Katrin Kaiser will Vergangenheit mit Fotos begreifbar machen

Vom Dachboden ins Museum

Ulla Schneider, stellvertretende Museumsleiterin und Fotografin Katrin Kaiser stellten die Ausstellung „Kaiser im Osten“ vor. Foto: Gaby Decker

Die Momente für die Ewigkeit festhalten und dabei Geschichten erzählen, das ist das Anliegen der 28-jährigen Neheimer Fotografin Katrin Kaiser.

Eine Fotoserie von Kriegsbildern ihres Großvaters, kombiniert mit eigenen Aufnahmen aus Polen und Russland, sind jetzt im „Blauen Saal“ des neu eröffneten „Blauen Hauses“ neben dem Sauerland Museum zu sehen.

Schon mit acht Jahren hatte sie zu Hause immer eine Kamera zu Verfügung und fotografierte alles, was ihr vor die Linse kam. Aber erst ein sechsmonatiger Aufenthalt in Amerika brachte sie dazu, dieses Hobby als Beruf aus zu wählen. Ein Fund auf dem Dachboden ihres Elternhauses gab die Idee zur Diplomarbeit, die jetzt im Blauen Saal zu sehen ist. Katrin Kaiser durchstöberte den Dachboden in ihrem Elternhaus und fand dort eine Militärkiste ihres Opas. Briefe, Bilder und Unterlagen aus dem zweiten Weltkrieg waren in der Kiste aufbewahrt. „Zum Schluss stand ich vor einem riesigen Haufen von Material. Dies alles wieder einfach so einzupacken, widerstrebte mir. So kam die Idee, alles auf zu arbeiten.“

Süterlinschrift selbst beigebracht

Ein ganzes Jahr brauchte die Fotografin, um sich einen Überblick zu verschaffen. Katrin Kaiser scannte die alten Fotos ein, brachte sich selbst die Süterlinschrift bei, um die alten Briefe übersetzen zu können und fand, dass dem allem noch etwas fehlte. Sie reiste an die Stätten, an die ihr Großvater im Krieg abkommandiert worden war. In Polen und Russland traf sie noch auf Zeitzeugen, die ihre eigenen Erlebnisse schilderten. Sie wohnte während dieser Zeit bei Familien und erfuhr, dass die Schulen in den Regionen alle ein kleines Kriegsmuseum haben. „Die waren eine wirkliche Fundgrube für meine Recherchen“, erzählt sie.

„Ich war nicht sicher, ob die Menschen mir wohlwollend entgegen treten würden. Aber meine Bedenken waren unnötig. Die meisten sind mir sehr freundlich entgegen gekommen und freuten sich, dass ein junger Mensch sich mit dem Thema auseinandersetzt“. Katrin Kaiser hat in den beiden Ländern Aufnahmen von Orten gemacht, die sie jeweils einem Bild aus dem Krieg zu geordnet hat. „Die Farbfotografien haben eine größere Wirklichkeitsnähe. Sie machen es dem Betrachter einfacher, sich in die Situation ein zu fühlen“, erklärt Katrin Kaiser.

Sie hat zwischen zehntausend und fünfzehntausend Aufnahmen gemacht. In der Ausstellung werden insgesamt 48 Bilder und drei Briefe des Großvaters gezeigt. „Ich habe ein Stück Geschichte meines Großvaters Wilhelm Kaiser, der 1993 gestorben ist, dadurch verstanden, in dem ich mich intensiv damit beschäftigt habe. Ich möchte die Vergangenheit als eine Geschichte von zwischenmenschlichen Beziehungen begreifbar machen und beleuchten.“

Die Ausstellung „Kaiser im Osten“ ist auch gleichzeitig in Dortmund zu sehen, da Katrin Kaiser dort für den Staatspreis im Kunsthandwerk NRW, manu factum 2013, nominiert worden ist. Zu sehen ist sie dort im Haus der Kunst und Kulturen. In Arnsberg schließen sich die Öffnungszeiten im Blauen Saal denen des Sauerlandmuseums an, die Werke sind bis zum 18. August zu sehen.

Weitere Informationen gibt es auch unter www.katrinkaiser.de. (Von Gaby Decker, neheim@sauerlandkurier.de)

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