Gottesdienste im Live-Stream und gemeinsame Gebete

Im Gebet verbunden: So reagieren Arnsberger und Sunderner Gemeinden auf Coronakrise

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Leere Kirchen auch zu Gottesdienstzeiten: Die Coronkrise wirkt sich auch auf das Gemeindeleben in Arnsberg und Sundern aus. (Im Bild die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Neheim)

Arnsberg/Neheim – Die aktuelle Situation mit dem Verbot von Gottestdiensten stellt auch das kirchliche Leben vor größere Herausforderungen. Von den Absagen betroffen sind in besonderer Weise öffentliche Gottesdienste, Tagungen, kirchliche Fortbildungsangebote, öffentliche Gremiensitzungen, Wallfahrten und sonstige Fahrten, so das Erzbistum Paderborn.

Die Feier der Ersten Heiligen Kommunion muss aufgrund der Gesamtsituation zunächst bis in die zweite Jahreshälfte verschoben werden. Dies betrifft auch sämtliche Firmfeiern im Erzbistum Paderborn. Beerdigungen dürfen  aktuell ausschließlich im kleinsten Kreis direkt am Grab stattfinden. Trauungen und Taufen können nicht in einer öffentlichen Feier begangen werden. 

Auch die Osterfeierlichkeiten liegen in dem betroffenen Zeitraum und finden nicht statt, wie das Bistum weiter ausführt. „Die Entscheidung, das Österliche Triduum nicht öffentlich zu feiern, ist Erzbischof Becker sehr schwer gefallen. Denn damit wird – erstmals überhaupt – den Gemeinden und Priestern im Erzbistum die Feier des Gedächtnisses des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus nicht möglich sein“, heißt es. Nun müssten andere Wege gefunden werden, um die österlichen Geheimnisse zu begehen. Der Livestream aus dem Paderborner Dom und anderen Kirchen werde eine Möglichkeit sein.

Internet an, Gotteslob dazu und dann mitbeten und mitsingen

Einen ähnlichen Weg geht bereits die katholische Gesamtpfarrei St. Petri Hüsten: Auch wenn das Zusammenkommen als Gemeinde momentan nicht möglich ist, feiern die Priester der Pfarrei weiterhin nicht öffentlich die Heilige Messe, um die Sorgen der Menschen vor Gott zu bringen. Bis zum 19. April wird sonntags um 11 Uhr die Heilige Messe aus der Petrikirche als Live-Stream auf YouTube übertragen.

 "Der große Zuspruch zur Premiere vom 3. Fastensonntag hat uns bewogen, dieses Angebot fortzuführen. Wir sehen es als eine lokale Ergänzung zu den üblichen Fernsehgottesdiensten. Das Bewusstsein der örtlichen Nähe zu der Messfeier in der eigenen Pfarrei und das Gegenüber vertrauter Stimmen und Personen wird von vielen als hilfreich und wohltuend für die eigene Mitfeier und die geistliche Gemeinschaft empfunden. Das möchten wir gern unterstützen", so Pfarrer Daniel Meiworm. "Wir laden ein, sich dazuzuschalten und mitzufeiern: Internet an, Gotteslob dazu und dann mitbeten und mitsingen!"

Persönliches Gebet in den Kirchen möglich

Darüber hinaus bleiben die Kirchen der Pfarrei weiter offen und laden zu den üblichen Zeiten zum persönlichen Gebet bei stillem Verweilen ein. Auch abseits der sonstigen Gottesdienstzeiten lädt das Pastoralteam St. Petri dazu ein, sich im Gebet zu verbinden: "Dreimal am Tag - um 10, um 15 und 20 Uhr - zünde ich eine Kerze an, komme zur Ruhe und denke an die Menschen, die von Corona betroffen sind", lädt Vikar Tobias Hasselmeyer ein, es ihm gleich zu tun. 

Auch in der Arnsberger Propsteikirche finden derzeit keine Gottesdienste statt.

Im Pastoralen Raum Arnsberg läuten jeden Sonntag um 10 Uhr die Glocken und laden ein, das "Vater unser" gemeinsam zu beten. Jeden Tag um 15 Uhr betet die kath. Gemeinschaft Shalom den Rosenkranz der Barmherzigkeit auf ihrem youtube-Kanal und Facebook. Propst Hubertus Böttcher meint: "Vielleicht ist diese Zeit mehr als eine Herausforderung eine Einladung. Eben nicht nur blindes Schicksal oder reiner Unfall und Zufall, sondern ein Dialog mit unserem Schöpfer und Erlöser. Eine Chance, Leben neu zu entdecken und zu verstehen. Ein Zwischenruf, der uns aufwecken kann." Und weiter: "Krisenzeiten sind Gnadenzeiten. In der Not erkennt man die wahren Freunde. Vielleicht verstehen wir neu, dass es nur eine gemeinsame Erde und einen gemeinsamen Himmel gibt."

Die Glocken läuten sonntags um 10 Uhr

Auch die evangelische Kirchengemeinde Arnsberg ruft dazu auf, sich sonntags im Gebet zu verbinden: "Es wäre wunderbar, wenn wir uns alle sonntags dadurch verbinden, dass wir um 10 Uhr miteinander für das Wohl unserer Stadt und anschließend das Vater unser beten würden. Die Glocken von St. Norbertus werden dazu jeden Sonntag um 10 Uhr aufrufen und einladen." Die Predigten für die Sonntag werden auf der Homepage eingestellt. 

Schon jetzt kündigt die Gemeinde an, dass die Gottesdienste am Karfreitag und am Ostersonntag um 10 Uhr auf YouTube übertragen werden. "Wir wissen, dass wir Ihnen damit erhebliche Einschränkungen zumuten. Aber diese Einschränkungen sind ein Gebot der Nächstenliebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm (1. Joh. 4, 16)", so Pfarrer Johannes Böhnke.

Zum stillen Gebet und dem Anzünden von Opferkerzen sind die Kirchen weiterhin geöffnet.

Licht der Hoffnung in Neheim

Die Pfarrei St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel und die Ev. Kirchengemeinde Neheim laden dazu ein, in ökumenischer Verbundenheit an jedem Abend um 19 Uhr zum Klang der Kirchenglocken eine Kerze als Licht der Hoffnung ins Fenster zu stellen, ein Vaterunser zu sprechen und ein Gebet für die, die besonders vom Corona-Virus betroffen sind. Hierfür werden auf den Homepages (St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel und Evangelische Kirchengemeinde Neheim) auch Gebete angeboten. "Es gilt, wie von Verantwortungsträgern betont wird, den Ernst der Lage zu erkennen, ihr mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu begegnen, ohne dabei in Panik zu geraten. Dabei sind alle gefragt", so Pfarrer Stephan Jung.  Seine Pfarrei lädt zum Mitfeierns der Gottesdienste per Livestream oder zeitversetzt vom eigenen Youtube-Kanal ein.

"Abstand durch Gebet überbrücken"

Der Leiter des Pastoralen Raums Sundern, Pfarrer Stefan Siebert, richtet sich an die Gemeinde: „Abstand ist Ausdruck von Fürsorge!, dies hat unsere Bundeskanzlerin in Ihrer Ansprache an uns formuliert. Abstand ist der Zustand, den wir gerade alle spüren, wahrnehmen und in unseren Familien und in der Gesellschaft aushalten müssen. Als Gemeinschaft von Christen können wir diesen realen Abstand durch das Gebet überbrücken."

Er lädt dazu ein, als Kirche von Sundern und darüberhinaus abends um 19 Uhr eine Gebetsgemeinschaft zu bilden. Dazu werden in all unseren Kirchen und Kapellen um 19 Uhr für 10 Minuten die Glocken läuten. In dieser Zeit sind alle eingeladen, in Verbundenheit aller, das Gebet für die Corona-Pandemie und ein Vater unser zu beten. Das Gebet finden Interessierte auf der Homepage des Pastoralen Raums.

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Häufig gestellte Fragen und Antworten zu “Gottesdiensten, Sakramenten und Seelsorge” hat das Erzbistum Paderborn auf seiner Internetseite zusammengestellt. Das Erzbistum Paderborn hat außerdem eine Hotline freigeschaltet für alle, die das Bedürfnis nach einem Gespräch oder einfach einer freundlichen Stimme haben. Sie ist erreichbar unter Tel. 05251 / 125 4444.

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