Noch Luft nach oben für lokalen Einzelhandel

Einzelhandelslabor Südwestfalen präsentiert Umfrage-Ergebnisse in Neheim

Wie können sich die Händler aufstellen, damit Kunden weiterhin ihre Einkäufe vor Ort erledigen? Darum geht es im Einzelhandelslabor Südwestfalen. Foto: Rebecca Weber

Neheim. Die Nutzung digitaler Medien und Techniken im südwestfälischen Einzelhandel kommt voran, hat aber noch viel Luft nach oben. Der Handel nutzt weitgehend das Internet zum Wareneinkauf, beim Verkauf nutzt er diese Möglichkeit deutlich geringer.

„Um mit den Kunden auf digitaler Augenhöhe zu sein, bedarf es für die Einzelhändler einer Strategie der kleinen Schritte“, sagte Stephan Britten von der IHK Arnsberg jetzt bei der Präsentation der ersten Ergebnisse der Händlerbefragung im Rahmen des Modellprojekts Einzelhandelslabor Südwestfalen.

„Wenn sich die Händler diesem Prozess stellen, dann bietet das Labor die Möglichkeit, individuelle Lösungen zu finden.“ Die in einer „Roadshow“ im Neheimer Kaiserhaus präsentierten Ergebnisse zeigen, dass die Einzelhändler durchaus die Bedeutung der Digitalisierung erkennen und sie insbesondere für die Warenwirtschaft nutzen, also wenn sie selbst Kunden sind. Das sind in Südwestfalen 70 Prozent, in Arnsberg 64, wie die Händlerbefragung der FH Südwestfalen (Soest) in 26 Städten ergeben hat. An der Befragung nahmen insgesamt 243, in Arnsberg 24 Einzelhändler teil. „Beim Einkauf sind sie digital sehr aktiv“, betonte Lars Bollweg vom Competence Center E-Commerce der FH. Der nächste Schritt zur Internetpräsenz fällt dem Einzelhandel aber offensichtlich schwer. „Die Einzelhändler kaufen digital ein, haben die Waren digital erfasst, in vielen Fällen wird diese Information aber nicht ins Internet gestellt und ist nicht abrufbar“, erklärte Bernd Lepksi, Chef der Arnsberger Wirtschaftsförderung. „Der Kunde erwartet das aber. Damit berauben sich die Einzelhändler der Chance, mit zum Teil einfachen Mitteln ihre Kunden stärker zu binden und sich vor der Konkurrenz größerer Anbieter zu schützen.“

Weitere aufschlussreiche Zahlen der Befragung zur Digitalisierung: In Arnsberg nutzen 20 Prozent einen Onlineshop (rund 25 Prozent in Südwestfalen). Nur 18 Prozent der Einzelhändler verkaufen auf Drittanbieterplattformen wie Ebay oder Amazon. Die Hälfte der Einzelhändler vor Ort bieten digitale Zahlungsmöglichkeiten an, hauptsächlich EC-Kartenzahlung. Ein großes Problem - so Lars Bollweg – ist die Nutzung von Software zur Markenunterstützung. Da hinkt Arnsberg arg hinterher.

Während in Südwestfalen rund 20 Prozent der Unternehmen die Software nutzen, sind es in Arnsberg nur vier Prozent. Bollweg: „Die Suchmaschinenoptimierung ist ungemein wichtig, da immer mehr Internetnutzer Suchmaschinen als eine hilfreiche Informationsquelle nutzen.“ Dabei seien Maßnahmen, die Webseiten in den Suchergebnissen der Suchmaschinen möglichst weit nach vorn zu bringen, relativ einfach. Professor Dr. Peter Vieregge von der privaten Hochchule BiTS (Iserlohn) präsentierte 15 einfache Tipps für die Programmierung, Softwareanpassung und Excel-Nutzung, „um bei Google nach oben zu kommen“.

Dass die Digitalisierung des Einzelhandels vor Ort ein langer Prozess ist, machten auch Händlergespräche der Universität Siegen deutlich. Dabei ging es „um digitale Anwendungen für den Point of Sale“ (Verkaufsstelle). „Ein Ergebnis ist, dass die Kunden durch das Internet preisintensiver geworden sind, so sehen es die Händler vor Ort“, sagte Theresia Mennekes vom Lehrstuhl Marketing.

Wenig „Cross-Channel-Integration“

„Weiterhin werden innovative Technologien bisher kaum genutzt bzw. sind oftmals nicht bekannt.“ Die „Cross-Channel-Integration“ werde wenig gelebt. Die Digitalisierung werde teilweise als notwendiges Übel angesehen. Grundsätzlich sei eine moderate Bereitschaft zur Nutzung der neuen Techniken im Point of Sale vorhanden. Der Wille, in hochpreisige Technologien zu investieren, sei aber gering. „Die Einzelhändler halten sich bei der Nutzung digitaler Techniken zurück, zeigen aber starkes Interesse ihre Produkte online anzubieten.“

Als große Herausforderungen - so die Befragung - sehen die Händler die Online-Konkurrenz, den Preisdruck, abnehmende Kundenfrequenz oder lange Lieferzeiten, da online schneller geliefert wird.

„Show-Rooming“ bereitet Sorgen

Sorgen bereitet dem Einzelhandel auch und besonders das „Show-Rooming“: Kunden informieren sich im Laden vor Ort, kaufen dann aber online ein. Deutlich wurde bei der Roadshow, dass es im Einzelhandel „Barrieren und Treiber“ der Digitalisierung gibt. Eine große Barriere ist der Mangel an wahrgenommenen Vorteilen. Demgegenüber ist die Überzeugung zur Notwendigkeit der Nutzung ein Treiber. Im insgesamt drei Jahre laufenden Einzelhandelslabor sollen die Händlern von der Notwendigkeit und den Vorteilen der Digitalisierung überzeugt und ihnen auf dem Weg geholfen werden.

www.einzelhandelslabor.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare