„Eine große Verpflichtung“

Der Weg zum Comeback ist frei: Friedrich Merz gewinnt Duell um Bundestagskandidatur der HSK-CDU

Kampf ums Bundestagsmandat der HSK-CDU - Impressionen vom Duell Merz gegen Sensburg
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Friedrich Merz ließ sich nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses von den Delegierten feiern.

Der politische Sauerland-Krimi hat ein Ende: Mit einem überraschend deutlichen Ergebnis wurde Friedrich Merz am Samstagmittag von den Delegierten der CDU im Hochsauerlandkreis als Direktkandidat für den Bundestag gewählt. Der ambitionierte Arnsberger Politiker und Rechtsanwalt konnte 327 von 459 möglichen Stimmen auf sich vereinen (fünf Enthaltungen, eine Nein-Stimme). Das Nachsehen hatte der aktuelle CDU-Abgeordnete Prof. Dr. Patrick Sensburg, der 126 Stimmen erhielt. Die Reaktionen:

Arnsberg/Hochsauerland - „Es tat gut, mal wieder eine Abstimmung zu gewinnen“, sagte Merz unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses. „Ich freue mich über die Nominierung und empfinde es als große Verpflichtung für den Hochsauerlandkreis anzutreten. Diese Region ist meine Heimat und diese Veranstaltung wird in die Geschichte eingehen“, zeigte er sich sichtlich erleichtert und erfreut.

Mit seiner charismatischen Rede mit bundespolitischem Schwerpunkt, für die er viel Applaus erhielt, hatte Merz im Stadion Große Wiese in Arnsberg-Hüsten die Delegierten gleichermaßen begeistern und überzeugen können. Er übte Selbstkritik, blickte in seiner Ansprache auf den Bundesparteitag Mitte Januar zurück und stellte als erstes klar heraus: „Deutschland braucht eine Führung. Söder und Laschet müssen sich endlich einigen. Wir müssen entscheidungsfähig sein, denn wir wollen die Bundestagswahl gewinnen.“ Hinsichtlich seiner verlorenen Wahl um den Bundesparteivorsitz gegen Armin Laschet räumte Merz ein, dass es „falsch und instinktlos“ gewesen sei, nicht für das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden zu kandidieren, sondern stattdessen sogar das Amt des Bundeswirtschaftsministers für sich zu beanspruchen. „Die Kritik, die ich dafür bekommen habe, war berechtigt, die Enttäuschung bei meinen Unterstützern mehr als verständlich. Dafür entschuldige ich mich noch einmal ganz ausdrücklich.“

Unsere Wählerinnen und Wähler wissen nicht mehr, wofür wir eigentlich stehen.

Friedrich Merz

Eine klare Kante bewies der 65-Jährige auch in Bezug auf seine Partei. Die CDU habe ihren Kompass verloren, reguliere und verwalte sich zu Tode. „Unsere Wählerinnen und Wähler wissen nicht mehr, wofür wir eigentlich stehen. Wir müssen wieder den Mut haben, eine stinknormale, bürgerliche Politik zu machen, statt dem flüchtigen Zeitgeist atemlos hinterherzulaufen.“ Man sei nicht die besseren Grünen oder die etwas weniger radikale AfD. Wer den Holocaust leugne oder diese schreckliche Zeit als einen „Fliegenschiss der Geschichte“ bezeichne, mit dem habe man nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. „Wir verlieren beständig an die Grünen, vor allem im Westen, an die AfD, im Osten. Viele unserer Wählerinnen und Wähler von früher haben resigniert und gehen gar nicht mehr wählen.“

In seiner ambitionierten Rede bemängelte der heimische Politiker weiter die Defizite im Bereich Digitalisierung, Infrastruktur vor dem Hintergrund der gesamten Corona-Politik und übte große Kritik daran, dass sich die Gewichte der globalen Wirtschaft immer weiter Richtung Amerika und Asien umwälzen würden. Mit ausgestrecktem Arm zeigte er auf ein Waldstück und sagte: „Der amerikanische Häusermarkt und die chinesische Rohstoffindustrie bestimmen mittlerweile die Holzpreise im Arnsberger Wald mehr als die holzverarbeitende Industrie in unserer eigenen Region.“ Deutschland sei zwar nach wie vor ein gut funktionierendes Land mit beachtlichem Wohlstand, jedoch brauche man den Mut zur klaren Meinung, um aus dem politischen Lockdown wieder herauszukommen. Konsequentes und widerspruchsfreies Handeln, Ideen für die Zukunft, ein überzeugendes Wahlprogramm mit Perspektiven für Ökonomie und Ökologie sowie eine engagierte Europapolitik mitsamt glaubwürdiger Außen- und Sicherheitspolitik seien wichtige Aspekte für die Zukunft. Wirklich gut aufgestellt für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sei man derzeit aber noch nicht.

Merz will kein bequemer und angepasster Abgeordneter sein

Merz versprach den Delegierten daher kein bequemer und angepasster Abgeordneter zu sein, der wortreich erkläre, warum dies und jenes alternativlos war. Schließlich sei in einer Demokratie nichts und niemand alternativlos. Die CDU müsse die große Volkspartei der Mitte bleiben und die junge Generation dürfe nicht das Opfer einer mutlosen, verzagten und nur auf das Hier und Heute ausgerichteten Politik werden.

Neben dieser bewussten Spitze gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel knöpfte Merz sich auch auf seine ganz eigene Art die Debatte um eine geschlechtergerechte Sprache vor, wofür er viel Applaus erhielt. So zitierte er den Vorsitzenden des Vereins für Deutsche Sprache: „Eine kleine Clique entschlossener Ideologen in Universitäten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten“ wolle eine komplette Kulturnation „zum Affen machen“. Merz fragte scherzhaft und gewohnt bissig, ob er künftig sagen müsse: „Liebe Grüne und Grüninnen, Frau oh Frau statt Mann-oh-Mann oder Hähncheninnen-Filet.“ Einige wenige Leute hätten nicht das Recht die deutsche Sprache zu verändern: „Wir werden niemandem erlauben die Meinungsfreiheit an Schulen und Universitäten einzuschränken. Es gibt andere Herausforderungen als die Mohrenkopfstraße umzutaufen oder Universitätsarbeiten schlechter zu bewerten, weil die oder der Zuprüfende die ,Gender` nicht richtig gesetzt hat.“

Merz äußert sich zu bundespolitischen Absichten

Auch hinsichtlich etwaiger bundespolitischer Ambitionen, die ihm viele Kritiker unterstellen, äußerte sich Friedrich Merz. Er stritt derartige Gedankenspiele nicht pauschal ab, sondern betonte viel mehr.: „Und selbst wenn ich - was ich nicht weiß und was beileibe nicht der Grund für meine Bewerbung hier um das Bundestagsmandat im Hochsauerlandkreis ist - eine Aufgabe in einer späteren Regierung wahrnehmen sollte, dann bin und bleibe ich der Wahlkreisabgeordnete hier im Hochsauerlandkreis.“.

Genau diesen Aspekt hatte der amtierende Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg zuvor in seiner Rede hervorgehoben. Einleitend sagte er direkt an Friedrich Merz gerichtet: „ „Ich hätte mir gewünscht, dass Du Bundesvorsitzender geworden wärst. Das wäre für die Partei besser gewesen.“ So aber kam es zur Kampfkandidatur im Hochsauerlandkreis.

Der Briloner Bundestagsabgeordnete verwies auf seinen Einsatz und sein Engagement über Jahre hinweg für den Hochsauerlandkreis und auf zahlreiche Projekte, die er persönlich mit vorangetrieben hatte. Für den erfolgreichen Weiterbau der A46 bis Nuttlar habe er beispielsweise 14 Millionen Euro zusätzlich eingeholt. Als Bundestagsabgeordneter wolle er auch weiterhin mitarbeiten an dem Generationenwechsel nach der Merkel-Ära, für schnelles Internet im HSK sorgen, sich für eine gute Infrastruktur und eine strukturelle Zukunftsorientierung unseres Landes einsetzen, skizzierte Sensburg seine Zukunftspläne. Mit Blick auf seinen Konkurrenten sagte er: „Wir wählen heute keinen Minister und keinen Bundesvorsitzenden, sondern den Bundestagskandidaten.“ Auch dafür erntete er viel Applaus.

Sensburg zeigt sich als fairer Verlierer

Trotz der kämpferischen Rede fiel das Abstimmungsergebnis überraschend deutlich aus: Herausforderer Merz vereinigte 327 von 459 Stimmen auf sich. Trotz des Nackenschlages zeigte sich Sensburg am Ende als fairer Verlierer: „Viele Delegierte hätten sich uns beide gewünscht. Merz war ein starker Kandidat. Jetzt muss man schauen, dass er den nötigen Rückhalt in der Kreispartei hat und stark in Berlin auftreten kann.“ Er selbst könne zu einer eventuellen politischen Zukunft derzeit noch nichts sagen. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zeigte sich auch Friedrich Merz versöhnlich. „Ich stehe zu meinem Wort und unterstütze Patrick bei allem, was danach kommt“, versicherte der Wahlsieger.

Friedrich Merz gegen Patrick Sensburg - das Duell in Bildern

Kampf ums Bundestagsmandat der HSK-CDU - Impressionen vom Duell Merz gegen Sensburg
Kampf ums Bundestagsmandat der HSK-CDU - Impressionen vom Duell Merz gegen Sensburg
Kampf ums Bundestagsmandat der HSK-CDU - Impressionen vom Duell Merz gegen Sensburg
Kampf ums Bundestagsmandat der HSK-CDU - Impressionen vom Duell Merz gegen Sensburg
Friedrich Merz gegen Patrick Sensburg - das Duell in Bildern

Reaktionen aus der heimischen Politik

Die stellvertretende Landrätin der CDU, Hiltrud Schmidt freute sich vor allem über den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu Corona-Zeiten: „Wir haben heute eine gut organisierte, Corona-konforme Veranstaltung erlebt. 460 Delegierte haben den Bundestagskandidaten gewählt. Zwei gute Bewerber standen zur Wahl. Ein faires Verfahren, dass Friedrich Merz gewonnen hat. Ein herzliches Dankeschön an Patrick Sensburg für seine langjährige Arbeit im Hochsauerlandkreis. Wir freuen uns jetzt auf den Wahlkampf mit Friedrich Merz und sind davon überzeugt, dass er im September mit einem sehr guten Ergebnis in den Bundestag einzieht.“

Von einem „fairen Verfahren“ und einem „sauberen Wahlkampf“ sprach auch der Parlamentarische Staatssekretär Klaus Kaiser, der beiden Protagonisten für die Zukunft viel Erfolg wünschte. „Das war ein eindeutiges Ergebnis. Friedrich Merz hat wieder einmal gezeigt, dass er für ein guter Redner ist. Ich zolle Patrick Sensburg aber Respekt. Ich schätze beide sehr und habe gut mit ihnen zusammengearbeitet. Jetzt müssen wir uns hinter Merz versammeln und gemeinsam für die Zukunft kämpfen“, erklärte der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese.

Das Ergebnis hat gezeigt, dass Friedrich Merz im Hochsauerlandkreis eine feste Größe ist.

Matthias Kerkhoff

Der Landtagsabgeordnete der CDU, Matthias Kerkhoff, der souverän durch den Parteitag geführt hatte, äußerte sich dahingehend, dass man jetzt gemeinsam mit Friedrich Merz für ein gutes Ergebnis arbeiten müsse: „Das Ergebnis hat gezeigt, dass Friedrich Merz im Hochsauerlandkreis eine feste Größe ist. Das schmälert aber nicht die Leistung von Patrick Sensburg. Er hat sich mit seiner Arbeit verdient gemacht. Bei zwei Bewerbern konnte nur einer gewinnen. Dies ist ein Votum für Merz aber nicht gegen Sensburg. Wir machen jetzt einen guten Wahlkampf mit Merz. Mit dem überdurchschnittlich guten Ergebnis wollen wir zum Gesamtergebnis in Deutschland beitragen. Durch Merz haben wir jetzt eine journalistische Flughöhe erreicht. Wir arbeiten weiter zusammen an einem guten Ergebnis, dafür brauchen wir Mann und Maus.“

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