und Ausflugsziele sowie die Gesundheit und die Arbeitsplätze aller Mitstreiter.“ 

Für die Zukunft erwarte der Sauerland Tourismus Klarheit der Behörden und dann den Schulterschluss aller, um die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen der zeitlich nicht absehbaren Krise zu meistern. „Wenn das irgendwann überstanden ist, wird der Druck umso größer sein, die grüne Freizeitregion und ihre vielen Angebote wieder zu besuchen. Wir hoffen, dass das alle Betriebe erleben und werden bis dahin helfen, alle verfügbaren Informationen über Kurzarbeitergeld, Finanzhilfen und dergleichen gut abgestimmt bereitzustellen.“

Der Sauerland Tourismus verzeichnet in seinem Gebiet 994 Übernachtungsbetriebe mit rund 50.000 Betten (erfasst werden nur Betriebe ab zehn Betten). Laut der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten gibt es im HSK 600 Betriebe im Gastgewerbe mit rund 7.100 Arbeitnehmern.

NGG fordert Aufstockung des Kurzarbeitergeldes

DieGewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten fordert einen stärkeren Corona-Schutztschirm für die Arbeitnehmer der Branche: „Die meisten Kellnerinnen, Köche und Hotelfachangestellten müssen jetzt zuhause bleiben. Zwar können sie Kurzarbeitergeld bekommen. Das liegt aber nur bei 60 Prozent (Eltern: 67 Prozent) des ohnehin oft geringen Einkommens. Für viele Betroffene geht das an die Existenz“, sagt Isabell Mura von der NGG-Region Südwestfalen. Die Gewerkschaft ruft deshalb den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dazu auf, per Tarifvertrag eine deutliche Aufstockung des Kurzarbeitergelds für die Branche auf den Weg zu bringen. Ziel müsse sein, die Einbußen für Arbeitnehmer so gering wie möglich zu halten und Arbeitsplätze in der Krise zu sichern. Wie das gehen könne, hätten die Unternehmen in der Systemgastronomie (McDonald’s, Burger King, Nordsee) gezeigt. Zusammen mit der NGG habe sich die Branche am Dienstag auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent des Nettolohns geeinigt.

Fachkräfte werden nach der Pandemie gebraucht

Das neue Kurzarbeitergeld wurde in der vergangenen Woche im Rekordtempo von Bundestag und Bundesrat verabschiedet. Danach übernimmt die Bundesagentur für Arbeit rückwirkend ab März die Sozialversicherungsbeiträge für Betriebe, in denen mindestens zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Außerdem sagte die Bundesregierung betroffenen Firmen großzügige Kredite zu. „Gastronomen und Hoteliers sollten einen Teil der Hilfen für die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes einsetzen. Damit können auch Fachkräfte gehalten werden – die man nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder braucht“, so Mura.

Auf seiner

Internetseite bündelt der Sauerland Tourismus

übrigens verschiedene Informationen rund um das Thema Corona. Auch der

Dehoga NRW hat Infos

auf seiner Seite zusammengestellt. 

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