Historisches Arnsberg als „Denkmal des Monats“ – Stadtplaner im Gespräch

„Die DNA der Stadt erhalten“

Die einzelnen Phasen der Stadtentwicklung lassen sich noch heute unter anderem an der Altstadt ablesen.

Die Regionalgruppe Südwestfalen der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in NRW stellt im Laufe des Jahres 2015 mit der Aktion „Denkmal des Monats“ 12 historische Stadtkerne vor.

Die historischen Stadtkerne werden in einem Kalender in limitierter Auflage von 1.500 Exemplaren abgebildet und beschrieben. Im Mai ist nun Arnsberg an der Reihe. Der SauerlandKurier hat dies zum Anlass genommen, mit Arnsbergs Stadtplaner Thomas Vielhaber, der aktuell Vorsitzender der Regionalgruppe Südwestfalen der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in NRW ist, über die Baukultur und die Erhaltung der historischen Gebäude in Arnsberg zu sprechen.

„Der historische Stadtkern von Arnsberg ist durch das einzigartige Zusammenspiel von Topographie und Landschaft – insbesondere der Lage in der prägnanten Ruhrschleife – mit der baulichen Entwicklung geprägt. Noch heute sind die einzelnen Phasen der Stadtentwicklung, ausgehend vom Schlossberg über die im 12. Jahrhundert entstandene Oberstadt mit dem Glockenturm als früherem Stadttor bis zur jüngeren Unterstadt mit dem weiträumigen Marktplatz, also dem Alten Markt, im Stadtbild ablesbar“, beschreibt Thomas Vielhaber. Auch das preußische Klassizismusviertel, das als Regierungs-Neustadt im frühen 19. Jahthundert entstand und die städtebauliche Anbindung des damals bereits jahrhundertalten Kloster Wedinghausen sicherstellte, füge sich noch heute harmonisch in das Stadtgefüge ein. „Bewundernswert ist, dass sich die Stadt trotz kriegs- und feuerbedingter Zerstörungen ihre Kleinteiligkeit über die Jahrhunderte hinweg erhalten konnte.“

Historische Stadt nicht als Museum sehen

Häufig fällt im Zusammenhang mit historischen Bereichen das Stichwort „städtebaulicher Denkmalschutz“. Diesem möchte sich Vielhaber als Regionalvorsitzender in seiner Amtszeit besonders widmen. Doch worum geht es dabei genau? „Der städtebauliche Denkmalschutz verlagert die Betrachtung weg vom Einzeldenkmal hin zum Ensemble, zum Quartier und zum gesamten historischen Stadtkern. Denn wichtiger als die Frage, ob auch das letzte Fenster wirklich denkmalgerecht erneuert wird, ist doch die Sicherung des baukulturellen Erbes in seiner Gesamtheit“, verdeutlicht der Stadtplaner. Schließlich komme es also auf die Funktionsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Altstadt an und gleichzeitig darauf, diese zu erhalten und fort zu entwickeln. „Wir müssen uns dabei immer wieder an dem Stadtgrundriss mit seinem gewachsenen Platz- und Straßensystem und dem „Bauen in der Parzelle“ orientieren , also am Maßstab der alten Stadt. Nur so wird es uns gelingen, gleichsam die DNA der Stadt zu erhalten.“ Ferner gehe es aber auch darum, die historische Stadt nicht als Museum zu sehen, sondern als Lebensmittelpunkt mit dem Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur, Freizeit, Dienstleistungen und Versorgung.

Der Rat der Stadt Arnsberg hat im September 2014 das integrierte Handlungskonzept für die Arnsberger Altstadt beschlossen. Dieses zeigt Aufgabenstellungen und Chancen im Zusammenhang mit dem fortwährenden Strukturwandel der historischen Altstadt auf und unterbreitet – wie der Name schon sagt – Handlungsvorschläge. Darüber hinaus ermöglicht es den Zugriff auf Städtebaufördermittel.

Das Konzept war unter anderem Grundlage für die Umgestaltung von Klosterbrücke und Brückenplatz, aber auch für die Planungen des HSK zur Renovierung des Blauen Hauses und die gelungene Erweiterung der Bürgergärten. „Nun geht es in einem nächsten Schritt um die energetische und barrierefreie Ertüchtigung des Alten Rathauses und von Schulgebäuden und zukünftig auch um Nutzungsideen für den Schlossberg“, so Thomas Vielhaber.

Wer sich von den bereits realisierten Projekten ein Bild machen möchte, der hat dazu am 9. Mai beim „Tag der Städtebauförderung“ in Arnsberg die Gelegenheit. Lesen Sie dazu auch Seite 2! (Von Rebecca Rath, r.rath@sauerlandkurier.de)

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