In einer Minute 80 Nüsse zerhauen

und zerschlagen. Fotos: Marcus Althaus

Salvatore Tiso will den Weltrekord beim Bruchtest neu aufstellen - Es herrscht Kokosnuss-Mangel

Neheim. (ma)

Ein Schlag, ein Schrei und die Fetzen fliegen durch den sonst so penibel sauber gehaltenen Raum. Auf dem Laminat-Boden, an der gestrichenen Wand — überall Spuren von Kokosnuss-Stücken und Milch. Zack: zerbricht auch schon die nächste, sekündlich, und weiter.Die Zerstörung ist präzise, schnell und kraftvoll - fast maschinell. Es handelt sich aber nicht um die Produktionsstätte eines Lebensmittelherstellers, der an das Innere der Frucht heran will. Es sind die Räume der privaten Sportschule Yom-Chi und die voluminösen Nüsse sind Trainingsgerät. "Geschwindigkeit, Kraft und minimale Fläche reichen aus um harte Gegenstände zu zerbrechen", sagt Salvatore Tiso. Der Kampfsportler ist ein Meister der Selbstverteidigung Hapkido oder um genau zu sein "Hwa Rang Husunsul Do Hapkido" was soviel heißt wie "Der Weg der blühenden Kriegsritter der Selbstverteidigung". Lächelnd hält Salvatore ein Blatt Papier in Händen. Darauf physikalische Formeln: "Leistung gleich Arbeit durch Zeit" und "Druck gleich Kraft durch Fläche". So einfach ist das, und so schwierig: Denn jeden Ungeübten kann Tiso nur vor dem Selbstversuch warnen. Seit seinem sechsten Lebensjahr trainiert der heute 31-Jährige verschiedene Kampfsport-Techniken. Sein erster Trainer Michael Lee Silvers bildete ihn 13 Jahre lang aus. Sein jetziger Großmeister ist Dr. Chung Jung Sehook, achter Dan.

Salvatore Tiso hat selbst schon den vierten Dan erreicht, was in auch zu einem Großmeister macht. Jeder Dan von eins bis vier ist zu vergleichen mit Ausbildung, Junggeselle, Altgeselle und Meister. Alles was danach kommt, ist Verfeinerung.

Doch auch Großmeister müssen hart trainieren. Nur angewandte Physik reicht nicht aus. Gezielt und über viele Jahre muss der Körper oder in diesem Fall die Handkante an das Vorhaben herangeführt werden. Die Handkante von Salvatore fühlt sich so hart an wie ein Stein. Um dies zu erreichen rollt er sie an einem Rattanstock über den Boden. Das sieht fast so aus, als wenn jemand ein Messer an einem Stein schleift. "Ich hole mir auch 50 Zentimeter lange Baumstämme die einen Durchmesser von 30 Zentimeter haben und schlage so lange mit der Hand darauf bis das Holz nachgibt." Dabei bildet sich erwartungsgemäß nicht nur Hornhaut. Es entsteht Knorpel unterhalb des Handknochens.

Nach anderthalb Jahren Training an Hartgummi dürfen seine Schüler sich an 1,2 Zentimeter dickem Fichtenholz versuchen. Erwachsene schaffen dann bis zu 2,5 Zentimeter.

Allerdings kommt es auch dabei schon auf das harmonische Zusammenspiel von maximaler Festigkeit der Hand, hoher Geschwindigkeit und höchster Konzentration an. Tiso: "Der komplette Bewegungsablauf muss absolut präzise und auf den Punkt sein". Damit wird erreicht, dass die gesamte Kraft auf eine kleine Stelle an einem Stein, einem Brett oder einer Kokosnuss wirkt. "Beim Zerschlagen eines Flusskieselsteins mit der Handkante werden über 10.000 Newton benötigt. Das entspricht einer Tonne die in 1,5 Millisekunden auf den Stein trifft." Das weiß auch Dr. Josef Pille. Der Mathematiker hat seine Doktorarbeit über den Kampfsportler geschrieben.

Die Geschwindigkeit ist ebenfalls enorm wichtig. Für den "Bruchtest", wie das Kokosnusshauen offiziell genannt wird, steht jedem nur eine Minute Zeit zu Verfügung.

Die richtige Technik bringt es dabei: Ein Shao-Li Mönch schaffte mit Kung-Fu 25 Nüsse bevor er aufgab. Ein Karate-Großmeister brach sich bei der 15 Nuss die Hand. Sein Hauptkontrahent kommt auch aus dem Hapkido, Muhamed Kahrimanovic, und hat 69 Kokosnüsse in einer Minute zerschlagen. Kahrimanovic stand damit auch im Guinnessbuch der Rekorde.

Mittlerweile liegt der Weltrekord bei 76 Nüssen. Salvatore hatte auch schon einmal den Weltrekord inne und konnte im vergangenen Jahr nicht antreten. Nun visiert mindestens 80 Nüsse an. Dazu kauft er alle Kokosnüsse, denen er habhaft werden kann. Beim nächstgelegenen Handelshof als auch in den Supermärkten: Zwischen Arnsberg und Sundern dürfte keine Nuss mehr zu finden sein.

Bis zum September bei den "Martial Arts" Weltmeisterschaften im niedersächsischen Hollenstedt bei Hamburg hat Tiso noch Zeit. Bei der Veranstaltung zu Ehren von Max Schmeling werden neben den Gebrüdern Klitschko auch viele prominente Boxer und andere Kampfsportler zugegen sein.

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