Team stellt Jahresbericht 2019 vor

Dubiose Angebote und Fragen in Coronakrise beschäftigen Verbraucherzentrale Arnsberg 

Die Arnsberger Verbraucherschützer sind nun auch persönlich wieder erreichbar: (v.l.) Energieberater Carsten Peters, Büroassistenz Inke Westermann, Leiterin der Beratungsstelle Petra Golly und Verbraucherberater Volker Mahlich.

Arnsberg/Hochsauerland – Falsche Prepaid-Kreditkarten, Energieversorger, die Kunden mit unzulässigen Preiserhöhungen überrumpelten, Haustürverkäufer, die zum Abschluss überflüssiger Verträge für den Fernsehempfang drängten: Bei rund 5600 Verbraucheranliegen war die Verbraucherzentrale in Arnsberg im vergangenen Jahr Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigte Forderungen abzuwenden.

„Auch wenn wir wegen der Corona-Pandemie einige Wochen keine persönliche Beratung anbieten konnten, waren wir per Telefon und E-Mail weiter mit Ratsuchenden in regem Austausch und Kontakt. Dabei hat sich gezeigt, dass gerade in unsicheren Zeiten der Schutz vor Übervorteilung durch unseriöse Geschäftspraktiken besonders gefragt ist“, erklärte Beratungsstellenleiterin Petra Golly bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019. 

Mit rund 1450 Rechtsberatungen und -vertretungen hat sich die Beratungsstelle zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt. Viele Ratsuchende kamen mit Anliegen und Problemen rund ums Thema Telekommunikation in die Beratungsstelle. Neben den Klassikern – nicht nachvollziehbaren Posten auf der Telefonrechnung oder Stolperfallen beim Anbieterwechsel – sorgte mangelhafte Information beim Vertragsabschluss in Telefon-Shops für Ärgernisse. 

„Schneller weg, als man gucken konnte – das war ein Mobilfunk-Shop in Arnsberg. Zurück blieben Verbraucher mit überteuerten Verträgen, die ihnen die Shop-Mitarbeiter untergeschoben hatten. Die Beratungsstelle Arnsberg hakte erfolgreich beim Anbieter nach: Die Verträge wurden teils korrigiert, teils storniert. Bei den geprellten Kunden konnte damit jeweils ein Schaden zwischen 400 und 1200 Euro verhindert werden“, berichtet Beratungsstellenleiterin Petra Golly.

14-tägiges Widerrufsrecht gefordert

Bei einer landesweiten Stichprobe hatte die Verbraucherzentrale festgestellt, dass neun von zehn Shops ihren gesetzlichen Informationspflichten vor Abschluss eines Handyvertrages nicht nachgekommen waren. Danach müssen Kunden die wesentlichen Vertragsinhalte im Produktinformationsblatt vor der Unterschrift ausgehändigt werden. Zum Weltverbrauchertag hat die Beratungsstelle nicht nur gezeigt, wie Kunden darauf pochen können, die vorgeschriebenen Informationen vom Verkäufer auch ausgehändigt zu bekommen. Die Verbraucherzentrale NRW hat zudem ein 14-tägiges Widerrufsrecht bei solch komplexen Vertragskonstellationen gefordert. 

Ob Warenbestellungen über Shopping-Plattformen oder Abos für Streaming-Dienste: Einmal mehr hatten Kriminelle mit Hilfe gestohlener Daten im Internet auf Kosten ihrer Opfer eingekauft oder auf deren Namen Verträge abgeschlossen. Betroffene erfuhren vom Identitätsdiebstahl meist erst, wenn sie Rechnungen oder Inkassoschreiben erhielten oder unbekannte Abbuchungen auf ihrem Konto vorfanden. In der Rechtsberatung hat die Beratungsstelle dubiosen Forderungen einen Riegel vorgeschoben und auch präventiv Tipps gegeben, um Datendiebstahl vorzubeugen. Auch zum Thema Klimaschutz bot die Verbraucherzentrale eine Kampagne an. 

Erfreulich sei zudem, dass die Beratungsstelle im vergangenen Jahr mit neuen Vortragsangeboten punkten konnte. Im Gesundheitsbereich und bei Autorenlesungen trafen die Formate auf großes Interesse bei einem breiten Publikum, so dass an fünf Terminen rund 140 Interessierte zu Vorträgen von den Verbraucherschützern begrüßt werden konnten. 

Verbraucherfragen in der Coronakrise

Doch auch 2020 gab es für die Verbraucherschützer bereits einiges zu tun. Seit Beginn der Coronakrise brannten insbesondere Fragen rund um das Thema Reisen unter den Nägeln, schildert Petra Golly. Um alle Fragen zum Reiserecht aktuell beantworten zu können, wurden weitere Mitarbeiter zu diesem Spezialgebiet in Onlineschulungen fit gemacht. Aber auch die neue Gutscheinregelung für Fitnessstudio-Abos, Dauerkarten für Fußball oder Theater und für Konzert- und Veranstaltungstickets wollen Ratsuchende erklärt haben.

Da schulische und außerschulische Bildungsaktivitäten nicht in Form von Präsenzveranstaltungen umgesetzt werden konnten, wurden die vergangenen beiden Monate genutzt, vorhandene Konzepte zu aktualisieren, neue Themenfelder für die Bildungs- und Aktionsarbeit aufzubereiten und digitale Wege für die Verbraucherbildung zu erschließen. 

Ausgelöst durch die überproportional hohe Nachfrage zu Corona-bedingten Verbraucherproblemen in den vergangenen Monaten haben sich ständig aktualisierte Informationen im Internet zwecks Unterstützung der Selbsthilfe erneut bewährt, resümiert die Verbraucherzentrale. Interaktive Musterbriefe, themenspezische FAQ oder die neue Podcast-Reihe „VZHörbar“ garantieren eine verbesserte Reichweite und eine zielgruppengerechte Ansprache digital affiner Verbrauchergruppen.

Kontakt 

Analog zu anderen Lebensbereichen hat die Verbraucherzentrale die persönliche Beratung vor rund drei Wochen schrittweise wieder aufgenommen, wenn auch zunächst nur nach vorheriger Terminvereinbarung, die telefonisch unter Tel. 0 29 32/51 09 701 oder überdas Kontaktformular im Internet unter www.verbraucherzentrale.nrw/arnsberg möglich ist. Auch über die Online-Kanäle sind die Verbraucherschützer weiterhin erreichbar.

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