Projekt der Nabu-Stiftung stößt auch auf Kritik

Das Rote Höhenvieh weidet jetzt auf dem Müscheder Spreiberg

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Das Rote Höhenvieh ist in Müschede angekommen: Besitzer Martin Kuhlmann begrüßt die Herde auf dem Spreiberg.

20 Jungrinder und eine erfahrene Leitkuh der gefährdeten Nutztierrasse Rotes Höhenvieh besiedeln ab jetzt eingezäunte Flächen auf dem Spreiberg bei Müschede. Dieses Beweidungsprojekt hat die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe gestartet.

Müschede - Neugierig erkunden die Rinder ihr neues zu Hause und statten den Anwesenden einen Besuch ab. Zuvor haben ausschließlich Schafe viele Jahre lang für den Erhalt des auch als „Wicheler Heide“ bekannten Naturschutzgebietes gesorgt.

Diese hätten ein Zuwachsen der wertvollen Magerweiden jedoch nur teilweise verhindern können. „Mit dem neuen Beweidungsprojekt können wir den Artenreichtum im Naturschutzgebiet deutlich verbessern und eine alte Landnutzungsform wiederbeleben. Denn Schafe und Rinder prägten den Spreiberg schon lange bevor das Gelände militärisch genutzt wurde“, erklärt Inés Noll, Mitarbeiterin der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe.

Um die Beweidung kümmern sich der im Gebiet tätige Schäfer Peter Kuhlmann und sein Sohn Martin. „Wir haben uns für das Rote Höhenvieh entschieden, weil die Tiere ideal an die Freilandhaltung angepasst sind und nährstoffarmes Futter wie Rotschwingel und Sträucher fressen“, erläutert Martin Kuhlmann. Und weiter: „In der normalen Kuhhaltung ist es so, dass die Kälber hinterher den Müttern weg genommen, weiter gemästet oder später wieder als Mutterkuh verwendet werden. Hier bleiben die Kälber bei ihren Müttern. Das ist hinterher auch schön anzusehen.“

Rinder „bei der Arbeit beobachten“

Auf dem Spreiberg besteht für Besucher die Möglichkeit, die Rinder das ganze Jahr über „bei der Arbeit zu beobachten“. Im zentralen Bereich des Spreibergs halten sie die Weiden offen und verhindern, dass Sträucher und Gehölze die artenreichen Magerwiesen mit ihren seltenen Blütenpflanzen verdrängen, informiert die Nabu-Stiftung. „Die Fläche hat eine sehr gute Grundvoraussetzung als Lebensraum – beispielsweise für die Feldlerche. Wir sind sehr gespannt, wie sich das Brutgeschehen in den kommenden Jahren entwickeln wird“, blickt Inés Noll in die Zukunft. Die Randbereiche des Gebietes werden künftig mit Schafen beweidet und so gepflegt.

Für den Aufbau der Rinderbeweidung ließ die Nabu-Stiftung rund 67 Hektar auf dem Spreiberg einzäunen. Damit das Gebiet weiterhin für Erholungssuchende zugänglich bleibt, wurden dabei der Rundweg und die ausgewiesenen Wanderwege erhalten. „Es ist jeder eingeladen, auf den Wegen spazieren zu gehen“, spricht die Mitarbeiterin der Nabu-Stiftung die Bürger an.

Für Unverständnis sorgt bei der Nabu-Stiftung jedoch, dass es in den vergangenen Monaten zu Vandalismus an den Weidezäunen kam. Die zerschnittenen Zäune seien nicht nur aus Kostengründen für die Tierhalter ärgerlich. Auch könnten sich die dort weidenden Rinder dadurch verletzen.

Polizeihauptkommissar Andreas Schlender von der Polizei Arnsberg als zuständiger Bezirksdienstbeamter weist laut Nabu-Stiftung darauf hin, dass bisher angezeigte Sachbeschädigungen keine Kavaliersdelikte darstellen und diese Straftaten mit allen Konsequenzen strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem bestehe für die Täter selbst ein erhebliches Verletzungsrisiko, da die Drähte des Zaunes stark gespannt sind. „Wir appellieren hier an den gesunden Menschenverstand, dass keine Zäune mehr durchgeknipst werden“, so Kuhlmann abschließend.

Über das Rote Höhevieh

Das Rote Höhenvieh ist eine typische robuste und widerstandsfähige Mittelgebirgsrasse, die früher auch im HSK weit verbreitet war. Als klassisches Dreinutzglied lieferte es Milch und Fleisch und arbeitete in der Landwirtschaft als Zugtier. Gegenüber den Hochleistungsrindern ist die alte Nutztierrasse aufgrund ihres geringen Ertrages jedoch im Nachteil, weshalb das Rote Höhenvieh mittlerweile gefährdet ist. Die Tiere bilden heute eine wertvolle Genreserve für die weitere Rinderzucht und bereichern durch ihre Besonderheit das Naturerleben der Menschen. Quelle: Nabu-Stiftung

„BI Spreiberg“ kritisiert Projekt der Nabu-Stiftung

Die Pläne der Nabu-Stiftung für das Beweidungsprojekt auf dem Spreiberg werden seit ihrer Vorstellung in Müschede und Umgebung kontrovers diskutiert. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier erläutert Ansgar Leonhard die aktuelle Sichtweise der Bürgerinitiative „Rettet den Spreiberg“:

Die BI hält an ihrer bereits vor Monaten geäußerten Kritik fest – unter anderem dass durch die Beweidung mit Rindern eine erhöhte Erosionsgefahr bestehen könne. Um die Fläche gehölzfrei zu halten, führt die BI an, dass Ziegen – welche vorher zusammen mit Schafen auf dem Spreiberg geweidet haben – definitiv mehr Gehölze fressen würden, als Kühe es tun. Der wesentliche Punkt aus der Bevölkerungssicht sei zudem, dass die Fläche jetzt eingezäunt ist. „Das ist schon sehr schade. Das hat man gerade zu Corona-Zeiten gemerkt. Jetzt wird man dazu gezwungen, auf den Wegeteilen zu laufen.“ Vom Vandalismus und den beschädigten Zäunen distanziert sich die BI deutlich.

Die BI kritisiert außerdem, dass es in den vergangenen Monaten Veranstaltungen gegeben habe, in denen auf die Wünsche der Bürger nicht entsprechend eingegangen worden sei. Es hätte zwar Vorschläge gegeben, was man eventuell noch verändern könnte – aber das seien Änderungen marginaler Art gewesen. „Es gab beispielsweise Änderungen im Zaunverlauf. Dadurch sind Bäume stehen geblieben, die eigentlich hätten gerodet werden sollen“, teilt Ansgar Leonhard mit. Die „völlig unsinnige Rodung einer Waldfläche“ – Sukzessionsfläche – sei jetzt jedoch durchgeführt worden. „Da bleibt das Unverständnis einfach. Es fehlen nach wie vor Antworten auf kritische Fragen.“

Abschließend argumentiert Leonhard: „Die Rinder müssen gepflegt, mit Wasser versorgt und es muss ein Stallgebäude gebaut werden. Wir werden weiter beobachten, was da oben läuft. Und kritisch verfolgen, dass die Grundzüge der Tierhaltung – soweit wir das beurteilen können – eingehalten werden, so dass die Tiere gut versorgt sind. Und wir werden darauf hinweisen, wenn Dinge schief laufen.“

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